no need of sun to light the way…

Schwarze Szene

Subkulturelle Unregelmäßigkeiten

Es kommt ja doch erstens immer anders als man zweitens denkt – wie das Leben eben so spielt. Oder Murphy mit seinen Gesetzen. Oder irgendein ein beliebiger anderer Sündenbock, der seinen Kopf herhalten mag. So schrieb ich noch im Januar im Rahmen des Gothic Friday davon, dass Würzburg als vergleichsweise kleine Großstadt gleich drei regelmäßige schwarze Veranstaltungen zu bieten habe. Und schawupps, hatte es sich dann auch schon wieder mit der schönen Regelmäßigkeit.

Im März fand der letzte regelmäßige Termin des Schwarzen Freitags statt; seitdem gab es ihn nur noch einmal im August. Gründe für diese Änderung gibt es wohl einige, im Forum des Schwarzen Würzburgs wurde auch ausgiebiger darüber diskutiert. Schade nur, dass sich wohl bislang keine anderen Örtlichkeiten gefunden haben, die eine solche Veranstaltung beherbergen möchten. Zumindest gehe ich momentan mal davon aus, da besagter einziger Schwarzer Freitag seit März auch wieder im Zauberberg stattfand. Immerhin ist der Schwarze Freitag damit nicht ganz aus der Welt, wird aber wohl vorerst ein seltenes Vergnügen bleiben.

Die Creatures of the Night finden auch nicht mehr so regelmäßig statt, wie es noch Anfang des Jahres schien. Immerhin aber hat sich die Zahl der Termine nicht verringert; es scheint da wohl eher zu Kollisionen mit anderen Veranstaltungen zu kommen, bzw. kam wohl seitens der Veranstalter etwas dazwischen. Dafür gibt es diesen Herbst dann gleich zwei aufeinander folgende Monate (nämlich Oktober und November), an denen die Kreaturen der Nacht auf dem Boot auf ihre Kosten kommen.

Immerhin das Tirili! bleibt wohl vorerst noch regelmäßig jeden 3. Mittwoch im Monat Schwarz! – und diesen Monat gibt es sogar noch einen zweiten Termin am Samstag davor. Vielleicht sollte ich mir einfach angewöhnen, unter der Woche wegzugehen. Hätte eh Vorteile, wenn ich dann am Tag darauf erst später im Büro wäre – ich könnte abends länger die Kollegen in den USA nerven. 😀

Insgesamt bleibt aber die schwarze Veranstaltungslandschaft in Würzburg vergleichsweise vielfältig. Und die Unregelmäßigkeiten, die sich im Laufe des Jahres eingeschlichen haben, müssen nicht mal schlecht sein: Frei nach dem Motto „you never know what you have until you lose it“ weiß der Würzburger Schwarzkittel diese Veranstaltungsvielfalt ja vielleicht eher zu schätzen, wenn es eben nicht immer nach Schema F geht.


Subkultur in der mainfränkischen „Provinz“

Das Thema des „Gothic Friday“ im Dezember ist in gewisser Weise etwas besonderes: Es wurde von den Lesern gewählt. Vorgeschlagen wurde das Gewinnerthema von ASRianerin – sie würde nun gerne wissen, wie es mit der Subkultur bei Jedem vor Ort so aussieht. Wie der geneigte Leser ja vielleicht mitbekommen hat, weile ich schon seit einigen Jahren in Würzburg. Und erstaunlicherweise ist hier, trotz der Tatsache, dass die Stadt mit runden 135.000 Einwohnern jetzt nicht unbedingt groß ist, doch vergleichsweise viel geboten. Zumindest, wenn einem daran gelegen ist, ab und zu mal tanzen zu gehen.

Da wäre zu allererst mal der monatlich stattfindende „Schwarze Freitag“: Immer am 2. Freitag des Monats zieht es da die Schwarze Szene in den Zauberberg. Das ist ein – sogar für Würzburger Verhältnisse – kleiner Club, weswegen es meist recht voll zu sein scheint. Stamm-DJ Sascha bringt meist – überwiegend elektronischen – Schwarzen „Mainstream“. Ergänzt wird er von einem monatlich wechselnden Gast-DJ, der dann auch mal einen Kontrapunkt dazu setzt. Auf dem sogenannten „Gegenpol“, eine eher provisorischen zweiten Minitanzfläche, gibt es dann auch mal die eine oder andere musikalische Überraschung. Bislang bin ich dadurch eigentlich fast immer auf meine Kosten gekommen: Sagte mir das Programm auf der Haupttanzfläche nicht zu, lief auf dem Gegenpol meist Annehmbareres.

Und sollten alle Stricke reißen, so bleibt auch immer noch die Möglichkeit, in den Zaubergarten (der Biergarten des Zauberbergs) oder – während der kälteren Jahreszeit – ins sogenannte „Marrakesch-Zelt“ zu gemütlichen Plauderrunden auszuweichen. Von Zeit zu Zeit hat der Schwarze Freitag übrigens auch mal den Auftritt einer Band zu bieten. Das wirkt zwar ob der beengten Verhältnisse meist recht improvisiert, macht solche Abende aber immer sehr sympathisch.

Falls der Zauberberg zum entsprechenden Termin schon von einer anderen Veranstaltung belegt ist, weicht der Schwarze Freitag ins Tirili aus – das kommt mir dann immer sehr gelegen, denn zu dem Club unter der Stadtmensa habe ich nur etwas über 5 Minuten Fußweg. Dort findet übrigens an jedem 3. Mittwoch im Monat eine weitere schwarze Veranstaltung statt: „Schwarz“. Und obwohl ich nun wirklich nahe dran wohne, habe ich es bisher nur einmal da hin geschafft. So ein Mittwoch ist da leider eher ungünstig, da ich ja doch meist am Donnerstag zumindest halbwegs fit wieder im Büro sitzen muss. Es war aber trotzdem ein angenehmer Abend, insofern sollte ich mich vielleicht doch mal wieder dazu aufraffen. 😉

Alle 2 Monate gibt es dann auch noch die größte schwarze Party, die Würzburg zu bieten hat. Das nächste mal am 24. Februar heißt es dann auf dem Boot wieder „Creatures of the Night“. Da hat mir bislang die Musikauswahl immer zugesagt, insofern bin ich immer da, wenn es sich einrichten lässt. Hier hat man dann auch wirklich zwei vollwertige Tanzflächen. Auf dem oberen Deck – ja, das Boot ist tatsächlich eins 😉 – läuft dann eine angenehme Mischung aus Wave, Synthpop und 80ies sowie gitarrenlastigeren Bands der Neuen Deutschen Härte bis hin zu Mittelalter-Rock. Auf dem unteren Deck geht’s dann eher elektronisch zur Sache.

Wenn mir dann zur Ausnahme mal an Tagen nach tanzen ist, an denen in Würzburg nichts geboten wird, verschlägt es mich gerne auch mal ins „Final Destination“ in Frankfurt oder in den „Cult“ in Nürnberg – dort dann meist zur „Grey Area“, denn die Mischung aus Wave und Industrial, die dort geboten wird, hat mir bislang auch immer sehr zugesagt.

Die Überschrift bezieht sich im Übrigen darauf, dass die Stadtmarketingagentur Würzburgs eine Zeit lang mit dem Slogan „Provinz auf Weltniveau“ versuchte, Werbung für die Stadt zu machen. Ja, manchmal fühlt es sich hier wirklich ein wenig an, wie in der tiefsten Provinz, aber die immerhin 3 regelmäßigen Veranstaltungen von und für die schwarze Szene können sich durchaus sehen lassen.

Nachtrag vom 1. September: Der noch Anfang des Jahres recht regelmäßig scheinende Veranstaltungskalender für Würzburg ist etwas turbulenter geworden.


Ist Gothic (m)ein Lebensstil?

Uff, da warten Shan Dark und Robert ja in diesem Monat wieder mit einem richtig schweren Thema für den Gothic Friday auf. Sie stellen die Frage, ob denn „Gothic“ (d)ein Lebensstil sei. Was ja nun irgendwie dann zwei Fragen sind, nur eben geschickt als eine einzige verpackt. Wobei das für mich jetzt noch eine dritte Frage aufwirft: Wo fange ich da bloß an?

Unterscheidet sich denn mein „Lebensstil“ so sehr vom Gros der Bevölkerung? Ich gehe 40 Stunden in der Woche arbeiten, ab und zu mal ins Kino, ab und zu auch mal tanzen oder auf Konzerte. Und wenn es sich irgendwie machen lässt, verbringe ich Zeit mit guten Freunden. Klingt jetzt nicht unbedingt besonders „goth“, oder? Zumindest wäre dies das Ergebnis, wenn man sich meinen Lebensstil nur ganz oberflächlich anschaut. Da das aber schon genug Leute tun, muss ich selbst das ja nicht auch noch machen. 😉

Im Unterschied zum Durchschnittsbürger allerdings renne ich fast ausschließlich in schwarzen Klamotten durch die Gegend. Im Büro besteht mein Outfit meist aus Band- oder Festival-T-Shirt sowie schwarzer Jeans. Es kommt aber auch mal vor, dass ich dezent mit Ringen besetzte Hosen an habe. In meiner Freizeit ziehe ich dann durchaus auch mal Kleidung an, die ich überwiegend auch zum Weggehen anziehe – inklusive bspw. New Rock Boots. Da ernte ich dann schon mal den ein oder anderen seltsamen Blick, aber das lasse ich an mir abprallen.

Aber warum gerade schwarz? Zum Einen habe ich festgestellt, dass ich mich in schwarzer Kleidung am wohlsten fühle – auch wenn ich da keine Erklärung für habe, wieso das so ist. Vielleicht, weil es komplett schwarze Kleidung einem leicht macht, sich aus der meist bunten Masse abzuheben und zu zeigen, dass man ein Individuum ist. Zum Anderen hat das aber auch einen gewissen Symbolwert: Schwarz bietet für mich einen Kontrast zur immer bunteren Werbewelt, in der wir zu leben scheinen. Außerdem wird es im europäischen Kulturkreis ja als Trauerfarbe angesehen. Insofern stellt es auch einen Kontrast zur „Spaßgesellschaft“ dar: Es ist eben nicht in jeder Sekunde des Lebens alles gut und schön und supertoll. Allzu häufig jedoch wird nach meinem Empfinden dazu geneigt, die Schattenseiten des Lebens beiseite zu schieben und ihnen keine Beachtung zu schenken. Aber ist das wirklich die richtige Art und Weise, damit umzugehen?

Wenn ich mal mies drauf bin, dann ist  das eben so – das könnte man also als (Teil meiner) Lebenseinstellung auffassen. Da kann dann sonst wer kommen und mir ein „Lach doch mal“ an den Kopf werfen. Es gehört für mich zum Leben dazu, dass man eben auch mal schlecht gelaunt ist. In solchen Situationen ziehe ich mich dann entweder zurück und lese, höre Musik oder schreibe gar etwas. Von Zeit zu Zeit gehe ich dann auch einfach mal spazieren: Am Mainufer Würzburgs in der Abenddämmerung, kurz bevor es richtig dunkel wird, lässt es sich sehr gut spazieren gehen und den eigenen Gedanken nachhängen.

Was im Übrigen die Musik angeht, dürfte der geneigte wiederkehrende Leser dieses Blogs ja schon mitbekommen haben, dass sie mir sehr wichtig ist. Gerade die Musik der Schwarzen Szene ist meinem Empfinden nach wesentlich tiefgründiger und nachdenklicher, als der Großteil dessen, was man sonst so serviert bekommt. Und ein nachdenklicher Mensch bin ich schon immer gewesen.

Aber macht das alles in Summe jetzt einen „Lebensstil“ aus? Und ist dieser als „Gothic“ zu bezeichnen? Ehrlich gesagt: Es ist mir eigentlich fast egal, solange ich als Individuum respektiert werde, so wie ich bin. Das allerdings ist unter Leuten, die sich selbst als Gothic bezeichnen würden, bislang am ehesten der Fall gewesen.


Alles nur geklaut?

Das Thema „Musik“ will mich augenscheinlich nicht loslassen. So war sie ja vor zwei Monaten beim „Gothic Friday“ schon Thema. Jetzt im April – das Märzthema habe ich wohl voller Frühjahrsmüdigkeit komplett verpennt – stehen zwei Möglichkeiten zur Wahl: Die Top-5-Filme oder die Top-5-Coverversionen. Da ich ja was Film und Fernsehen angeht eine wandelnde Bildungslücke bin, kommt es also, wie es kommen muss.

In meinem Beitrag zum Gothic Friday im Februar hatte ich ja schon erwähnt, dass ich meinem auditiven Cortex vor meinem Einstieg in die eher dunkleren musikalischen Sphären hauptsächlich Trance, Dance und dergleichen mehr zugeführt habe. Da gab es gerade in der Richtung Vocal Trance eine Anhäufung von lieblos zusammengeklatschten Coverversionen großer Hits, was mit dazu geführt hat, dass ich mich nach musikalisch wesentlich nahrhafterer Kost umgeschaut habe. So bin ich zwar bei Neuinterpretationen immer noch reichlich skeptisch, durfte aber inzwischen feststellen, dass es eben auch wirklich gelungene Cover gibt – auch und gerade in der schwarzen Szene. Hier also mein kleiner Streifzug durch in meinen Au… äh, Ohren wirklich gelungene Coverversionen.

Was bietet sich da als Einstieg besser an, als A Forest? Im Original von The Cure einer der Tanzflächenfüller in der schwarzen Szene schlechthin. Auf ihrem 2004er Album „Monument“ hat das Trance-Duo Blank & Jones sich dieses Stückes angenommen und es – im Übrigen in Zusammenarbeit mit The Cure-Sänger Robert Smith persönlich – in ein neues Gewand gekleidet. Diese Version schafft es wirklich prima, die Brücke zwischen Goth Rock und Trance zu schlagen und würde sich sicherlich auch gut in ein Futurepop-/Synthpop-Set im Club einfügen. Es sind also auch nicht alle Coverversionen, die aus dem Bereich Trance kamen, schlecht. 😉

Eines der Stücke, die mich immer wieder sehr bewegen, ist Homeward von VNV Nation. Kommt das Original VNV-typisch angenehm elektronisch daher, so haben die eher im Bereich Neoklassik und Folk zu verortenden Chamber es geschafft, dem Lied ganz neue Seiten abzugewinnen. Meine erste Begnung mit dieser Version war im „Final Destination“ in Frankfurt. Schon bei den ersten Tönen saß ich da und grübelte, wieso mir die Melodie so dermaßen bekannt vorkam. Ich war so damit beschäftigt, darüber nachzudenken, woher ich das Stück kenne, obwohl ich es sicher noch nie gehört hatte, dass ich darüber völlig das Tanzen vergessen habe.

Völlig abseits meiner sonstigen Hörgewohnheiten habe ich In The Year 2525 von Zager & Evans immer sehr gemocht und höre es auch heute immer wieder gern. Das Lied aus dem Jahre 1969 war interessanter Weise der einzige wirkliche Hit des Duos. Verbreitet es im Original eine eher melancholisch-dystopische Stimmung, so haben Fields of the Nephilim daraus 2005 eine regelrecht furchterregende Schreckensvision gemacht. Das lange Intro, die E-Gitarren und allen voran Carl McCoys düsteres Organ lassen damit die Zukunft noch wesentlich düsterer erscheinen.

Über Thriller von King of Pop Michael Jackson muss ich wohl kaum Worte verlieren. Zu dem Lied wurde damals eines der aufwändigsten Musikvideos überhaupt produziert. Der Clip geht fast als Horrorfilm durch und könnte es damit eigentlich auch in die Top-5-Filme schaffen. 😉 Auf ihrem letztjährigen Album „Soul Saliva“ haben The LoveCrave eine recht eigenwillige Interpretation dieses Songs abgeliefert, die mir aber sofort ins Ohr ging. Gerne würde ich die Italiener dieses Stück mal live aufführen sehen – ihr Auftritt auf dem Amphi Festival 2008 hat mich wirklich begeistert. Daher bin ich überzeugt, dass ihre Version von Thriller live noch viel besser wirkt.

Lange habe ich im Übrigen gebraucht, um mit der Musik von Alexander Kaschtes Projekt Samsas Traum warm zu werden. Den Weg dahin geebnet hat sicherlich das Cover von Schwarz. Im Original von ASP fügt sich das Stück sehr geradlinig in den Schwarzen-Schmetterling-Zyklus ein: Die typischen Synthesizer-Sounds aus den Anfangszeiten der Band gepaart mit den damals noch recht zurückhaltend herüberkommenden E-Gitarren erzeugen da eher eine unterschwellig bedrohliche Atmosphäre. Kaschte dagegen lässt das Lied zu Anfang wesentlich verspielter klingen – man mag sich dazu vorstellen, wie der Schmetterling hier zunächst scheinbar wenig bedrohlich durch die Luft tanzt. Dann holt er aber im Gegensatz zur Vorlage wesentlich brachialer die Gitarren hervor und zeigt so deutlich, wie der Schwarze Schmetterling zunächst eher harmlos scheint, sich dann aber umso gnadenloser auf sein Opfer stürzt. Ein wirklich sehr tolles und stimmiges Cover.


Hallo, Echo!

Nicht, dass ich es mir nicht eh schon immer gedacht habe. Aber die Echo-Verleihung, die dieser Tage mal wieder stattfand, ist doch einfach nur eine Selbstbeweihräucherungsveranstaltung der großen Musikkonzerne. Ich kann mir da nicht helfen, aber ich persönlich würde als Musiker diesen Preis gar nicht haben wollen. Was mich mal wieder zu dieser Erkenntnis bringt?

Nehmen wir ganz aktuell mal Unheilig. Ich weiß, das Thema ist schon arg ausgelutscht, hat mich aber mal ein wenig mehr über solche Musikpreise nachdenken lassen. Das letztjährige Album „Große Freiheit“ wurde mit dem Preis für das „Beste Album“ bedacht. Sicher, es war ein wirklich solides Album, das ich auch gerne höre. Wenn ich aber einen Blick in die bisherige Diskografie von Unheilig werfe, war es in meinen Augen leider kein Kandidat für diesen Preis. Das 2004er Werk „Zelluloid“ hätte diesen Titel nach meinem Empfinden deutlich stärker verdient gehabt – es ist für mich bis heute das beste Unheilig-Album überhaupt.

Vermutlich hat das Album damals aber keinen solchen Preis bekommen, weil Unheilig einfach nicht der breiten Masse bekannt waren. Sicherlich spielt auch mit hinein, dass das aktuelle Werk ziemlich auf Massenkompatibilität getrimmt wurde, worunter die Texte aber teilweise deutlich gelitten haben, wie ich finde. Damit wurden von „Große Freiheit“ zwar mehr als 1,4 Millionen Einheiten verkauft, allerdings wirkt „Zelluloid“ auf mich als das wesentlich ehrlichere Album. Musikalisch ist der Graf sicher auch heute noch ganz großartig, aber textlich wirkt das Album von 2004 viel durchdachter und ausgefeilter, als das aktuelle. Nun ist natürlich der Preis fürs beste Album auch so gedacht, dass er für das Album verliehen wird, das sich im vorigen Jahr in Deutschland am meisten verkauft hat. Das empfinde ich aber irgendwie als Etikettenschwindel: Ein Werk, das den Titel „Bestes Album“ erhält, sollte für mich dann schon deutlich aus der Diskografie des damit geehrten Künstlers herausstechen – und zwar auf der künstlerischen Ebene. Und das tut „Große Freiheit“ im Vergleich leider nicht.

Insofern stellt das für mich den Sinn des „Echo“ – und auch generell solcher großen Preisverleihungen – komplett in Frage. Muss man denn wirklich Werke auszeichnen, an denen die Musikindustrie schon gut verdient hat? Wäre es nicht auch für die Plattenlabels viel sinnvoller, hier Künstlern zu mehr Aufmerksamkeit zu verhelfen, die diese ebenso verdient hätten, bislang aber weitgehend unbeachtet geblieben sind? Oder ist der Sinn eines solchen Musikpreises tatsächlich der, sich gegenseitig auf die Schultern zu klopfen und sagen zu können: „Haben wir das nicht toll hinbekommen, mit gewaltig PR so viel zu verkaufen?“ Das ist doch eigentlich höchst unfair dem Künstler gegenüber, sofern er denn wirklich hinter seinem Werk steht. Und das, so denke ich, ist beim Grafen trotz aller viel beklagter „Kommerzialisierung“ immer noch der Fall.


Die Musik und ich

Ein sehr schönes Thema als Einstieg ins Bloggen liefert mir gerade spontis.de – dort wird monatlich unter dem Motto „Gothic Friday“ dazu aufgerufen, mal ein wenig zu einem bestimmten Thema zu erzählen. Im Februar dreht es sich nun ums Thema Musik, was mir als quasi Musiksuchti doch sehr gelegen kommt. Im Folgenden mache ich mir also mal zu den 10 bei Spontis gestellten Fragen Gedanken.

  1. Was bedeu­tet Musik für Dich? Wie wich­tig ist sie Dir?
    Musik ist für mich unverzichtbar. Sie begleitet mich nahezu ununterbrochen und ohne Musik wär’ ich sicher nur ein halber Mensch. Sie untermalt mein Leben passend zu meiner jeweiligen Stimmung. Ebenso nimmt sie aber Einfluss auf meine jeweilige Stimmung, wenn es nötig ist. Gäbe es keine Musik, müsste man sie dringendst erfinden.
  2. Wel­che Rich­tun­gen „schwar­zer Musik“ hörst du? Nenne ein Bei­spiel, das für Dich deine Bedeu­tung des Genre am bes­ten wie­der­gibt.
    Mein Musikgeschmack war schon seit ich angefangen habe, einen eigenen solchen zu entwickeln, immer sehr von elektronischer Musik geprägt. Insofern bin ich aus dem Bereich der „schwarzen Musik“ sehr vielen elektronischen und elektronisch angehauchten Subgenres angetan. Als wichtigste Vertreter sind hier zu nennen:

    • Futurepop: Allen voran sind hier natürlich VNV Nation zu nennen, die höchstwahrscheinlich der Hauptauslöser dafür waren, dass ich anfing, mich intensiver mit der Musik der schwarzen Szene zu beschäftigen und somit schlussendlich überhaupt selbst in der schwarzen Szene angekommen bin. Das erste und auch immer noch meistgehörte Stück dieser Richtung ist definitiv „Beloved“ – natürlich von VNV Nation. 😉
    • Synthpop: Sehr eng verwandt mit Futurepop und natürlich schon lange davor dagewesen, ist dies sicher kein rein auf die schwarze Szene beschränktes Genre. Nichtsdestotrotz haben viele Bands aus diesem Bereich die Musik der schwarzen Szene entscheidend mitgeprägt, allen voran Depeche Mode. Für mich persönlich sehr wichtig sind hier unter anderem Ashbury Heights, allen voran ihr Lied „Spiders“.
    • Aggrotech/Hellectro: Gern auch als Fluglotsentechno verspottet muss ich zugeben, dass dieses Genre sich doch sehr im Kreis dreht. Wirklich innovativ sind hier in meinen Augen wenige Projekte; trotzdem gibt es durchaus Hörenswertes. Insbesondere sei hier „All Pain Is Gone“ von Combichrist genannt.
    • Synthrock: Als Fusion von gitarrenlastiger Musik mit Synthesizerklängen war dieses Genre der entscheidende Anlass für mich, mal generell über meinen rein elektronischen Tellerrand hinauszublicken. The Birthday Massacre mit ihrem „Looking Glass“ beispielsweise haben mich auch dieses Genre mögen lassen.
    • Darkwave: Damit komme ich dann zu den eher klassischen Spielrichtungen der schwarzen Szene. Prägend für mich waren aus dieser Richtung die frühen Werke von Diary of Dreams, die sich in letzter Zeit ja eher in Richtung Synthrock/Synthpop entwickelt haben – was ich aber keinesfalls negativ finde. Als für mich typisches Stück aus diesem Genre sei „End(giftet)?“ von DoD genannt.
    • Neue Deutsche Härte: Ein selten dämlicher und nichtssagender Begriff, wie ich finde. Unter dieses Dach werden im allgemeinen Bands wie Rammstein, Oomph! oder Megaherz einsortiert. Für mich am wichtigsten aus dieser Richtung sind aber sicherlich Eisbrecher, insbesondere mit ihrem „This is Deutsch“.
    • Mittelalterrock: Was dieses Genre angeht, gibt es noch einiges, was ich nicht kenne. Wie aber generell bei gitarrenlastiger Musik bin ich hier wählerisch. Sehr wichtig für mich hier sind aber zum Beispiel Subway to Sally; als unbedingt hörenswertes Lied von ihnen will ich mal „Wenn Engel hassen“ nennen.
    • Gothic Rock: Hier habe ich sicherlich auch noch einiges an Nachholbedarf, da ich hier lange brauchte, um mich mit dieser Art Musik anzufreunden. Den entscheidenden Anstoß gaben mir hier Fields of the Nephilim mit ihrem „Last Exit For The Lost“.

    Das wären mal die für mich wichtigsten und meistgehörten Genres. Daneben finden sich in meiner Musiksammlung aber weitere Interpreten der schwarzen Szene, allen voran sei hier noch ASP genannt. Häufig werden sie auch der Neuen Deutschen Härte zugeordnet, da mag ich aber gern widersprechen. Zwar können sie zu einem gewissen Teil stilistisch durchaus mit ein paar der oben genannten Bands verglichen werden, ihre musikalische Bandbreite ist aber deutlich größer, es geht ja zum Teil auch in Richtung Folkrock oder hier und da auch Synthrock. Inhaltlich passen sie für mich auch nicht in diese Schublade.

  3. Wie wür­dest deine musi­ka­li­sche Lauf­bahn beschrei­ben? Über wel­che Rich­tung der Musik bist Du in die Szene gekom­men, wel­che hast hin­zu­ge­won­nen, wel­chen hast du abge­schwo­ren und was hörst du heute?
    Ein wirklich eigener Musikgeschmack hat sich bei mir so mit 11 Jahren herausgebildet. Ab da fing ich an, den typischen 90er-Jahre-Eurodance zu hören; davor habe ich eigentlich gar nicht bewusst Musik gehört. Das entwickelte sich dann nach 4, 5 Jahren weg in Richtung Trance – bevorzugt Hardtrance, Vocal Trance und Epic Trance, zum Teil auch Psytrance. Da blieb ich dann so an die 8 Jahre lang kleben, bevor mir ein damaliger Mitbewohner „Call The Ships To Port“ von Covenant vorspielte.
    Dieses Stück ist ebenfalls ein typischer Vertreter des Futurepops und zeigt deutlich, dass sich dieses Genre unter anderem auch bei Elementen des Trance bedient. Insofern war’s also kein Wunder, dass mir das zusagte. Da sich in dem Bereich der Trance-Ecke, in dem ich mich bevorzugt austobte, eine gewisse Innovationsarmut eingestellt hatte, kamen mir diese für mich neuen Impulse sehr gelegen. Von da war es im Prinzip unvermeidlich auf „Beloved“ von VNV Nation zu stoßen – siehe oben. 😉
  4. Wie und wo hörst du Musik am liebs­ten?
    Eigentlich höre ich Musik in allen Lebenslagen: Auf dem Weg zu und von der Arbeit in der Straßenbahn, unterwegs im Auto, zu Hause – da auch gerne mal laut.
  5. Wel­che Musik hörst du außer­halb der typi­schen dunk­len Musik noch?
    Inzwischen höre ich fast ausschließlich oben genannte Spielrichtungen der schwarzen Szene. Hin und wieder packt mich aber doch die Nostalgie und ich buddele Stücke aus meiner Eurodance-Zeit und der Trance-Ära aus. Darüberhinaus finden aber auch mal Soundtracks aus Science-Fiction-Filmen und -Fernsehserien den Weg in meine Playlist. Völlig abseits von all dem finde ich aber auch die isländische Post-Rock-Band Sigur Rós grandios.
  6. Mal ange­nom­men, Du könn­test ein Instru­ment spie­len, hät­test eine tolle Stimme und wür­dest zusam­men mit Freun­den eine Band grün­den. Wel­che Rolle in der Band wäre Deine?
    Wenn ich denn ein Instrument spielen könnte, würde ich mich vermutlich genau darauf konzentrieren. Vielleicht auch noch aufs Songwriting. Aber selbst wenn ich eine tolle Stimme hätte, beschränkte ich mich sicher auf Backgroundgesang – im Rampenlicht zu stehen habe ich nämlich gar nicht gern.
  7. Nenne 5 dei­ner Alben die für Dich unver­zicht­bar mit Szene ver­bun­den sind.
    • VNV Nation – „Empires“
    • The Crüxshadows – „…Night Crawls In“
    • Fields Of The Nephilim – „The Nephilim“
    • ASP – „Weltunter“
    • Faun – „Licht“
  8. Wel­che musi­ka­li­schen Eigen­schaf­ten hat für dich das ideale Lied?
    Oh mein Bob, wie soll ich das jemals in Worte fassen können? Im Grunde muss ein Lied mich aus dem Alltag herausreißen und mich in eine andere Welt bringen können. Es muss also in der Lage sein, eine in sich stimmige Atmosphäre aufzubauen und – sofern es sich nicht um ein Instrumentalstück handelt – der Text muss mich ansprechen oder ich muss mich selbst oder Situationen aus meinem Leben, die mir viel bedeuten, darin wiederfinden können.
  9. Wel­che Band oder wel­chen Musiker/in wür­dest Du gern mal inter­viewen und auf wel­chen Frage musst Du dabei unbe­dingt eine Ant­wort haben?
    Ich würde zwar gerne mal ganz ungezwungen mit diversen Musikern drauflosplaudern, insbesondere mit Ronan Harris von VNV Nation. Aber eine explizite Frage schwebt mir da gerade nicht durchs Hirn. Im Gegenteil: Ich denke, das, was ein Musiker zu sagen hat, hat er in seine Musik gesteckt. Wie man selbst es dann aufnimmt, bleibt einem selbst überlassen. Insofern würde ich also keine Frage stellen, sondern eher erläutern, wie ich ein bestimmtes Lied auffasse, was es mir bedeutet.
  10. Wer oder was reprä­sen­tiert für die Dich die Zukunft der „schwar­zen“ Musik?
    Als Projekt, dass sich nur schwer einsortieren lässt, sei hier abrasions erwähnt. Hier kommt so ziemlich alles zusammen, was mir gefällt: Dark Ambient, experimentelle elektronische Klänge, absolut stimmiger Einsatz von Akustik- und E-Gitarren… Der Song „Dreamer“ ist für mich einfach grandios und spricht mir aus dem Herzen. Eigentlich ein Jammer, dass das aktuelle Album „Memorial” (Ende 2009 erschienen) noch nicht von einem Plattenlabel entdeckt wurde – es ist eine fantastische Mischung aus Post-Rock und Darkwave.
    Eine Band, die ebenfalls deutlich mehr Beachtung bekommen sollte, sind Veil Veil Vanish. Zwar wurde ihr Debütalbum „Change In The Neon Light“ schon in diversen Szenemagazinen umjubelt, trotzdem scheint sie immer niemand zu kennen, wenn ich auf sie zu sprechen komme. Was habe ich irgendwo mal über sie gelesen? „Veil Veil Vanish klingen so, wie The Cure heute klingen müssten.“ Dem kann ich nur zustimmen; ihre Musik setzt konsequent das fort, was Robert Smith und Co. damals gemacht haben, schafft es dabei aber, erfrischend modern zu klingen.