no need of sun to light the way…

Musik

Live is Life

Das Thema des „Gothic Friday“ in diesem Monat ist ja mal wieder eine harte Nuss. Da wird von den geneigten Teilnehmern gefordert, von ihrem schönsten Live-Erlebnis zu berichten. Jetzt könnte man ja vermuten, dass ich es da leicht haben sollte: Mein allererstes Konzert (und gleichzeitig Festival) überhaupt ist noch nicht einmal drei Jahre her. Jahaa, auf dem Amphi Festival 2008 habe ich mir so mit wirklich vollem Bewusstsein eine (na ja, mehrere in dem Fall, war ja ein Festival 😉 ) auf einer Bühne spielende Band angeguckt. Höre ich da irgendwen „Spätzünder!“ rufen? Recht haste.

Aaaaber damit war es dann um mich geschehen: Ich kann mittlerweile gar nicht mehr so richtig mitzählen, wieviele Konzerte ich zwischenzeitlich gesehen habe, so sehr zum Konzertjunkie bin ich seitdem mutiert. Vielleicht ist ja auch einfach nur ein gewisser Nachholbedarf zu befriedigen, wer weiß? 😉 Last.fm sei Dank kann ich das aber alles nachvollziehen. 🙂 Da sollte doch ein Blick auf die Liste genügen, damit mir wieder einfällt, welches dieser Konzerte denn nun das schönste war. Ha, am Arsch die Räuber!

Das fängt schon gleich beim besagten Amphi 2008 an: Kannte ich bis zu dem Zeitpunkt nur einige wenige Lieder von Diary of Dreams und hatte auch noch nicht so recht den Zugang zu ihrer Musik gefunden, machte es bei ihrem Gig auf diesem Festival ganz laut Klick! bei mir. Ihre Show wirkte geradezu magisch auf mich und die Atmosphäre in dem kleinen Theater am Kölner Tanzbrunnen tat ihr Übriges. Ähnlich intensiv empfand ich auch nochmal den DoD-Auftritt beim Dark X-Mas Festival 2008 in der RoFa in Ludwigsburg.

Aber 2008 hatte gleich noch mehr zu bieten: ASP waren unter dem Motto „Von Zaubererbrüdern, Schwarzen Schmetterlingen und anderen Nachtgestalten“ auf Unplugged-Tour. Da sie sich im Laufe des Jahres zu einer meiner Leib- und Magenbands entwickelt hatten, war es natürlich keine Frage, dass ich die Jungs mal live sehen musste. Wobei ich hier im Vorfeld auch ein wenig zwiegespalten war, immerhin kannte ich ihre Musik bis dahin ja nur in eher rockigerem Gewand. Das Konzert im Capitol in Offenbach war aber sagenhaft toll, es wird mir sicher auch noch lange in Erinnerung bleiben. Einziger Wermutstropfen: Mein Platz auf der Galerie versperrte mir den Blick auf Gitarrist Matze Ambré und seine rosa Hello-Kitty-Gitarre.

War ich damals der Ansicht, dass diese Performance kaum getoppt werden könnte, haben mich ASP Ende 2010 eines Besseren belehrt: Es gab eine Neuauflage der 2008er Unplugged-Tour. Und tatsächlich fand ich die beiden Konzerte, die ich im Rahmen dieser letzten Dezember sehen konnte, noch großartiger. Da spielt sicher mit hinein, dass mich einmal mein bester Freund sowie meine Mutter begleiteten, sowie auch die Tatsache, dass als allerletzte Zugabe Die Ruhe vor dem Sturm gespielt wurde. Einfach großartig!

Unbedingt erwähnen muss ich auch den Auftritt von Seabound bei der Warm-Up-Party zum Blackfield Festival 2009. Der war wirklich toll – es ist richtig schade, dass von den Bielefeldern seitdem wenig zu sehen und zu hören ist. Das Blackfield selbst war auch grandios. Im Vergleich zum Amphi empfand ich die Atmosphäre dort als wesentlich entspannter und familiärer. Mit ein Grund, warum ich dieses Jahr zum dritten Mal in Folge nach Gelsenkirchen gondeln werde. 😀

Zudem war das auch die Gelegenheit für mich, VNV Nation endlich live zu sehen. Und wenn ich hier einen Superlativ anbringen sollte, dann, dass VNV-Konzerte wohl am mitreißendsten überhaupt sind. Wenn ich mich bei einem Auftritt einer Band wirklich komplett in der Musik verlieren kann, dann bei ihnen. Oh, und noch ein Superlativ trifft zu: VNV-Konzerte sind auf alle Fälle auch mit am schweißtreibendsten.

Natürlich ist das längst nicht alles, wer mag, kann ja mal in meinem last.fm-Profil stöbern, was da noch so alles an Konzerten war. In Summe finde ich aber einfach absolut nicht das schönste Live-Erlebnis. Zu viele wunderbare Erinnerungen hängen an jedem einzelnen. Ein Fazit kann ich aber ziehen: Die schönsten Konzerte sind immer die, in denen man merkt, wie sehr die auf der Bühne stehende Band Spaß an ihrem Auftritt hat – denn nur dann springt auch dieser sprichwörtliche Funke aufs Publikum über, der ein Konzert zu etwas Besonderem macht.


Musik nervt

Ein Gedanke, von dem ich eigentlich nicht erwartet hätte, dass ich ihn mal haben könnte, kam mir die Tage: Musik nervt. Zumindest bestimmte Musik. Eventuell auch jede Art von Musik. Also, so auf Dauer. Ich war ja vergangene Woche mit meiner Familie im Urlaub und damit zwangsläufig länger andauernder Beschallung durch gemeinen Dudelfunk ausgesetzt, als dies für gewöhnlich der Fall ist. Zum Einen natürlich bei der mehrstündigen Autofahrt hinauf an die Ostsee, des weiteren aber auch unter der Woche, wenn mein Vater in der Ferienwohnung das Radio anstellte.

Das war die ersten zwei Tage noch ganz nett, da doch einige Liedchen liefen, die durchaus ins Ohr gingen. Muss ja auch, sonst schaltet der genervte Hörer schneller ab, als den Programmchefs lieb sein dürfte. Was ich dann allerdings im Laufe der Woche immer mehr feststellte, war, dass Lieder, die mir anfangs noch halbwegs gefielen, anfingen, mir auf den Keks zu gehen. Was insofern bemerkenswert ist, wenn man sich mal meine last.fm-Statistiken anguckt: Da sind ja nun nicht wenige Songs dabei, die ich teilweise deutlich mehr als 100 Mal gehört habe.

Gibt’s also eine Schmerzgrenze, wie oft in einem bestimmten Zeitraum man (oder ich jetzt so im Speziellen) ein bestimmtes Lied gehört haben darf/kann/muss, bevor es anfängt zu nerven? Nehmen wir doch mal… hmm… Platz 9 meiner laut last.fm meistgehörten Lieder. „Dreamer“ von abrasions habe ich also am 30. November 2009 zuerst gehört, was mittlerweile 82 Wochen her ist. Und in der Zeit habe ich das Lied ganze 156 Mal gehört – oder zumindest gescrobbelt, was aber eigentlich der tatsächlichen Zahl entsprechen dürfte, da ich fast ausschließlich scrobblebare (welch Wortschöpfung!) Musikwiedergabe betreibe.

Also gut, ein paar Mal werde ich das Stück auch direkt von CD gehört haben, schlagen wir also noch 8 Mal drauf, dann rechnet sich’s leichter: Im Schnitt also 2 Mal die Woche habe ich dieses Lied gehört. Und trotzdem liebe ich es immer noch so sehr, wie beim allerersten Hören. Nun wurde ich aber natürlich vergangene Woche vom Dudelfunkfrontalangriff deutlich häufiger mit so manchem Stück beschallt, als nur 2 Mal. Würde mir also meine heißgeliebte Musiksammlung auch zu den Ohren herauskommen, wenn ich sie deutlich öfter mit deutlich stärkerer Wiederholrate anhörte?


Jäger und Sammler

Man hat es ja nicht einfach als Musikjäger- und -sammler. Insbesondere wenn man, wie in meinem Fall, manche Bands erst spät kennengelernt hat. Richtig kompliziert wird es dann, wenn man eine Band so dermaßen geil findet, dass man unbedingt und absolut überhaupt gar alles, was es da so an Veröffentlichungen gab, in sein CD-Regal bekommen will. Als Beispiel sei da mal VNV Nation genannt – eine meiner zwei derzeitigen Leib- und Magenbands, sozusagen. (Nein, ich will die CDs nicht verspeisen, aber da es sich hier um „Lieblingsbands“ handelt und Liebe nun mal auch durch den Magen geht… Ja, ist ja gut, ich werf‘ ja schon ’nen Euro in die Kasse für dämliche Wortspielereien.)

Seit es vor vier Jahren bei mir so volle Kanne „Klick!“ gemacht hat, was VNV betrifft, habe ich mich so nach und nach durch deren komplette Diskografie gebuddelt – nur, um feststellen zu müssen, dass es da so ein paar Veröffentlichungen gab, an die mittlerweile nur äußerst schwer heranzukommen ist. Allen voran sei da mal die „Standing/Burning Empires“ genannt, die auf insgesamt 4.700 Stück limitiert ist. Im ersten Moment dachte ich: ‚Wer zum Geier kommt denn auf die bescheuerte Idee, eine Single in einer limitierten Auflage herauszubringen?!‘

Auf 4.700 Stück limitiert

„Standing/Burning Empires“ originalverschweißt

Dann allerdings hatte ich einen last.fm-Stream laufen und hörte da relativ kurz hintereinander „Saviour (Vox)“ sowie „Legion (Janus)“. Das waren beides Versionen von Stücken, die auf dem grandiosen Album „Empires“ zu hören waren. Und diese alternativen Versionen rissen mich gehörig vom Hocker! Die Erkenntnis, dass es also eine fabelhafte Idee sein kann, eine limitierte Edition einer Single herauszubringen, strafte mich also mal wieder Lügen. Der berühmte „Haben-will!“-Effekt setzte ein.

Schnell war klar, dass ich hier eine größere Menge Geld™ investieren müssen würde. Die Preise bei diversen eBay-Auktionen schwankten immer so um die 50€, erreichten aber durchaus auch Gebote von bis zu 80€. Nach kurzem Ringen mit mir selbst, setzte ich meine Schmerzgrenze auf die 50€ fest – und jagte dem seltenen Stück dann bald zweieinhalb Jahre nach. Und damit jagte auch ein Tiefschlag den nächsten. Entweder liefen die Auktionen zu Zeiten ab, zu denen ein normalsterbliches Karlchen absolut nicht an den Rechner kam, um mitbieten zu können, oder aber die Gebote schaukelten sich weit über meine Schmerzgrenze auf.

Fast wollte ich es schon aufgeben, das gute Stück noch irgendwie zu ergattern. Bis ich dann vor knapp 1 1/2 Wochen doch nochmal mit einer schon an Fatalismus grenzenden Haltung bei einer Auktion mitbot, völlig ohne die Hoffnung, hier noch Glück zu haben. Aber es kommt ja dann erstens irgendwie doch immer anders, als man zweitens denkt, und zack! Ich hatte sie ersteigert. Nach zweieinhalb Jahren Jagd. Originalverpackt. Zu einem Schnäppchenpreis. Zeit also, endlich mal Horrorvisionen zu bekommen, was denn nun noch alles schiefgehen konnte. Der Verkäufer sackt die Kohle ein und schickt nix raus. Oder aber die CD kommt nicht bei mir an. Oder sie ist in einem erbärmlichen Zustand. Oder, oder, oder.

Und dann trudelte sie doch allen Ernstes pünktlich zu meinem Burzeltach ein, war in der Tat jungfräulich noch originalverschweißt und verpasste meiner Nase nach dem Öffnen (Jahaa, ich habe sie frevelhafter Weise von ihrer Verpackung befreit!) die unvergleichliche Chemiekeule, die Druckfarbe so mit sich bringt. Welch wunderbarer Duft! Welch erhebendes Gefühl, die erste Disc in den Player zu schieben! Welch Freude, die Lautsprecher voll aufzudrehen und die Lieder endlich in höchster Qualität genießen zu dürfen! *triumphier* *tirilier* *hachmach* *komplett-am-Rad-dreh*

*hüstel* Aber die Jagd geht weiter, die Urinstinkte des Menschen wollen schließlich befriedigt werden. Nächstes Ziel ist dann das Debütalbum von VNV Nation. Wobei es da auch die überarbeitete Auflage tut. Insbesondere, da für das Original von 1995 zum Teil wirkliche Mondpreise aufgerufen werden. Was? Schreit da jemand, 50€ für ’ne CD sei schon astronomisch? Ha! Von wegen, es geht weitaus schlimmer:

„Advance and Follow“ im Amazon Marketplace

„Advance and Follow“ im Amazon Marketplace


Unter der Asche wird gerockt

Find the English version over at last.fm

Da hörte ich neulich mal wieder Webradio, genauer gesagt „Dark Essence“. Die Sendung läuft auf dem australischen Sender 4ZzZ, der in Brisbane zu empfangen ist. Glücklicherweise gibt’s da auch einen Webstream, in den ich bei Gelegenheit gerne mal reinhöre. Jetzt ist das mit den Zeitzonen leider immer ein kleines Problem, denn wenn Josh (der Moderator und DJ) um 22 Uhr auf Sendung geht, ist es nach mitteleuropäischer Sommerzeit gerade mal 14 Uhr. Da hockt meinereiner noch im Büro und kann leider keine Streams anhören. Wer auf düster-elektronische Klänge steht und montags um 14 Uhr Zeit hat, dem sei die Sendung mal ans Herz gelegt.

Nun passiert es mir immer mal wieder, dass ich eine musikalische Neuentdeckung mache, die mir so neu eigentlich gar nicht ist. Fractured beispielsweise sind mal wieder so ein Projekt. Die Kanadier waren mir schon von diversen Samplern bekannt – überwiegend solchen aus dem Hause dependent, denn dort stehen sie unter Vertrag. Wobei ich da gerade ganz ehrlich ins Grübeln komme, wieso mir die Band da nicht weiter auffiel. Sei’s drum: Josh spielte am Ostermontag in seiner Sendung den Track „Fly Away“ von Fractured. Und da machte es bei mir *klick*.

Fractured - „Beneath The Ashes“

Artwork auf Booklet und CD

Flugs war ich auf der Seite des Plattenlabels und – oh Freude! – genau jenen Song gab es über Ostern zum kostenlosen Download. Nachdem ich das gute Stück dann allein an dem Montag noch mindestens 15 mal gehört hatte, war klar: Das Album muss her. Da es aktuell um Ostern herum im Bundle mit dem Debütalbum von 2005 angeboten wird wurde, kam jenes dann in den Warenkorb. Nach nur einer schlappen Woche (Danke, liebe Post!) fand die Bestellung ihren Weg in meinen Briefkasten und damit die CD ihren Weg in den Player.

Allein das Artwork von „Beneath The Ashes“ ist schon sehr detailverliebt und hat mich gleich erst mal ordentlich vom Hocker gehauen. Also Play gedrückt und die Lautstärke hochgedreht und ab ging die Reise. Fängt das Intro zum Titeltrack „Beneath The Ashes“ noch recht sanft mit Akustikgitarre und Streichern an, so gesellen sich nach und nach diverse Drums, Piano- und Synthiesounds hinzu. So weit, so gewöhnlich, aber dann! Nach einem Break geht es dann brachial auf die Reise.

Fractured verstehen es gekonnt, nie die viel zu festgefahrenen Erwartungen des Hörers zu erfüllen und ihn so über die gesamten 50 Minuten bei der Stange zu halten. Da gibt es synthpoppige Anflüge ebenso wie sie mit krachenden E-Gitarren in Richtung Industrial-Rock à la KMFDM gehen. Das Album ist so dermaßen abwechslungsreich und die Songs mit so viel Liebe zum Detail arrangiert, dass es mir beim mittlerweile siebten Mal hören innerhalb von 3 Tagen absolut noch nicht langweilig wird. Im Gegenteil: Es gibt so viel zu entdecken, dass sich bislang noch kein Song so wirklich ausdauernd im Ohr festgesetzt hat – wenn ich mal vom eingangs erwähnten „Fly Away“ absehe.

Bislang für mich das Elektroalbum des Jahres. Als Fazit hier mal der Kommentar von einem Freund zu „Beneath The Ashes“, als der die Tage mal wieder vom allgemeinen Standardsynthpopgedudel angeödet war: „Oh ja, das rockt!“

Anspieltipps:

  • You Are (The Voice Inside My Head)
  • Dig
  • Fly Away – Subwoofer aufdrehen!
  • We Bare These Scars

Ausführliche Hörproben gibt’s übrigens auch direkt beim Label.


Tanzverbot mal anders

Meine Herrn, war das ein Schieben und Drücken! Die „Batschkapp“ in Frankfurt war am Karfreitag gerappelt voll – Covenant gastierten in der Mainmetropole und offenbar zog das die Leute in Scharen und nicht nur aus dem Rhein-Main-Gebiet an. Ich war also mit meinen knapp 120 Kilometern Anreise nicht mal eine Ausnahme.

Wobei die Anreise zu diesem Konzert für sich genommen gar nicht so weit war. Mein bester Freund wohnt ja in der Gegend, so dass ich bei ihm für die Tage unterkam. Abgesehen davon wollte er sich Covenant ebenfalls nicht entgehen lassen, also sind wir – was leider viel zu selten vorkommt – dann gemeinsam losgezogen.

Pünktlich zum Start der ersten Vorband betraten wir dann den Club. Ach ja: Hatte ich nicht vom IAMX-Konzert am Abend zuvor behauptet, es sei heiß und stickig gewesen? Ha! Gegen das Klima in der „Batschkapp“ war’s im „Bett“ ja noch regelrecht angenehm – heißer war nur noch das ASP-Konzert im Herbst 2010 in Potsdam. Das aber auch nur, weil da die Belüftung nicht lief. 😉

Patenbrigade: Wolff in der Batschkapp, Frankfurt

Patenbrigade: Wolff

Jedenfalls standen Patenbrigade: Wolff schon auf der Bühne und brachten ihre Popmusik für Rohrleger dar. Und gestanden haben sie wirklich: Wer die Auftritte des Electro-Projekts kennt, der weiß, dass das ganze doch eher statisch herüberkommt. So ist es beim ersten Mal sicherlich ein netter Gag, wenn die Herren in Bauarbeiterkluft mitsamt Bierkasten auf die Bühne stiefeln und dann mal eben so das typische Bauarbeiterklischee erfüllen. Je öfter man diesen Auftritt allerdings sieht, desto langweiliger wird’s. Das Publikum stand während des Auftritts auch bauarbeitergleich still herum, dabei war für den Rest des Abends nie wieder so viel Platz zum Tanzen. Und die Musik wäre definitiv dazu geeignet gewesen – hätte die Band das Publikum denn mal genug mitgerissen.

Nach einer kurzen Umbaupause – Zeit, Luft zu schnappen! – ging es dann mit dem italienisch-ungarischen Projekt aus Kanada weiter: Decoded Feedback. Ihr aktuelles Album Aftermath höre ich durchaus gerne, darum war ich gespannt, wie die beiden live rüberkommen. Und in der Tat schafften sie es zu zweit, mehr Bewegung auf die Bühne zu bringen, als der Eröffnungsact mit vier Leuten.

Decoded Feedback in der Batschkapp, Frankfurt

Decoded Feedback

Auch im Publikum war deutlich mehr los, was vielleicht auch mit daran liegen mag, dass Decoded Feedback schon wesentlich länger Musik machen, als Patenbrigade: Wolff. Was das angeht, haben die Wahlkanadier durchaus ein Repertoire, das mit Sicherheit groß genug für eine eigene Headliner-Tour ist. Der Auftritt war im übrigen auch die einzige Gelegenheit an diesem Abend, eine E-Gitarre im Einsatz zu erleben. Aber gut: Wer mit elektronischer Musik nichts anfangen kann, war hier heute definitiv falsch. 😉 Auf jeden Fall hoffe ich, dass ich Decoded Feedback noch öfter zu Gesicht bekomme – ihr Auftritt weckte in mir Lust auf mehr.

Gegen 22 Uhr kamen dann auch definitiv die letzten Supportbandmuffel in die Batschkapp und es wurde schon fast unerträglich kuschlig. Das Intro des aktuellen Albums Modern Ruin und somit auch zum mit Spannung erwarteten Auftritt von Covenant dröhnte uns nun entgegen und die Bühne wurde komplett in rotes Licht getaucht. Daniel Myer und… nicht Joakim Montelius betraten das Rampenlicht. Statt Joakim kam ein weiterer Daniel auf die Bühne – Daniel Jonassen von der schwedischen Synthpopband Dupont nämlich. Joakim nimmt sich wohl eine Auszeit: Elternzeit sozusagen. 😉

Covenant in der Batschkapp, Frankfurt

Das Covenant-Intro taucht den Saal in Rot

Schließlich tauchte auch Sänger Eskil Simonsson im flackernden LED-Licht auf der Bühne auf und das Intro ging nahtlos über in einen der Klassiker der Band: Stalker. Überhaupt kam es häufiger vor, dass die Band die Stücke geschickt ineinander übergehen ließ. Das passte ganz hervorragend, spielten Covenant doch schon immer gern eigens für ihre Liveauftritte aufgemotzte Versionen der Songs. Die Spielfreude der Drei auf der Bühne übertrug sich nun auch rasant aufs Publikum, das nun wirklich fast durchweg am Tanzen war.

Wobei sich das mit dem Tanzen durchaus schwierig gestaltete: Die Batschkapp war wirklich zum Bersten voll. Ich kann mir gut vorstellen, dass der Veranstalter da über die Kapazitätsgrenze der Location hinausgegangen ist, was den Konzertgenuss für uns doch ein wenig trübte. Oder war das vielleicht dem eigentlich geltenden Tanzverbot geschuldet? Einfach den Laden so voll machen, dass kein Platz zum Tanzen bleibt? 😉 Jedenfalls schoben sich zu oft Leute in Richtung Bar und mit Bechern beladen zurück Richtung Bühne. Zum Glück blieb mir eine Bierdusche erspart, den einen oder anderen Schluck musste mein T-Shirt dann aber doch nehmen.

Covenant in der Batschkapp, Frankfurt

Covenant bei ihrem Club-Kracher „Call the Ships to Port“

Aber nochmal zum Geschehen auf der Bühne: Recht geschickt haben Covenant die Songs vom aktuellen Album in ihre Setlist eingebaut. Die neuen Stücke kommen live sehr schön rüber: Zum Beispiel Judge of My Domain, was mir auf CD schon sehr gefiel. Auch toll war die Version, die von der schon vor dem Album erschienenen Single Lightbringer gespielt wurde. Eskil trat hier in den Hintergrund und überließ Daniel Myer das Mikrofon. Grandios!

Von Happy Man kredenzten die Drei uns als Zugabe auch noch eine schöne Liveversion, bevor der Abend mit Theremin endgültig zum Abschluss kam. Nachdem ich Covenant bislang nur auf Festivals sehen konnte, zeigte sich hier, dass sie auf Tour mit einer eigens abgestimmten Lichtshow erst so richtig aufdrehen.

Alles in allem ein wunderbarer Konzertabend. Wäre der Club nicht so dermaßen überfüllt und stickig gewesen, hätte ich dem Erlebnis das Prädikat „perfekt“ verpasst. Hoffentlich dauert es bis zur nächsten Tour nicht wieder so lang.


Im Bett mit IAMX

Nachdem ich ihren Auftritt auf dem Blackfield Festival 2009 wegen eines akuten Hungeranfalls ja leider verpasst habe (was immer noch bitter bereue!), konnte ich Chris Corner und Band gestern Abend endlich mal live auf der Bühne erleben. Das wurde aber auch gewaltig Zeit.

IAMX in Frankfurt, 21.04.2011

IAMX im „Bett“ - In wenig Licht getaucht

Das Konzert fand im „Bett“ in Frankfurt statt. Einlass war bereits um 20 Uhr, der Beginn des Konzerts war für 21 Uhr angesetzt. Als ich allerdings mehr oder weniger schon zu spät eintrudelte, schien gerade erst mit dem Soundcheck begonnen worden zu sein. Zudem war der Club schon wahnsinnig vollgepackt – die Luft drinnen war zum Schneiden.

Langsam wurden die Leute dann auch schon ungeduldig. Mit jeder Änderung an der Beleuchtung brandete leichter Jubel auf – die Band erschien aber erst kurz vor halb zehn auf der Bühne. Der Auftritt hat uns aber definitiv für die lange Wartezeit entschädigt. Eine Sache, die mir aber gleich zu Beginn auffiel: Chris Corner sieht real noch zerbrechlicher aus, als er auf Fotos eh schon wirkt. Insofern schien es echt erstaunlich, mit welcher Energie er auf der Bühne zu Werke ging.

Mit Music People legten IAMX dann los und lieferten eine fantastische Show ab. Was mich auch sehr begeisterte, war, mit welcher Leichtigkeit Chris Corner quasi jedes Instrument spielte – und davon standen einige auf der Bühne zu Auswahl: E-Gitarre, Drums, Keyboard oder gar ein Theremin. Musiker durch und durch: Chris und der Band merkte man ihren Spielspaß wirklich an. Die Atmosphäre im Publikum war auch von Beginn an großartig. Quasi jeder war durchweg am Tanzen – und das will bei einem Deutschen Publikum schon was heißen. Da dauert es normalerweise ja immer ein wenig, bis die Leute in die Gänge kommen. 😉

IAMX in Frankfurt, 21.04.2011

IAMX im „Bett“ - Chris Corner am Keyboard

Zu I Salute You Christopher wurde dann das Bild von Chris am Keyboard auf die Leinwände im Hintergrund projiziert. Der Mensch an der Kamera hat hinterher sicherlich ’nen neuen Arm gebraucht. Jetzt könnte man sich fragen, was denn so schwer daran ist, eine kleine Kamera zu halten. Ganz einfach: Der „Kameramann“ kniete während des gesamten Songs vor dem Keyboard.

Nach gut eineinhalb Stunden ging der wirklich tolle Auftritt dann zu Ende – na ja, fast. Natürlich ließen wir die Band nicht ohne Zugabe davonkommen. Nach The Alternative ging Chris noch einmal ans Keyboard mit der in doch ganz passablem Deutsch vorgetragenen Bitte, ihm seine spärlichen Deutschkenntnisse nachzusehen. Dann gab es die deutsche Version von Bernadette auf die Ohren.

Und zu guter Letzt kam dann als letztes Stück des Abends noch das Lied, auf das ich gehofft hatte: Spit It Out. Ein wundervoller Abschluss der insgesamt 2-stündigen Show. 🙂 Einziger Wermutstropfen war die doch recht dunkel gehaltene Lichtshow – wie man auf den beiden Bildern sieht.


Alles nur geklaut?

Das Thema „Musik“ will mich augenscheinlich nicht loslassen. So war sie ja vor zwei Monaten beim „Gothic Friday“ schon Thema. Jetzt im April – das Märzthema habe ich wohl voller Frühjahrsmüdigkeit komplett verpennt – stehen zwei Möglichkeiten zur Wahl: Die Top-5-Filme oder die Top-5-Coverversionen. Da ich ja was Film und Fernsehen angeht eine wandelnde Bildungslücke bin, kommt es also, wie es kommen muss.

In meinem Beitrag zum Gothic Friday im Februar hatte ich ja schon erwähnt, dass ich meinem auditiven Cortex vor meinem Einstieg in die eher dunkleren musikalischen Sphären hauptsächlich Trance, Dance und dergleichen mehr zugeführt habe. Da gab es gerade in der Richtung Vocal Trance eine Anhäufung von lieblos zusammengeklatschten Coverversionen großer Hits, was mit dazu geführt hat, dass ich mich nach musikalisch wesentlich nahrhafterer Kost umgeschaut habe. So bin ich zwar bei Neuinterpretationen immer noch reichlich skeptisch, durfte aber inzwischen feststellen, dass es eben auch wirklich gelungene Cover gibt – auch und gerade in der schwarzen Szene. Hier also mein kleiner Streifzug durch in meinen Au… äh, Ohren wirklich gelungene Coverversionen.

Was bietet sich da als Einstieg besser an, als A Forest? Im Original von The Cure einer der Tanzflächenfüller in der schwarzen Szene schlechthin. Auf ihrem 2004er Album „Monument“ hat das Trance-Duo Blank & Jones sich dieses Stückes angenommen und es – im Übrigen in Zusammenarbeit mit The Cure-Sänger Robert Smith persönlich – in ein neues Gewand gekleidet. Diese Version schafft es wirklich prima, die Brücke zwischen Goth Rock und Trance zu schlagen und würde sich sicherlich auch gut in ein Futurepop-/Synthpop-Set im Club einfügen. Es sind also auch nicht alle Coverversionen, die aus dem Bereich Trance kamen, schlecht. 😉

Eines der Stücke, die mich immer wieder sehr bewegen, ist Homeward von VNV Nation. Kommt das Original VNV-typisch angenehm elektronisch daher, so haben die eher im Bereich Neoklassik und Folk zu verortenden Chamber es geschafft, dem Lied ganz neue Seiten abzugewinnen. Meine erste Begnung mit dieser Version war im „Final Destination“ in Frankfurt. Schon bei den ersten Tönen saß ich da und grübelte, wieso mir die Melodie so dermaßen bekannt vorkam. Ich war so damit beschäftigt, darüber nachzudenken, woher ich das Stück kenne, obwohl ich es sicher noch nie gehört hatte, dass ich darüber völlig das Tanzen vergessen habe.

Völlig abseits meiner sonstigen Hörgewohnheiten habe ich In The Year 2525 von Zager & Evans immer sehr gemocht und höre es auch heute immer wieder gern. Das Lied aus dem Jahre 1969 war interessanter Weise der einzige wirkliche Hit des Duos. Verbreitet es im Original eine eher melancholisch-dystopische Stimmung, so haben Fields of the Nephilim daraus 2005 eine regelrecht furchterregende Schreckensvision gemacht. Das lange Intro, die E-Gitarren und allen voran Carl McCoys düsteres Organ lassen damit die Zukunft noch wesentlich düsterer erscheinen.

Über Thriller von King of Pop Michael Jackson muss ich wohl kaum Worte verlieren. Zu dem Lied wurde damals eines der aufwändigsten Musikvideos überhaupt produziert. Der Clip geht fast als Horrorfilm durch und könnte es damit eigentlich auch in die Top-5-Filme schaffen. 😉 Auf ihrem letztjährigen Album „Soul Saliva“ haben The LoveCrave eine recht eigenwillige Interpretation dieses Songs abgeliefert, die mir aber sofort ins Ohr ging. Gerne würde ich die Italiener dieses Stück mal live aufführen sehen – ihr Auftritt auf dem Amphi Festival 2008 hat mich wirklich begeistert. Daher bin ich überzeugt, dass ihre Version von Thriller live noch viel besser wirkt.

Lange habe ich im Übrigen gebraucht, um mit der Musik von Alexander Kaschtes Projekt Samsas Traum warm zu werden. Den Weg dahin geebnet hat sicherlich das Cover von Schwarz. Im Original von ASP fügt sich das Stück sehr geradlinig in den Schwarzen-Schmetterling-Zyklus ein: Die typischen Synthesizer-Sounds aus den Anfangszeiten der Band gepaart mit den damals noch recht zurückhaltend herüberkommenden E-Gitarren erzeugen da eher eine unterschwellig bedrohliche Atmosphäre. Kaschte dagegen lässt das Lied zu Anfang wesentlich verspielter klingen – man mag sich dazu vorstellen, wie der Schmetterling hier zunächst scheinbar wenig bedrohlich durch die Luft tanzt. Dann holt er aber im Gegensatz zur Vorlage wesentlich brachialer die Gitarren hervor und zeigt so deutlich, wie der Schwarze Schmetterling zunächst eher harmlos scheint, sich dann aber umso gnadenloser auf sein Opfer stürzt. Ein wirklich sehr tolles und stimmiges Cover.


Hallo, Echo!

Nicht, dass ich es mir nicht eh schon immer gedacht habe. Aber die Echo-Verleihung, die dieser Tage mal wieder stattfand, ist doch einfach nur eine Selbstbeweihräucherungsveranstaltung der großen Musikkonzerne. Ich kann mir da nicht helfen, aber ich persönlich würde als Musiker diesen Preis gar nicht haben wollen. Was mich mal wieder zu dieser Erkenntnis bringt?

Nehmen wir ganz aktuell mal Unheilig. Ich weiß, das Thema ist schon arg ausgelutscht, hat mich aber mal ein wenig mehr über solche Musikpreise nachdenken lassen. Das letztjährige Album „Große Freiheit“ wurde mit dem Preis für das „Beste Album“ bedacht. Sicher, es war ein wirklich solides Album, das ich auch gerne höre. Wenn ich aber einen Blick in die bisherige Diskografie von Unheilig werfe, war es in meinen Augen leider kein Kandidat für diesen Preis. Das 2004er Werk „Zelluloid“ hätte diesen Titel nach meinem Empfinden deutlich stärker verdient gehabt – es ist für mich bis heute das beste Unheilig-Album überhaupt.

Vermutlich hat das Album damals aber keinen solchen Preis bekommen, weil Unheilig einfach nicht der breiten Masse bekannt waren. Sicherlich spielt auch mit hinein, dass das aktuelle Werk ziemlich auf Massenkompatibilität getrimmt wurde, worunter die Texte aber teilweise deutlich gelitten haben, wie ich finde. Damit wurden von „Große Freiheit“ zwar mehr als 1,4 Millionen Einheiten verkauft, allerdings wirkt „Zelluloid“ auf mich als das wesentlich ehrlichere Album. Musikalisch ist der Graf sicher auch heute noch ganz großartig, aber textlich wirkt das Album von 2004 viel durchdachter und ausgefeilter, als das aktuelle. Nun ist natürlich der Preis fürs beste Album auch so gedacht, dass er für das Album verliehen wird, das sich im vorigen Jahr in Deutschland am meisten verkauft hat. Das empfinde ich aber irgendwie als Etikettenschwindel: Ein Werk, das den Titel „Bestes Album“ erhält, sollte für mich dann schon deutlich aus der Diskografie des damit geehrten Künstlers herausstechen – und zwar auf der künstlerischen Ebene. Und das tut „Große Freiheit“ im Vergleich leider nicht.

Insofern stellt das für mich den Sinn des „Echo“ – und auch generell solcher großen Preisverleihungen – komplett in Frage. Muss man denn wirklich Werke auszeichnen, an denen die Musikindustrie schon gut verdient hat? Wäre es nicht auch für die Plattenlabels viel sinnvoller, hier Künstlern zu mehr Aufmerksamkeit zu verhelfen, die diese ebenso verdient hätten, bislang aber weitgehend unbeachtet geblieben sind? Oder ist der Sinn eines solchen Musikpreises tatsächlich der, sich gegenseitig auf die Schultern zu klopfen und sagen zu können: „Haben wir das nicht toll hinbekommen, mit gewaltig PR so viel zu verkaufen?“ Das ist doch eigentlich höchst unfair dem Künstler gegenüber, sofern er denn wirklich hinter seinem Werk steht. Und das, so denke ich, ist beim Grafen trotz aller viel beklagter „Kommerzialisierung“ immer noch der Fall.


Immer dasselbe Theater

Da hat mich die eine meiner zwei derzeitigen Leib- und Magenbands ja gerade wieder vor eine äußerst schwierige Entscheidung gestellt. ASP bringen Ende Mai ihr bisheriges Hauptwerk – also den Schwarzen-Schmetterling-Zyklus – noch einmal in einer neuen Zusammenstellung heraus. Da wird es dann die ersten fünf Alben sowie die dazugehörigen Singles in einem sogenannten „Earbook“ geben.

Schön und gut, nun habe ich aber natürlich eben jene Alben bereits im CD-Regal stehen. Die Singles wiederum fehlen mir aber alle, insofern juckt es mir dann schon in den Fingern – zumal sich das Format von 28×28 Zentimetern sicher gut im Regal machen würde. Und die gesammelten Artworks der Alben dann auf insgesamt 112 Seiten in dieser Größe vor sich sehen zu können, stelle ich mir auch grandios vor.

Um euch mal dran teilhaben zu lassen, wie in etwa solche Entscheidungsprozesse in klein Karlchens Kopf ablaufen, hier mal das Theater, das die metaphorischen Stimmen in meinem Kopf beim Stöbern im ASP-Shop heute morgen aufführten:

 

Kauferwägungen zum „kompletten Schwarzen-Schmetterling-Zyklus” in Karlchens Kopf
~~~
Ein Drama in zwei Szenen

~~

Ein erster Blick

Vernunft, die mit erhobenem Zeigefinger auf die Bühne stolziert. Musiksucht blickt mit großen Augen aufs Tracklisting. Spannung mischt sich ebenfalls ein. Der Geldbeutel gibt sich unbeteiligt, schaut aber ängstlich aufs Geschehen.

Vernunft: Sieh an, mehr als die Hälfte davon steht ja schon in deinem CD-Regal.
Musiksucht: Aber die unbekannten Remixe und Neuinterpretationen, sind dir die egal?
Vernunft: Denke an den Geldbeutel, der fühlt sich jetzt schon viel zu schmal.
Musiksucht: Oh, und auch noch „The Power Of Love”!
Spannung: Auf diese Interpretation bin ich ja schon ewig gespannt!
Vernunft: Na, aber überleg doch mal – wärst du, meine liebe Spannung, dann nicht endgültig gebannt?

Spannung zieht Musiksucht beleidigt mit sich von der Bühne. Vernunft bleibt triumphierend grinsend im Rampenlicht stehen.

~~

Ein genauerer Blick auf die Ausstattung

Vernunft wiegt sich überheblich in Sicherheit. Sinn für visuelle Ästhetik betritt die Szene. Musiksucht und Spannung lauern lauschend im Schatten.

Sinn für visuelle Ästhetik: Vernunft, welch Freude, dass du auch einmal wieder hier bist.
Vernunft: Sag, hast du mich vermisst?

Musiksucht beginnt, die „kleine Ballade vom Schwarzen Schmetterling“ zu summen.

Sinn für visuelle Ästhetik: Soll ich ehrlich zu dir sein?
Vernunft: Ach, bei dir zählt doch eh nur der äußere Schein.
Sinn für visuelle Ästhetik: Ganz genau, drum schau: Sämtliches Artwork im Großformat!
Vernunft: Das ist es, worauf ich seit Jahren wart‘.
Sinn für visuelle Ästhetik: Auf ganzen einhundertundzwölf Seiten!
Vernunft: Das lässt mich aber nicht zum Kauf verleiten.

Musiksucht und Spannung eilen dem Sinn für visuelle Ästhetik zur Seite. Die drei nun im Chor.

Chor: Du bist nun aber in der Unterzahl und auf dich allein gestellt!

Vernunft wirft ihren Umhang ab, entpuppt sich als Fanatismus und stellt sich zu den Dreien.

Fanatismus: Also gut, ihr habt ja Recht – es wird bestellt.

Der Geldbeutel wimmert leise.
~~~
ENDE


Die Musik und ich

Ein sehr schönes Thema als Einstieg ins Bloggen liefert mir gerade spontis.de – dort wird monatlich unter dem Motto „Gothic Friday“ dazu aufgerufen, mal ein wenig zu einem bestimmten Thema zu erzählen. Im Februar dreht es sich nun ums Thema Musik, was mir als quasi Musiksuchti doch sehr gelegen kommt. Im Folgenden mache ich mir also mal zu den 10 bei Spontis gestellten Fragen Gedanken.

  1. Was bedeu­tet Musik für Dich? Wie wich­tig ist sie Dir?
    Musik ist für mich unverzichtbar. Sie begleitet mich nahezu ununterbrochen und ohne Musik wär’ ich sicher nur ein halber Mensch. Sie untermalt mein Leben passend zu meiner jeweiligen Stimmung. Ebenso nimmt sie aber Einfluss auf meine jeweilige Stimmung, wenn es nötig ist. Gäbe es keine Musik, müsste man sie dringendst erfinden.
  2. Wel­che Rich­tun­gen „schwar­zer Musik“ hörst du? Nenne ein Bei­spiel, das für Dich deine Bedeu­tung des Genre am bes­ten wie­der­gibt.
    Mein Musikgeschmack war schon seit ich angefangen habe, einen eigenen solchen zu entwickeln, immer sehr von elektronischer Musik geprägt. Insofern bin ich aus dem Bereich der „schwarzen Musik“ sehr vielen elektronischen und elektronisch angehauchten Subgenres angetan. Als wichtigste Vertreter sind hier zu nennen:

    • Futurepop: Allen voran sind hier natürlich VNV Nation zu nennen, die höchstwahrscheinlich der Hauptauslöser dafür waren, dass ich anfing, mich intensiver mit der Musik der schwarzen Szene zu beschäftigen und somit schlussendlich überhaupt selbst in der schwarzen Szene angekommen bin. Das erste und auch immer noch meistgehörte Stück dieser Richtung ist definitiv „Beloved“ – natürlich von VNV Nation. 😉
    • Synthpop: Sehr eng verwandt mit Futurepop und natürlich schon lange davor dagewesen, ist dies sicher kein rein auf die schwarze Szene beschränktes Genre. Nichtsdestotrotz haben viele Bands aus diesem Bereich die Musik der schwarzen Szene entscheidend mitgeprägt, allen voran Depeche Mode. Für mich persönlich sehr wichtig sind hier unter anderem Ashbury Heights, allen voran ihr Lied „Spiders“.
    • Aggrotech/Hellectro: Gern auch als Fluglotsentechno verspottet muss ich zugeben, dass dieses Genre sich doch sehr im Kreis dreht. Wirklich innovativ sind hier in meinen Augen wenige Projekte; trotzdem gibt es durchaus Hörenswertes. Insbesondere sei hier „All Pain Is Gone“ von Combichrist genannt.
    • Synthrock: Als Fusion von gitarrenlastiger Musik mit Synthesizerklängen war dieses Genre der entscheidende Anlass für mich, mal generell über meinen rein elektronischen Tellerrand hinauszublicken. The Birthday Massacre mit ihrem „Looking Glass“ beispielsweise haben mich auch dieses Genre mögen lassen.
    • Darkwave: Damit komme ich dann zu den eher klassischen Spielrichtungen der schwarzen Szene. Prägend für mich waren aus dieser Richtung die frühen Werke von Diary of Dreams, die sich in letzter Zeit ja eher in Richtung Synthrock/Synthpop entwickelt haben – was ich aber keinesfalls negativ finde. Als für mich typisches Stück aus diesem Genre sei „End(giftet)?“ von DoD genannt.
    • Neue Deutsche Härte: Ein selten dämlicher und nichtssagender Begriff, wie ich finde. Unter dieses Dach werden im allgemeinen Bands wie Rammstein, Oomph! oder Megaherz einsortiert. Für mich am wichtigsten aus dieser Richtung sind aber sicherlich Eisbrecher, insbesondere mit ihrem „This is Deutsch“.
    • Mittelalterrock: Was dieses Genre angeht, gibt es noch einiges, was ich nicht kenne. Wie aber generell bei gitarrenlastiger Musik bin ich hier wählerisch. Sehr wichtig für mich hier sind aber zum Beispiel Subway to Sally; als unbedingt hörenswertes Lied von ihnen will ich mal „Wenn Engel hassen“ nennen.
    • Gothic Rock: Hier habe ich sicherlich auch noch einiges an Nachholbedarf, da ich hier lange brauchte, um mich mit dieser Art Musik anzufreunden. Den entscheidenden Anstoß gaben mir hier Fields of the Nephilim mit ihrem „Last Exit For The Lost“.

    Das wären mal die für mich wichtigsten und meistgehörten Genres. Daneben finden sich in meiner Musiksammlung aber weitere Interpreten der schwarzen Szene, allen voran sei hier noch ASP genannt. Häufig werden sie auch der Neuen Deutschen Härte zugeordnet, da mag ich aber gern widersprechen. Zwar können sie zu einem gewissen Teil stilistisch durchaus mit ein paar der oben genannten Bands verglichen werden, ihre musikalische Bandbreite ist aber deutlich größer, es geht ja zum Teil auch in Richtung Folkrock oder hier und da auch Synthrock. Inhaltlich passen sie für mich auch nicht in diese Schublade.

  3. Wie wür­dest deine musi­ka­li­sche Lauf­bahn beschrei­ben? Über wel­che Rich­tung der Musik bist Du in die Szene gekom­men, wel­che hast hin­zu­ge­won­nen, wel­chen hast du abge­schwo­ren und was hörst du heute?
    Ein wirklich eigener Musikgeschmack hat sich bei mir so mit 11 Jahren herausgebildet. Ab da fing ich an, den typischen 90er-Jahre-Eurodance zu hören; davor habe ich eigentlich gar nicht bewusst Musik gehört. Das entwickelte sich dann nach 4, 5 Jahren weg in Richtung Trance – bevorzugt Hardtrance, Vocal Trance und Epic Trance, zum Teil auch Psytrance. Da blieb ich dann so an die 8 Jahre lang kleben, bevor mir ein damaliger Mitbewohner „Call The Ships To Port“ von Covenant vorspielte.
    Dieses Stück ist ebenfalls ein typischer Vertreter des Futurepops und zeigt deutlich, dass sich dieses Genre unter anderem auch bei Elementen des Trance bedient. Insofern war’s also kein Wunder, dass mir das zusagte. Da sich in dem Bereich der Trance-Ecke, in dem ich mich bevorzugt austobte, eine gewisse Innovationsarmut eingestellt hatte, kamen mir diese für mich neuen Impulse sehr gelegen. Von da war es im Prinzip unvermeidlich auf „Beloved“ von VNV Nation zu stoßen – siehe oben. 😉
  4. Wie und wo hörst du Musik am liebs­ten?
    Eigentlich höre ich Musik in allen Lebenslagen: Auf dem Weg zu und von der Arbeit in der Straßenbahn, unterwegs im Auto, zu Hause – da auch gerne mal laut.
  5. Wel­che Musik hörst du außer­halb der typi­schen dunk­len Musik noch?
    Inzwischen höre ich fast ausschließlich oben genannte Spielrichtungen der schwarzen Szene. Hin und wieder packt mich aber doch die Nostalgie und ich buddele Stücke aus meiner Eurodance-Zeit und der Trance-Ära aus. Darüberhinaus finden aber auch mal Soundtracks aus Science-Fiction-Filmen und -Fernsehserien den Weg in meine Playlist. Völlig abseits von all dem finde ich aber auch die isländische Post-Rock-Band Sigur Rós grandios.
  6. Mal ange­nom­men, Du könn­test ein Instru­ment spie­len, hät­test eine tolle Stimme und wür­dest zusam­men mit Freun­den eine Band grün­den. Wel­che Rolle in der Band wäre Deine?
    Wenn ich denn ein Instrument spielen könnte, würde ich mich vermutlich genau darauf konzentrieren. Vielleicht auch noch aufs Songwriting. Aber selbst wenn ich eine tolle Stimme hätte, beschränkte ich mich sicher auf Backgroundgesang – im Rampenlicht zu stehen habe ich nämlich gar nicht gern.
  7. Nenne 5 dei­ner Alben die für Dich unver­zicht­bar mit Szene ver­bun­den sind.
    • VNV Nation – „Empires“
    • The Crüxshadows – „…Night Crawls In“
    • Fields Of The Nephilim – „The Nephilim“
    • ASP – „Weltunter“
    • Faun – „Licht“
  8. Wel­che musi­ka­li­schen Eigen­schaf­ten hat für dich das ideale Lied?
    Oh mein Bob, wie soll ich das jemals in Worte fassen können? Im Grunde muss ein Lied mich aus dem Alltag herausreißen und mich in eine andere Welt bringen können. Es muss also in der Lage sein, eine in sich stimmige Atmosphäre aufzubauen und – sofern es sich nicht um ein Instrumentalstück handelt – der Text muss mich ansprechen oder ich muss mich selbst oder Situationen aus meinem Leben, die mir viel bedeuten, darin wiederfinden können.
  9. Wel­che Band oder wel­chen Musiker/in wür­dest Du gern mal inter­viewen und auf wel­chen Frage musst Du dabei unbe­dingt eine Ant­wort haben?
    Ich würde zwar gerne mal ganz ungezwungen mit diversen Musikern drauflosplaudern, insbesondere mit Ronan Harris von VNV Nation. Aber eine explizite Frage schwebt mir da gerade nicht durchs Hirn. Im Gegenteil: Ich denke, das, was ein Musiker zu sagen hat, hat er in seine Musik gesteckt. Wie man selbst es dann aufnimmt, bleibt einem selbst überlassen. Insofern würde ich also keine Frage stellen, sondern eher erläutern, wie ich ein bestimmtes Lied auffasse, was es mir bedeutet.
  10. Wer oder was reprä­sen­tiert für die Dich die Zukunft der „schwar­zen“ Musik?
    Als Projekt, dass sich nur schwer einsortieren lässt, sei hier abrasions erwähnt. Hier kommt so ziemlich alles zusammen, was mir gefällt: Dark Ambient, experimentelle elektronische Klänge, absolut stimmiger Einsatz von Akustik- und E-Gitarren… Der Song „Dreamer“ ist für mich einfach grandios und spricht mir aus dem Herzen. Eigentlich ein Jammer, dass das aktuelle Album „Memorial” (Ende 2009 erschienen) noch nicht von einem Plattenlabel entdeckt wurde – es ist eine fantastische Mischung aus Post-Rock und Darkwave.
    Eine Band, die ebenfalls deutlich mehr Beachtung bekommen sollte, sind Veil Veil Vanish. Zwar wurde ihr Debütalbum „Change In The Neon Light“ schon in diversen Szenemagazinen umjubelt, trotzdem scheint sie immer niemand zu kennen, wenn ich auf sie zu sprechen komme. Was habe ich irgendwo mal über sie gelesen? „Veil Veil Vanish klingen so, wie The Cure heute klingen müssten.“ Dem kann ich nur zustimmen; ihre Musik setzt konsequent das fort, was Robert Smith und Co. damals gemacht haben, schafft es dabei aber, erfrischend modern zu klingen.