no need of sun to light the way…

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Bloggersinnkrise

Da brüte ich gerade an diversen Gedanken herum, die es vielleicht durchaus wert wären, sie mal auszuformulieren. Könnten vielleicht ja sogar brauchbare Blogeinträge bei herauskommen. Und wie mir dieser Gedanke zwischen all die anderen schießt, ertappe ich mich wiederum dabei, dass ich mich frage, wozu ich dieses Blog überhaupt habe. Würde überhaupt jemand mein belangloses Geschwurbel lesen wollen? Muss ich denn jeden Mist, der mir im Kopf herumspukt, auch in die Welt hinausposaunen?

Zumal: Effektiv tue ich das ja eh schon anderswo zur Genüge. Mein Twitteraccount bietet tagtäglich genug der Belanglosigkeiten. App.net ebenso. Wozu also dieses Blog? Zwei Jahre wird es demnächst alt, viel Aktivität lässt sich nicht verzeichnen. Also, Aktivität meinerseits. Nun ja. Mal schauen. Im Zweifel verschwindet es zu seinem zweiten Geburtstag, sofern mir nicht zwischenzeitlich doch noch irgendein bloggenswertes Thema einfällt. (Lustig übrigens, dass die Rechtschreibprüfung des Browsers mir „bloggenswert“ zu „beklagenswert“ korrigieren möchte.)


Tweetrospektive 2012 (2)

Und weiter geht’s mit der zweiten Jahreshälfte.

Juli

Die Firma veranstaltet mal wieder ein Sommerfest…


…und jagt mich schon wieder in die Weltgeschichte.

Von diesem Trip mitgebrachte Souvenirs stehen aber immer noch unabgeholt hier. *mit-dem-Zaunpfahl-gen-Leipzig-wink*

August

Der August war mir mal wieder zu warm, insofern habe ich ihn weitestgehend verdrängt. 😉


September

Überschattet von einem einzelnen Ereignis: Ein lieb gewonnener Mensch entschloss sich, zu gehen.


Du fehlst sehr.

Oktober

Endlich Urlaub – mit meinem Schatz geht’s erst in den Pott…


…und dann mitten in der Hochsaison an die Ostsee.

Der Urlaub tat aber auch Not, denn für den Rest des Jahres wurde es auf Arbeit zunehmend stressiger, da ein großer Kunde mit Auftrag „drohte“.

November

Neue EP von ASP…


…sowie die alljährliche Tour im Herbst.


Außerdem mit guten Freunden die ersten Weihnachtsplätzchen (und artverwandtes) gebacken.

Dezember

Der Winter kam pünktlich in diesem Jahr.


Ansonsten eher allgemeine Weltuntergangshysterie. Man konnte machen, was man wollte, nicht mal im Büro konnte man sich dem entziehen.

Zum Jahresende musste ich dann aber noch einmal Energie tanken…

…und das geht nirgends besser, als bei einem VNV-Nation-Konzert.


Tweetrospektive 2012 (1)

Das Jahr 2012 neigt sich dem Ende zu. Ein persönlicher Jahresrückblick in Tweets.

Januar

Neujahr beim hyp3r-fux.

Februar

Eisiger Winter. Es war sogar so kalt, dass ich zum „Superschwarzen Mannheim“ im „MS Connexion“ beim Tanzen meinen Mantel anbehielt. (Für gewöhnlich ist es brütend heiß in dem Laden.)


Dagegen entpuppte sich Taipeh im Winter als optimales Reiseziel…

…nur rauchende Bienen müssen in taiwanischen Hotels die Treppe nehmen.

März/April

Nachdem in der WG wieder ein Zimmer frei wurde, mein verbliebener Mitbewohner und ich aber keine Lust mehr auf anstrengende Mitbewohnersuche hatten, wurde es zum Wohnzimmer umfunktioniert.


Ein gutes Augenmaß war dabei hilfreich.

Geocaching mit guten Freunden war dann am Kar(l)freitag auch mal wieder angesagt.

Mai

Deutlich mehr als 30 Stufen mussten erklommen werden, …


…um das äußerlich nicht als solches zu erkennende griechische Restaurant „Alt Hall“ in Schwäbisch Hall zu erreichen.

Juni

Tweetbot hielt die Timeline fußballfrei.


Das Blackfield Festival war mal wieder wettertechnisch zweigeteilt. Am Samstag Sonne…

…am Sonntag dann eher düster und kühl mit Regen.

Auch ging es noch mal nach Berlin, um einen guten Freund zu besuchen.

Das zweite Halbjahr folgt dann morgen.


2. September

Hey Frank,

der rationale Teil von mir weiß, dass du dies hier nicht mehr lesen kannst. Allerdings gibt es da auch noch den Teil, der noch nicht wirklich begreifen kann, was vor drei Tagen passiert ist. Darum schreibe ich nun diese Zeilen, um mich von dir zu verabschieden – vielleicht wird dann auch dem Teil von mir, der es nicht wahr haben will, bewusst, dass dies ein Abschied für immer ist.

Du hast es uns aber auch nicht leicht gemacht, weißt du? Zunächst war da noch die vage Hoffnung, dass du vielleicht keinen Erfolg gehabt hattest mit deinem Vorhaben, hieß es doch am Sonntagabend noch, du seist schwerverletzt ins Krankenhaus gebracht worden. Doch als ich – zum Glück erst nach Feierabend! – den Tweet von Grete_o_Grete in meiner Timeline las, wehte es dieses fragile Fetzchen Hoffnung mit einem heftigen Windstoß davon. Wenn du wenigstens den Rechner runtergefahren hättest… Ich weiß, das klingt zynisch, aber dass du in ICQ und Skype noch online erschienst, lediglich mit dem Status „away“, das war nicht weniger zynisch. Wie ich dich kenne, war das vielleicht sogar Absicht. Und die Musik spielte auch noch weiter; dein last.fm-Profil füllte sich munter weiter.

Das hat dann so einige Leute auf Twitter zu den wildesten Verschwörungstheorien veranlasst. Wie die Geier haben sie sich drauf gestürzt und allen, die wirklich um dich trauerten, blinde Naivität bescheinigt. Schließlich sind wir hier ja im Internet!!11^einseinsdrölf!! Wer da auch nur irgendwas glaubt, muss ja bescheuert sein. Ich kann mir deine Reaktion gut vorstellen, hättest du diesen Unsinn lesen können: Wie krank die Menschen doch alle sind, hättest du mal wieder festgestellt, wie zerstört diese Gesellschaft. Schlussendlich waren solche Leute mit ein Grund, weswegen du es hier nicht mehr ausgehalten hast.

Ich hätte daraufhin vermutlich erwidert: „Lass doch die Spinner ihre Verschwörungstheorien erfinden. Schau lieber, wie vielen Menschen es gerade wirklich zu Herzen geht, was geschehen ist. Wie viele Menschen dich geschätzt haben, und sei es nur über Twitter!“ Keine Ahnung, ob du mir da zugehört hättest, ob du die Augen aufgemacht hättest, um wirklich so genau hinzusehen. Vielleicht aber konntest du auf Grund deiner Krankheit wirklich nicht erkennen, wie vielen Menschen du doch etwas bedeutet hast, vielleicht wolltest du es auch einfach nicht sehen.

Im Nachhinein frage ich mich eh, ob du nicht die ganze Zeit nur eine Fassade gezeigt hast, selbst mir als Freund, vielleicht sogar selbst deinem besten Freund und gar deiner Schwester. Immerhin hast du ja oft genug betont, dass die Menschen sich eh alle auf irgendeine Art und Weise hinter einer Fassade verstecken. Ich konnte dir da nie widersprechen, ich selbst lasse ja Fremde nur ungern an mich heran. Andererseits denke ich dann an die vielen Male, an denen du mir deine Seele ausgeschüttet hattest und ich geduldig zuhörte, versuchte, dich zu trösten, dir Hilfe anzubieten.

Zuletzt dachte ich ja wirklich, du hättest dich gefangen, du hättest deinen Lebenswillen wiedergefunden. Zum Einen lag dein letzter Suizidversuch nun schon mehr als drei Jahre zurück, zum anderen hattest du dir, auch auf das Drängen von mir und, soweit ich dich verstanden habe, deiner Schwester, endlich professionelle Hilfe gesucht. Und offenbar hattest du da auch endlich einen Arzt gefunden, der dich wirklich zu verstehen schien, mit dem du offen reden konntest. Was ja zuvor nie der Fall gewesen war, wie du sagtest, weswegen du ja der Meinung warst, dass dir eh nie jemand helfen können würde.

Und dann? Dann ging es die letzten Wochen doch bergab. Ich hatte durchaus bemerkt, dass es dir mal wieder schlecht ging. Aber wie schlecht wirklich, das hast du diesmal gut versteckt. Ich frage mich die ganze Zeit, ob ich nicht misstrauischer hätte sein sollen. Aber du sagtest, es liege an der Arbeit, dort würden dich alle nur noch ankotzen und du würdest deinen Urlaub nutzen, dir eine andere Stelle zu suchen. Überhaupt hattest du den Urlaub nötig, sagtest du, danach ginge es dir sicher besser.

Ich weiß, vermutlich hätte ich zum Schluss wirklich nichts mehr tun können, aber dennoch quält mich die Frage, wieso ich nicht erkannt habe, wo das hinführt. Der Alkohol, der war immer im Spiel, wenn du eine Dummheit gemacht hast. Und die Tage stieg dein Alkoholkonsum ja doch stark, wie ich fand. Dann war da noch das Löschen deines Twitteraccounts und der Neubeginn dort. Du sagtest, das ginge so schneller, ungewollte Follower auszusortieren. Klang plausibel – und vermutlich war es sogar mit ein Grund. Aber ich hätte misstrauisch werden sollen, auch dies war bisher jedes Mal so.

Dass du ab und zu sagtest, dass du nicht glaubtest, deinen 30. Geburtstag zu erleben, erscheint mir im Nachhinein auch eher wie ein nicht Wollen. Vielleicht interpretiere ich da ja auch völlig über, aber es würde zu deinem gerne mal zynischen Humor passen. Und ich kann mir nicht helfen, aber im immer noch abebbenden Schock scheinen diese Sätze von dir wie ein Puzzle zusammenzupassen. Nach dem Urlaub ginge es dir besser, sagtest du. Keine 30 würdest du werden, glaubtest du.

Dann kam der 2.9. und du gehst einfach so, noch 29-jährig, davon. Erzähl mir nicht, dass du dir das nicht exakt so ausgedacht hattest. Eine Ohrfeige hättest du verdient, ganz ehrlich. Aber auch die werde ich dir nicht verpassen können – ganz abgesehen davon, dass ich das eh nicht gekonnt hätte. Genauso wenig, wie ich am Sonntag zum Telefon greifen konnte, um dich von deiner letzten großen Dummheit abzuhalten; um die Rettungsdienste zu verständigen – zu geschockt war ich in dem Moment der Erkenntnis, zu gelähmt. Und das macht es für mich noch schwerer, dass ich als der Freund, der ich dir über die letzten gut vier Jahre geworden bin, zu nichts mehr in der Lage war.

So lässt du uns alle hier nun mit tausend Fragen zurück, vielen Hätte, Wäre, Wenns. Aber ich wäre kein Freund, wenn ich nicht unter allen diesen nagenden Fragen auch die Hoffnung hätte, dass du vielleicht endlich Frieden gefunden hast. Den Frieden, den du hier so vergeblich gesucht hattest. Ich kann, nach allem, was du mir erzählt hast, sicherlich deine Gründe verstehen. Was ich aber wohl nie verstehen werde können, sind die Konsequenzen, die du aus allem zogst.

Ach ja, und, Frank? Du fragtest bei einer Gelegenheit mal, wer denn schon um dich weinen würde, woraufhin ich dir sagte, dass ich es sicherlich täte. Und du kennst mich: Wenn ich etwas verspreche, dann halte ich das. Gerade rollen mir schon wieder die Tränen über die Wangen…

g.8, Fux, ich werde dich nicht vergessen.

Frank war ein liebenswerter Mensch, wie ich finde, trotz all seiner Probleme. Er ist mir in der kurzen Zeit, die ich ihn kennen durfte, sehr ans Herz gewachsen. Mein tiefster Dank gilt all denen, die handelten, die in dem Moment noch alles Menschenmögliche versuchten, wo ich in meinem Schock nicht mehr handeln konnte. Es tut mir leid, dass es trotzdem vergebens war.


Subkulturelle Unregelmäßigkeiten

Es kommt ja doch erstens immer anders als man zweitens denkt – wie das Leben eben so spielt. Oder Murphy mit seinen Gesetzen. Oder irgendein ein beliebiger anderer Sündenbock, der seinen Kopf herhalten mag. So schrieb ich noch im Januar im Rahmen des Gothic Friday davon, dass Würzburg als vergleichsweise kleine Großstadt gleich drei regelmäßige schwarze Veranstaltungen zu bieten habe. Und schawupps, hatte es sich dann auch schon wieder mit der schönen Regelmäßigkeit.

Im März fand der letzte regelmäßige Termin des Schwarzen Freitags statt; seitdem gab es ihn nur noch einmal im August. Gründe für diese Änderung gibt es wohl einige, im Forum des Schwarzen Würzburgs wurde auch ausgiebiger darüber diskutiert. Schade nur, dass sich wohl bislang keine anderen Örtlichkeiten gefunden haben, die eine solche Veranstaltung beherbergen möchten. Zumindest gehe ich momentan mal davon aus, da besagter einziger Schwarzer Freitag seit März auch wieder im Zauberberg stattfand. Immerhin ist der Schwarze Freitag damit nicht ganz aus der Welt, wird aber wohl vorerst ein seltenes Vergnügen bleiben.

Die Creatures of the Night finden auch nicht mehr so regelmäßig statt, wie es noch Anfang des Jahres schien. Immerhin aber hat sich die Zahl der Termine nicht verringert; es scheint da wohl eher zu Kollisionen mit anderen Veranstaltungen zu kommen, bzw. kam wohl seitens der Veranstalter etwas dazwischen. Dafür gibt es diesen Herbst dann gleich zwei aufeinander folgende Monate (nämlich Oktober und November), an denen die Kreaturen der Nacht auf dem Boot auf ihre Kosten kommen.

Immerhin das Tirili! bleibt wohl vorerst noch regelmäßig jeden 3. Mittwoch im Monat Schwarz! – und diesen Monat gibt es sogar noch einen zweiten Termin am Samstag davor. Vielleicht sollte ich mir einfach angewöhnen, unter der Woche wegzugehen. Hätte eh Vorteile, wenn ich dann am Tag darauf erst später im Büro wäre – ich könnte abends länger die Kollegen in den USA nerven. 😀

Insgesamt bleibt aber die schwarze Veranstaltungslandschaft in Würzburg vergleichsweise vielfältig. Und die Unregelmäßigkeiten, die sich im Laufe des Jahres eingeschlichen haben, müssen nicht mal schlecht sein: Frei nach dem Motto „you never know what you have until you lose it“ weiß der Würzburger Schwarzkittel diese Veranstaltungsvielfalt ja vielleicht eher zu schätzen, wenn es eben nicht immer nach Schema F geht.


Verspielt kommentiert

In letzter Zeit gibt es sie auf den Videoplattformen in Massen: Sogenannte „Let’s Plays“. Da setzen sich Leute allen Ernstes hin, spielen ein Spiel und schneiden das nebenher mit. Guess what? Ich habe damit jetzt auch angefangen. 😉 Ausschlaggebend dafür waren die äußerst interessanten Let’s Plays von tomdotio zur Bahnsimulation „A-Train 9“ sowie zum Transportsimulationsspiel „Cities in Motion“. Da ich letztes selber auch spiele, fand ich es ganz spannend, mir mal die Spielweise anderer Leute anzuschauen.

Darüber kam ich dann zum Let’s Play von dwyrin zu „Cities XL 2012“. Davon habe ich mir letztes Wochenende die ersten 25 Episoden angetan – ist dann wohl auch so eine Art Kompensation dafür, dass es das Spiel nicht für Mac OS gibt. So kann ich immerhin zugucken. 😀 Klar, das Ganze muss schon einigermaßen unterhaltend sein. tomdotio schafft das, indem er den Zuschauer ausgiebig an seinen Planungen für Bauvorhaben teilhaben lässt und das dann auch super kommentiert. Bei dwyrin wiederum haben mich die zum Teil absurd komischen Bemerkungen bei der Stange gehalten, die er immer mal wieder ganz unverhofft bringt.

Da ich nun – wie man merkt – selbst so ein Faible für Simulationsspiele habe, lag es irgendwie nahe, dass ich so ein Let’s Play auch mal in Angriff nehme. Die Wahl fiel hierbei auf Simutrans: Eine Open-Source-Transportsimulation (wie der Name ja schon vermuten lässt 😉 ) im Stile von (Open) Transport Tycoon. Ich weiß gar nicht, wie lange ich das Spiel schon spiele. Aber nach meinem Dafürhalten gibt es dazu bisher zu wenige Let’s Plays. Darum hier nun die erste Episode meines Let’s Plays zu Simutrans:


Murphy am Montagmorgen

Da hat unser städtischer Nahverkehrsbetrieb, also die Würzburger Straßenbahn, vor geraumer Zeit die Fahrkartenautomaten im Stadtgebiet erneuert. Sinn und Zweck sei mal dahingestellt – ich persönlich fand jedenfalls nicht, dass man mit den alten Automaten nicht klarkommen konnte. Im Gegenteil, aus Sicht der Barrierefreiheit waren die sogar besser: Jede Fahrscheinart hatte eine eigene Taste. Nun gibt es nur noch einen Touchscreen, der eher wenig haptisches Feedback gibt. Sehbehinderte Personen sind da jetzt deutlich im Nachteil.

Aber zurück zu meinem heutigen Problemchen: Mir fiel gestern Abend, als ich es mir auf dem Sofa so richtig gemütlich gemacht hatte, ein, dass meine Barreserven nicht mehr reichen würden, um mir heute morgen die neue Monatswertmarke am Fahrkartenautomaten zu ziehen. Zum Geldautomaten zu dackeln, hatte ich aber sofalümmelnder Weise keine Lust mehr. Ahahaaber! Automaten, genau! Wenn da jetzt schon überall neue Fahrkartenautomaten stehen, dann nehmen die vielleicht ja auch EC-Karten, dachte ich mir.

Und siehe da: „Bargeldlose Bezahlung mit EC- oder Geldkarte“ verkündet die WVV auf ihrer Infoseite zu den Automaten. Wunderprächtig. Dann konnte ich den Sonntagabend ja in aller Gemütlichkeit ausklingen lassen.

Heute morgen beschlichen mich dann so leise Zweifel ob meiner Entscheidung. Immerhin war es Montagmorgen. Die perfekte Zeit, dass nach Murphy mal wieder genau das schiefging, was schiefgehen konnte. Zumal ich eh schon wieder spät dran war. Gespannt, ob das mit der Kartenzahlung denn klappen würde, trat ich also vor den Bildschirm und wählte meine Fahrausweisart, den Starttag der Gültigkeit der Monatsmarke (also heute) und tippe zum Abschluss auf den verheißungsvollen Button „Kartenzahlung“. Karte rein, „bitte warten“ …und siehe da, es klappte natürlich nicht.

„Kartenart nicht in Betrieb“ erklärte das Display am PIN-Pad mir und der Automat brach den Kauf komplett ab. Und natürlich fruchteten auch ein zweiter und dritter Versuch nicht. Einziger Effekt war, dass ich meiner Straßenbahn nur noch hinterherschauen durfte. Abgesehen von der völlig unverständlichen Fehlermeldung mal wieder lautet das Fazit: Faulheit lass nach! In Zukunft werde ich mich also doch wieder vom Sofa quälen und noch zum Geldautomaten gehen.


Impressionen aus Fernost

Kinners, was war das für eine Woche – anstrengend, spannend, produktiv, voller neuer Eindrücke und mit wenig Schlaf. Seitdem die Firma, bei der ich angestellt bin, von einem US-Konzern übernommen wurde, werde ich hier gefühlt zum Weltreisenden. 😉 Wer meine Tweets verfolgt, hat es ja sicher mitbekommen: Klein Karlchen war nämlich auf Dienstreise in Taipeh.

Vor dem Hinflug graute es mir ein wenig, muss ich gestehen. Ich fliege zwar eigentlich ganz gerne, aber über 12 Stunden in so einer Blechbüchse mit wenig Bewegung… Puh. Das war jetzt nicht unbedingt das, was ich als angenehmen Zeitvertreib für einen Sonnabend bezeichnen würde. Zudem waren wir mit China Airlines unterwegs, deren Unfallstatistik auch eher bescheiden aussieht. Perfekte Voraussetzungen, um sich ein bisschen Flugangst zu machen. 😀

Der Flug war aber recht schnell überstanden und so kamen wir am Sonntagmorgen gegen 6 Uhr Ortszeit nach einer viel zu kurzen Nacht in der „Republic of China“ an, wie Taiwan offiziell heißt. Schon die Autofahrt vom Taiwan Taoyuan International Airport zum Hotel vermittelte uns einen ersten Eindruck, wie es verkehrstechnisch denn aussieht auf der Insel im südchinesischen Meer. Offenbar haben die Taiwaner ein Faible für Brücken. Überall schienen Pfeiler förmlich aus dem Boden heraus und dann nach links und rechts weiter zu wachsen, um sich dann zu neuen Hochstraßen oder Bahntrassen zu verbinden.

Typisches Bild auf Taipehs Straßen: Motorroller

Typisches Bild auf Taipehs Straßen: Motorroller

Nach einem kurzen Frühstück im Hotel ging es dann auch gleich mit den Kollegen unserer Taiwanischen Niederlassung auf Testfahrt. Da wurde dann auch schnell klar, wieso neue Straßen überwiegend Hochstraßen sind: Es geht einfach alles verdammt eng zu in Taipeh. Insofern ist ein Großteil der Einwohner statt mit dem Auto auch eher mit dem Motorroller unterwegs. Scharen von Motorrollern, die sich zwischen den an den gefühlt tausenden von Ampeln im Stau steckenden Autos hindurchschlängeln sind so das prägende Bild für den Verkehr in der Taiwanischen Hauptstadt – ein irres Gewusel!

Blick vom Taipei 101 nach Südwesten

Umso mehr drängt sich dann auch der Eindruck einer typischen Stadt aus Sim City auf, wenn man von der Besucher-Etage des Taipei 101 im 89. Stock hinunterblickt. Überhaupt wirkt Taipeh von oben wie eine Spielzeugstadt: Der Wuselfaktor des dichten Verkehrs sowie die von Süden bis Nordosten ins Stadtgebiet hineinreichenden Ausläufer der sich über die gesamte Insel erstreckenden Bergkette tragen sehr dazu bei.

Auch das Essen während der Woche war immer ein Erlebnis. Die Kollegen führten uns in diverse Restaurants in der Stadt, so dass wir die Vorzüge der chinesischen Küche aber auch den japanischen Küche kennen lernen konnten. Ein kulinarisches Erlebnis – und ich glaube, ich hab dann auch mal den Dreh raus, wie man mit Stäbchen isst. 😉 Ein Punkt, an den ich vor unserer Reise überhaupt nicht gedacht habe. Zwar waren die Servicekräfte in den Restaurants dann immer sofort mit Messer und Gabel zur Stelle, aber so einfach wollte ich es mir dann doch nicht machen.

Überhaupt sind die Taiwaner ein durch und durch hilfsbereiter und freundlicher Menschenschlag. Und selbst wenn dann die Verständigung auf Englisch nicht so ganz klappte, versucht man’s eben mit Händen und Füßen. Fazit: Taiwan entpuppte sich für mich als faszinierendes und spannendes Land. So war es richtig schade, dass wir nicht die Zeit hatten, mehr von Taipeh zu sehen. Aber mal schauen, vielleicht verschlägt es mich ja im Rahmen des laufenden Projekts noch mal in den Fernen Osten. Schön wäre es jedenfalls. 🙂

Noch ein paar weitere Eindrücke:

Fahrt zum Taipei 101

Im dichten Verkehr auf dem Weg zum Taipei 101. Nettes Detail am Rande (rechts im Bild): Taipehs Ampeln haben einen Countdown

Winter in Taipeh

Winter in Taipeh: Sonnenschein bei 25°C im Schatten, an der Station „Huzhou“ der Taipei Metro

Köche bei der Arbeit

Köche in einem Restaurant im „Food Court“ des Taipei 101 rollen Teig für Xiǎolóngbāo


Zensur!!^11einseinself!

Ein Aufschrei ging gestern früh durch die Medienlandschaft. Von Zensur war die Rede, das Ende der Meinungsfreiheit wurde gar heraufbeschworen (zum Bleistift auf Spiegel Online). Oh mein Bob! Wir werden alle sterben!!^11einseinsdrölfundrölfzig!! Der Gipfel war dann das „#TwitterBlackout“ Hash-Tag, unter dem dazu aufgerufen wurde, am heutigen Samstag komplett auf die Twitternutzung zu verzichten. Damit würde man denen ja schon zeigen, wo der Hammer hängt, jawollja!

Doch was war geschehen? Bislang war es so, dass Twitter auf staatliche Forderungen hin, bestimmte Aussagen und Inhalte zu entfernen dermaßen reagierte, dass betreffende Tweets gelöscht wurden. Und löschen bedeutete in dem Fall, dass eben jene Tweets absolut und unwiederbringlich weg waren und von niemandem mehr gelesen werden konnten. In einem Blogeintrag kündigte das Unternehmen nun an, künftig einen anderen Mechanismus zu verwenden, um in bestimmten Ländern unerwünschte Inhalte zu blockieren. Wohlbemerkt, nur in bestimmten Ländern.

Der Satz in besagtem Blogeintrag ging aber tatsächlich noch weiter; hieß es doch da: „[…] while keeping it available in the rest of the world.“ Blockierte Inhalte werden also nur noch in dem Land nicht zu sehen sein, das die Sperre angeordnet hat. Offenbar war da bei den meisten Lesern aber die Aufmerksamkeitsspanne schon erschöpft. Bei mir ging stattdessen das Hirn an. Denn wenn man mal den bisherigen Status Quo mit dem nun neuen Zustand vergleicht, stellt das doch wohl eine deutliche Verbesserung dar. Anstatt Tweets weltweit für jeden komplett zu löschen, bleiben sie nun für den Rest der Welt erhalten. Und mehr noch: User in dem Land, in dem ein Tweet blockiert ist, werden sogar explizit darauf hingewiesen, dass hier gerade gesperrte Inhalte an ihnen vorbeirauschen.

Wer sich bei Twitter mal auch ein bisschen mit den Konfigurationsmöglichkeiten vertraut gemacht hat, weiß, dass man in seinem Profil sein Heimatland einstellen kann. Bislang wurde dies hauptsächlich dazu genutzt, die „Trending Topics“ zu filtern. Aber ach! Ich konnte da zum Beispiel auch „United States“ anstelle von „Deutschland“ einstellen – und schwupps, sah ich eben deren TTs. An dieser Stelle mal weiter spekuliert, käme man also unweigerlich auf den Gedanken, dass Twitter gesperrte Inhalte eben auch auf diese Art filtern dürfte. Und tatsächlich: Auf Nachfrage von heise online bestätigte eine Sprecherin des Unternehmens, dass man so verfahre (letzter Absatz in dem Artikel).

Ich sehe dies als ziemlich gelungenen Versuch, gegen Staaten zu trollen, die versuchen, die Meinungsfreiheit zu beschränken. Denn Zensur war, was Twitter bislang tun konnte. Das, was jetzt geschieht, führt in meinen Augen zu einem drastisch erhöhten Maß an Transparenz und gibt betroffenen Nutzern sowie dem Rest der Welt wirklich ein effektives Mittel an die Hand, dass Meinungen nicht mehr so leicht unterdrückt werden können.

Also, kommt mal alle wieder runter. Statt eines Twitter-Blackouts, der Leuten, die Meinungen unterdrücken wollen ja eigentlich nur in die Hände spielt, sollten wir ab jetzt erst Recht twittern, was das Zeug hält.


Wie mache ich meinen Linker wieder glücklich?

Manchmal sitzt man trotz jahrelanger C++-Erfahrung vor so manchem Konstrukt und denkt sich für ein Sekündchen „WTF?!“ – so heute mal wieder geschehen. Ein eigentlich trivialer Linkerfehler hat mich dazu gebracht, mal ein wenig über eine möglichst knappe und mit wenig Aufwand verbundene Lösung nachzudenken.

Aber mal Eins nach dem Anderen: Einer meiner Kollegen ist momentan im Urlaub, hat aber kurz vorher noch einen dicken Batzen Code auf den main-Branch geliefert. Und klar, natürlich würde niemand solche großen Änderungen liefern, wenn er sie nicht zumindest an seinem Rechner erfolgreich kompilieren konnte. Nur: Wenn bleistiftsweise der Microsoft-C++-Compiler ein Statement anstandslos frisst, heißt das noch lange nicht, dass etwa der gcc das täte. Und selbst wenn der Compiler mitspielt, gibt es ja immer noch den Linker, der die weiße Fahne hissen könnte – wie hier geschehen.

Nehmen wir mal folgendes absolut standardkonforme Konstrukt:

class Foo 
{  
public:  
    static const int CONSTANT = 1;  
};

Die Klasse „Foo“ hat also einen konstanten Member namens „CONSTANT“. Das an sich führt nun noch nicht zu einem Linkerfehler. Lustig wird das Ganze erst, wenn man diese Konstante nun wie eine gewöhnliche Variable an eine Funktion übergeben möchte, die gerne eine Referenz als Parameter hätte:

void bar(const int& ref) { … }
bar(Foo::CONSTANT);

Während der Microsoft-Linker hier ohne mit der Wimper zu zucken sein Binary zusammenschnürt, bekam ich – als Stellvertreter des besagten Urlaub habenden Kollegen – nun diverse Meckermails von unserem Continuous-Integration-System (Jenkins im Übrigen), dass der Build unter Linux fehlgeschlagen sei. Und zwar wegen „undefined reference to `Foo::CONSTANT’“. Hmpf. Wobei er ja nicht Unrecht hat, der Linker. Für eine Konstante reserviert der Compiler nun mal keinen Speicher, da kann ich mich noch so auf den Kopf stellen, Foo::CONSTANT kann so nicht als Referenz an bar() übergeben werden.

Klar, das Einfachste wäre jetzt gewesen, den Compiler explizit dazu zu bringen, Speicher anzulegen (was der Microsoft-Compiler wohl implizit macht). Da aber mein Kollege die betroffene (recht leichtgewichtige) Klasse komplett inline im Header angelegt hatte, hätte ich jetzt noch ein extra .cpp-File erzeugen sowie das Skript für CMake anpassen müssen. Zu viel Aufwand wegen so eines Bisschens. Man ist ja nicht umsonst Entwickler geworden, wäre man nicht so bequem veranlagt. 😉

Die zweite Lösung, die dann ohne ein zusätzliches .cpp-File auskäme, wäre ein Typecast. Dabei würde aber die Zeile (oben angeführter Code ist nur ein Beispiel) die Zeichenbegrenzung, die unsere firmeninternen Coding Guidelines für eine Zeile vorsieht, sprengen. Und ein Zeilenumbruch bei einem Funktions- bzw. Methodenaufruf mit nur einem Parameter? Das widerstrebte mir irgendwie.

Schlussendlich geht das Ganze aber auch noch simpler: Durch Hinzufügen eines einzigen Zeichens. Damit sieht der auf beiden Plattformen komplierende und linkende Funktionsaufruf dann so aus:

bar(+Foo::CONSTANT);

Ich musste ja nur den Compiler dazu bringen, dass er mir ein temporäres Objekt im Speicher erzeugt, auf das ich mir dann eine Referenz holen kann. Das passiert wie gesagt bei einem Typecast – aber ganz genauso erledigt dies auch der unäre +-Operator. Das Statement sieht dann zwar auf den ersten Blick wirklich ziemlich „WTF?!“ aus. Aber es macht wie gewünscht auch den Linker glücklich. 😀


Subkultur in der mainfränkischen „Provinz“

Das Thema des „Gothic Friday“ im Dezember ist in gewisser Weise etwas besonderes: Es wurde von den Lesern gewählt. Vorgeschlagen wurde das Gewinnerthema von ASRianerin – sie würde nun gerne wissen, wie es mit der Subkultur bei Jedem vor Ort so aussieht. Wie der geneigte Leser ja vielleicht mitbekommen hat, weile ich schon seit einigen Jahren in Würzburg. Und erstaunlicherweise ist hier, trotz der Tatsache, dass die Stadt mit runden 135.000 Einwohnern jetzt nicht unbedingt groß ist, doch vergleichsweise viel geboten. Zumindest, wenn einem daran gelegen ist, ab und zu mal tanzen zu gehen.

Da wäre zu allererst mal der monatlich stattfindende „Schwarze Freitag“: Immer am 2. Freitag des Monats zieht es da die Schwarze Szene in den Zauberberg. Das ist ein – sogar für Würzburger Verhältnisse – kleiner Club, weswegen es meist recht voll zu sein scheint. Stamm-DJ Sascha bringt meist – überwiegend elektronischen – Schwarzen „Mainstream“. Ergänzt wird er von einem monatlich wechselnden Gast-DJ, der dann auch mal einen Kontrapunkt dazu setzt. Auf dem sogenannten „Gegenpol“, eine eher provisorischen zweiten Minitanzfläche, gibt es dann auch mal die eine oder andere musikalische Überraschung. Bislang bin ich dadurch eigentlich fast immer auf meine Kosten gekommen: Sagte mir das Programm auf der Haupttanzfläche nicht zu, lief auf dem Gegenpol meist Annehmbareres.

Und sollten alle Stricke reißen, so bleibt auch immer noch die Möglichkeit, in den Zaubergarten (der Biergarten des Zauberbergs) oder – während der kälteren Jahreszeit – ins sogenannte „Marrakesch-Zelt“ zu gemütlichen Plauderrunden auszuweichen. Von Zeit zu Zeit hat der Schwarze Freitag übrigens auch mal den Auftritt einer Band zu bieten. Das wirkt zwar ob der beengten Verhältnisse meist recht improvisiert, macht solche Abende aber immer sehr sympathisch.

Falls der Zauberberg zum entsprechenden Termin schon von einer anderen Veranstaltung belegt ist, weicht der Schwarze Freitag ins Tirili aus – das kommt mir dann immer sehr gelegen, denn zu dem Club unter der Stadtmensa habe ich nur etwas über 5 Minuten Fußweg. Dort findet übrigens an jedem 3. Mittwoch im Monat eine weitere schwarze Veranstaltung statt: „Schwarz“. Und obwohl ich nun wirklich nahe dran wohne, habe ich es bisher nur einmal da hin geschafft. So ein Mittwoch ist da leider eher ungünstig, da ich ja doch meist am Donnerstag zumindest halbwegs fit wieder im Büro sitzen muss. Es war aber trotzdem ein angenehmer Abend, insofern sollte ich mich vielleicht doch mal wieder dazu aufraffen. 😉

Alle 2 Monate gibt es dann auch noch die größte schwarze Party, die Würzburg zu bieten hat. Das nächste mal am 24. Februar heißt es dann auf dem Boot wieder „Creatures of the Night“. Da hat mir bislang die Musikauswahl immer zugesagt, insofern bin ich immer da, wenn es sich einrichten lässt. Hier hat man dann auch wirklich zwei vollwertige Tanzflächen. Auf dem oberen Deck – ja, das Boot ist tatsächlich eins 😉 – läuft dann eine angenehme Mischung aus Wave, Synthpop und 80ies sowie gitarrenlastigeren Bands der Neuen Deutschen Härte bis hin zu Mittelalter-Rock. Auf dem unteren Deck geht’s dann eher elektronisch zur Sache.

Wenn mir dann zur Ausnahme mal an Tagen nach tanzen ist, an denen in Würzburg nichts geboten wird, verschlägt es mich gerne auch mal ins „Final Destination“ in Frankfurt oder in den „Cult“ in Nürnberg – dort dann meist zur „Grey Area“, denn die Mischung aus Wave und Industrial, die dort geboten wird, hat mir bislang auch immer sehr zugesagt.

Die Überschrift bezieht sich im Übrigen darauf, dass die Stadtmarketingagentur Würzburgs eine Zeit lang mit dem Slogan „Provinz auf Weltniveau“ versuchte, Werbung für die Stadt zu machen. Ja, manchmal fühlt es sich hier wirklich ein wenig an, wie in der tiefsten Provinz, aber die immerhin 3 regelmäßigen Veranstaltungen von und für die schwarze Szene können sich durchaus sehen lassen.

Nachtrag vom 1. September: Der noch Anfang des Jahres recht regelmäßig scheinende Veranstaltungskalender für Würzburg ist etwas turbulenter geworden.


Never touch a running system

Alte Informatikerbinsenweisheit. Natürlich sind Informatiker ja quasi ununterbrochen dabei, irgendwelche laufenden Systeme anzupassen. Es sei denn natürlich, sie entwerfen gerade Systeme von Grund auf neu. Aber selbst dann: Einmal in Betrieb genommen, ist Wartung und somit weitere Anpassung notwendig. Und was die Wartung angeht, ist irgendwann mal der Punkt erreicht, an dem man einfach mal die Schnauze voll hat und dann doch wieder alles umkrempelt. 😉

So kürzlich geschehen mit dem Netzwerk bei meinen Eltern. Da werkelte seit 2003 ein Windows-Server-System lustig vor sich hin. Und fraß eine gehörige Menge Strom. Und nervte allmählich mit zunehmenden Systemabstürzen – vermutlich war die schon damals nicht ganz taufrische Hardware einfach in die Jahre gekommen. Außerdem trieb mich die unzuverlässige Backup-Software bald an den Rand des Wahnsinns, weil die sich alle Nase lang verschluckte und ein fummeliges Neuanlegen des Backup-Jobs nötig machte.

Klein Karlchen stellte also diverse Überlegungen an: Schnellere und zuverlässigere Hardware muss her. Sie sollte aber genügsam im Stromverbrauch sein. Zudem sollte das Backup der Homelaufwerke zuverlässig funktionieren. Da ich jetzt ja doch schon bald 3 1/2 Jahre überwiegend einen Mac nutze, gingen weitere Überlegungen in die Richtung, das W2k3-System gegen einen Mac mini mit OSX Lion Server auszutauschen. Das Kistchen frisst im Leerlauf ja nur um die 10 Watt – müsste also ganze 10 Stunden laufen, um genauso viel Strom verbraucht zu haben, wie der alte Server in nur einer einzigen Stunde. Tjaha, das Argument zog bei meinen Eltern. Zudem war auch eine komplette Domäne inklusive servergespeicherter Benutzerprofile im Gegensatz zu damals nicht mehr nötig, so dass Lion (das im Gegensatz zu Snow Leopard Server ja nicht mehr als Domaincontroller fungieren kann) auch ausreichen sollte.

Erster Start der Server-App

Erster Start der Server-App

Nach einigem Hin-und-Her war es dann vorletztes Wochenende soweit: Ich konnte die Umstellung in Angriff nehmen. Frohen Mutes ging ich ans Werk; grundlegende Einstellungen waren – obwohl ich, getreu besagter Binsenweisheit, mein MacBook immer noch nicht von Snow Leopard auf Lion upgegradet habe – wie von Mac OS gewohnt, ratzfatz erledigt. Etwaiges Gejammer über irgendwelche Seltsamkeiten von Lion konnte ich so weit mal nicht nachvollziehen. Dann blieb ja nur noch, mal eben schnell (Harhar!) die Server-App zu kaufen und einzurichten. Wenn das auch so Apple-typisch butterweich über die Bühne ginge, wäre das Einrichten des neuen Servers an einem Abend geschafft – so dachte ich zumindest, ich Naivchen.

Nachdem die Server-App schon beim ersten Start und der grundlegenden Konfiguration der Dienste erst mal einen Fehlerbericht gen Cupertino schicken wollte, bekam meine Euphorie schon einen ersten Dämpfer. Aber nun gut, nobody’s perfect, und solange so ein Absturz nicht im laufenden Betrieb geschieht, ist ja so weit noch alles in Butter.

Hilfreiche Hilfe ist hilfreich

Aber weiter im Text: Die App startete dann doch irgendwann und präsentierte mir eine Liste zu konfigurierender Dienste, wie bleistiftsweise Dateiserver, Mailserver, Webserver… Allein: Die grundlegenden Dinge, die ich zuallererst mal einstellen wollte, blieben mir verwehrt. Keine Konfiguration für DHCP und DNS und dergleichen. Die Hilfe gab sich ungewohnt microsoftsch und verriet mir, dass ich doch bitte darauf achten solle, dass der Server im DNS korrekt eingetragen ist. Im Übrigen sogar mit einem Link zum Thema DNS-Server – der dann auch eher microsofttypisch ins Leere führte. Ein wenig Resignation machte sich breit.

Verzagen stand allerdings definitiv nicht auf dem Programm, also was tun? Das Internet™ befragen! Und siehe da: Für diese Zwecke gibt es die Server-Admin-App, die separat von den Apple-Support-Seiten heruntergeladen werden muss. Ja nee, is’ klar. An dieser Stelle blickte ich mich verstohlen nach der verstecken Kamera um. Das war jetzt nicht wirklich Apples Ernst, oder? Immerhin: Nach der Installation der Server-Admin-App ging dann die weitere Einrichtung recht reibungslos von statten, wenn man mal über diverse weitere Seltsamkeiten auf Apples Supportseiten hinwegsieht.

Unbeschreibliche Fehlermeldung ist unbeschreiblich

Unbeschreibliche Fehlermeldung ist unbeschreiblich

Den nächsten Brüller lieferte sich dann in der Tat – und wie eigentlich von vornherein erwartet – Microsoft. Damit die Familie die noch im Netz vorhandenen Windows-Rechner weiterhin wie gewohnt nutzen konnte, mussten natürlich die bis dato als Domainuser angelegten Benutzerkonten jeweils am gewünschten PC lokal angelegt werden. Dazu galt es natürlich, die lokalen Admin-User zu reaktivieren… Der Screenshot spricht mal wieder Bände – ebenso die Kuhle im Schreibtisch an der Stelle, an der mein Kopf diverse Male auftraf.

Nachdem diese Hürde genommen war, rechnete ich mit weiterem Ärger beim Klonen der Benutzereinstellungen. Zwar bietet Windows hierzu eine wenn auch reichlich versteckte aber trotzdem simple Funktion: Altes Benutzerprofil auswählen, „Kopieren nach…“ anklicken, Zielverzeichnis und neuen Usernamen angeben und warten. Der Kopiervorgang geht dann völlig ohne Fortschrittsbalken von statten. Der einzige Indikator, dass es geklappt hat, ist das Verschwinden des Dialogfensters. Bleibt es dagegen stehen während im Gegenzug der Mauscursor aber wieder zum gewohnten Pfeil wird, ist es schiefgegangen. Eindeutiges Benutzerfeedback for the win!

Klappte diese Übung am PC meiner Mutter noch reibungslos, so machte mir am Laptop meines Vaters der Standby-Modus erst mal einen Strich durch die Rechnung. *hüst* Nun ja. Man kann ja auch nicht an alles denken. Also zweiter Versuch mit abgeschalteten Energiesparoptionen. Aber da spielte Windows nun nicht mehr mit: Ohne einen Neustart ließ sich das Profil nicht kopieren. Aber immerhin klappte es dann. Die härteste Nuss war dann der PC meines Bruders. Diverse Versuche, sein Userprofil zu klonen, schlugen allesamt fehl. Nun half Windows ja auch tatkräftig mit, dass ich mir noch mehr meiner eh nur noch sparsam vorhandenen Haare raufen durfte. Wie gesagt: Keine Fehlermeldung, kein gar nix.

Schlussendlich half dann der Versuch, einfach mal manuell sämtliche Verzeichnisse umzuziehen. Hier motzte dann der Windows-Explorer beim Versuch, Dateien des SecuROM-Kopierschutzes zu kopieren. Und siehe da: Kaum war der entfernt, klappte auch das ordnungsgemäße Kopieren des Benutzerprofils über die von Microsoft vorgesehene Weise. Die Windows-Domäne konnte also endgültig aufgelöst werden. Kinners, was ein Akt.


Ist Gothic (m)ein Lebensstil?

Uff, da warten Shan Dark und Robert ja in diesem Monat wieder mit einem richtig schweren Thema für den Gothic Friday auf. Sie stellen die Frage, ob denn „Gothic“ (d)ein Lebensstil sei. Was ja nun irgendwie dann zwei Fragen sind, nur eben geschickt als eine einzige verpackt. Wobei das für mich jetzt noch eine dritte Frage aufwirft: Wo fange ich da bloß an?

Unterscheidet sich denn mein „Lebensstil“ so sehr vom Gros der Bevölkerung? Ich gehe 40 Stunden in der Woche arbeiten, ab und zu mal ins Kino, ab und zu auch mal tanzen oder auf Konzerte. Und wenn es sich irgendwie machen lässt, verbringe ich Zeit mit guten Freunden. Klingt jetzt nicht unbedingt besonders „goth“, oder? Zumindest wäre dies das Ergebnis, wenn man sich meinen Lebensstil nur ganz oberflächlich anschaut. Da das aber schon genug Leute tun, muss ich selbst das ja nicht auch noch machen. 😉

Im Unterschied zum Durchschnittsbürger allerdings renne ich fast ausschließlich in schwarzen Klamotten durch die Gegend. Im Büro besteht mein Outfit meist aus Band- oder Festival-T-Shirt sowie schwarzer Jeans. Es kommt aber auch mal vor, dass ich dezent mit Ringen besetzte Hosen an habe. In meiner Freizeit ziehe ich dann durchaus auch mal Kleidung an, die ich überwiegend auch zum Weggehen anziehe – inklusive bspw. New Rock Boots. Da ernte ich dann schon mal den ein oder anderen seltsamen Blick, aber das lasse ich an mir abprallen.

Aber warum gerade schwarz? Zum Einen habe ich festgestellt, dass ich mich in schwarzer Kleidung am wohlsten fühle – auch wenn ich da keine Erklärung für habe, wieso das so ist. Vielleicht, weil es komplett schwarze Kleidung einem leicht macht, sich aus der meist bunten Masse abzuheben und zu zeigen, dass man ein Individuum ist. Zum Anderen hat das aber auch einen gewissen Symbolwert: Schwarz bietet für mich einen Kontrast zur immer bunteren Werbewelt, in der wir zu leben scheinen. Außerdem wird es im europäischen Kulturkreis ja als Trauerfarbe angesehen. Insofern stellt es auch einen Kontrast zur „Spaßgesellschaft“ dar: Es ist eben nicht in jeder Sekunde des Lebens alles gut und schön und supertoll. Allzu häufig jedoch wird nach meinem Empfinden dazu geneigt, die Schattenseiten des Lebens beiseite zu schieben und ihnen keine Beachtung zu schenken. Aber ist das wirklich die richtige Art und Weise, damit umzugehen?

Wenn ich mal mies drauf bin, dann ist  das eben so – das könnte man also als (Teil meiner) Lebenseinstellung auffassen. Da kann dann sonst wer kommen und mir ein „Lach doch mal“ an den Kopf werfen. Es gehört für mich zum Leben dazu, dass man eben auch mal schlecht gelaunt ist. In solchen Situationen ziehe ich mich dann entweder zurück und lese, höre Musik oder schreibe gar etwas. Von Zeit zu Zeit gehe ich dann auch einfach mal spazieren: Am Mainufer Würzburgs in der Abenddämmerung, kurz bevor es richtig dunkel wird, lässt es sich sehr gut spazieren gehen und den eigenen Gedanken nachhängen.

Was im Übrigen die Musik angeht, dürfte der geneigte wiederkehrende Leser dieses Blogs ja schon mitbekommen haben, dass sie mir sehr wichtig ist. Gerade die Musik der Schwarzen Szene ist meinem Empfinden nach wesentlich tiefgründiger und nachdenklicher, als der Großteil dessen, was man sonst so serviert bekommt. Und ein nachdenklicher Mensch bin ich schon immer gewesen.

Aber macht das alles in Summe jetzt einen „Lebensstil“ aus? Und ist dieser als „Gothic“ zu bezeichnen? Ehrlich gesagt: Es ist mir eigentlich fast egal, solange ich als Individuum respektiert werde, so wie ich bin. Das allerdings ist unter Leuten, die sich selbst als Gothic bezeichnen würden, bislang am ehesten der Fall gewesen.


Parallele Schattenwelten

Ich habe ja letztens schon davon geschwärmt, was heutzutage so alles mit einem Mobiltelefon möglich ist. Was die kleinen Kisten an Hardware in sich tragen, wäre einem vor noch gar nicht allzu langer Zeit noch beinahe wie Magie vorgekommen. Womit ich quasi auch schon beim Thema bin: Die Magie kehrt in diese Welt zurück. Also, nun natürlich nicht real, aber man kann sein Smartphone ja zum Spiegel in eine Parallelwelt machen, in der genau das der Fall ist.

Ein Blick aus dem Bürogebäude in die Welt von Shadow Cities

Ein Blick aus dem Bürogebäude in die Welt von Shadow Cities

Wie? Nun, nichts leichter als das: „Location based MMORPG“ ist in diesem Fall das Zauberwort. Im Speziellen rede ich von „Shadow Cities“ – dieses Spiel für iOS hat mich die letzten beiden Tage ganz schön im Griff gehabt. Wenn ich nämlich mit Hilfe dieses Spiels einen Blick aus dem Büro werfe, sieht das in etwa so aus, wie auf dem Screenshot da links. Zu sehen ist dort eines der Gateways, durch die magische Energie in diese Welt tröpfelt. Nebendran stehen zwei sogenannte „Dominators“, die diese Energie anzapfen können.

Im Untergrund gut zu erkennen ist die Karte, auf der sich das Ganze abspielt: Der Würzburger Stadtteil Grombühl. Die Verteilung der Gateways scheint sich im Übrigen danach zu richten, wo in der Map markante Punkte – zum Beispiel eben Mittelpunkte von Stadtteilen – sind. Aber auch auf der Würzburger Festung Marienberg bspw. findet sich so ein Gateway. Die Karte entstammt dem Open Street Map-Projekt.

Das niedliche, rote Kerlchen im Vordergrund ist ein Geist (Spirit), derer da doch einige durch die Welt schweben. Diese gilt es zu jagen, um Erfahrungspunkte sowie mehr magische Energie zu sammeln. Allerdings sollte man dazu genug Mana übrig haben – der blaue Halbkreis unten links verrät mir, dass ich vermutlich nicht genug Mana habe, um diesen roten Geist dort erjagen zu können. Diese herumschwirrenden Wesenheiten lassen einen zwar grundsätzlich in Ruhe. Greift man sie aber an, wehren sie sich auch – und dann geht meine Gesundheit (der rote Halbkreis) aber mal ganz schnell flöten.

Ein Besuch in New York City

Ein Besuch in New York City

Mal abgesehen davon, dass jeder Treffer, den man einsteckt, das Zurückzaubern erschwert, denn den Treffer spürt man deutlich. Jedenfalls lassen sich die nötigen magischen Runen nicht so leicht auf den Touchscreen malen, wenn einem das Telefon in der Hand herumvibriert – Force Feedback, anyone? 😉 Und hat man selbst genug Treffer eingesteckt, geht’s erstmal für Pi mal Daumen eine Minute in die Verbannung.

Um nun von mehr Gateways Energie anzuzapfen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Die Erste wäre da die, die den Location-Based-Teil so richtig ausnutzt:
Man geht einfach mal mit seinem Handy spazieren, bis man an ein Gateway kommt. Allzu nerdig sieht man dabei wahrscheinlich gar nicht aus, es stiefelt ja eh schon die halbe Gesellschaft aufs Mobiltelefon starrend durch die Weltgeschichte. 😀

Die andere Variante ist das „Warpen“: Das geht zum einen zu allen Dingen im Spiel, die zum eigenen Team gehören – also andere Mitspieler, Dominatoren, Gateways unter Kontrolle des eigenen Teams – oder zum Beispiel zu Beacons. Diese Leuchtfeuer ermöglichen einem dann aber auch, die große weite Welt zu erkunden. Also zumindest die Welt von Shadow Cities. So ist dann etwa auch mal ein schneller Ausflug nach Feierabend zum Broadway drin.

Apropos Teams: Derer gibt es da zwei. Einerseits die grünen „Animators“ und die orangenen „Architects“ andererseits. Und als Mitglied einer der beiden Fraktionen ringt man dann um die Vorherrschaft in der Welt.

Bislang ein ziemlich interessantes und fesselndes Spielkonzept. Und es bringt mich sogar dazu, jetzt nochmal aus dem Haus zu gehen – vorhin haben so ein paar Architects hier in Würzburg rumrandaliert und meine mühsam erbauten Dominators hinweggefegt. Drum muss ich mich jetzt auf die Suche nach dem nächsten Gateway machen, um da neue zu errichten.


„Du kommst hier net rein!“

Da hat Google ja einen Mordshype ausgelöst mit der Ankündigung ihres Dienstes „Google+“. Nun bin ich ja eigentlich nicht unbedingt jemand, der jedem Trend hinterher hechelt. Allerdings hat mich das Konzept, wie dort Statusmeldungen und andere Inhalte, die man so reinzustellen gedenkt, durchaus interessiert. Bei jedem Post muss man explizit auswählen, wer ihn zu sehen bekommt. Sehr interessant dabei sind auch die „Circles“, in die man seine Kontakte schieben kann. So soll sich – wie im Real Life™ – zum Beispiel zwischen Arbeitskollegen, Freunden, Familie etc. unterscheiden lassen. Da erzählt man ja auch nicht jedem alles.

Kurzum: Ich hatte durchaus Lust, das mal auszuprobieren und mir dementsprechend schon mal einen Google-Account angelegt – mit einer eigens zu diesem Zwecke angelegten Mailadresse. Die obligatorische Verifikationsmail, die man so beim Anlegen irgendwelcher Accounts bekommt, kam an und schwuppdiwupp, hatte ich einen Google-Account. Fehlte jetzt nur noch eine Einladung zu Google+, um während der derzeit laufenden geschlossenen Testphase überhaupt reinzukommen.

Die bekam ich zwar auch, trotzdem ließ Google die Leute auch mit Einladung wohl nur stoßweise rein. Weiterhin bekam ich die Meldung, dass sich Google+ derzeit in einer frühen Testphase befinde. Aber nun wurde es lustig: Als ich wieder mal zu hören bekam, dass gerade wieder Leute reingelassen werden, versuchte ich es erneut. Allerdings diesmal von unterwegs per iPhone. Beim Versuch, mich in meinen Google-Account einzuloggen, erklärte mir die Website aber, dass ich meinen Account nochmal verifizieren müsse und das nicht über die mobile Version der Seite ginge. Tolle Wurst.

Also zu Hause dann ein erneuter Versuch: Ich möge doch bitte meine Handynummer angeben, damit man mir eine SMS mit einem Code zu Bestätigung meiner Identität schicken könne. Oookaaayyy… wollte ich wirklich Google meine Handynummer in den Rachen werfen? Also mal die Privacy Policy und Terms of Service und hastenichgesehn gewälzt. Hmnja, sie geben aufgarkeinenFallnienicht Daten an andere weiter. Und so. Und ich wollte ja Google+ ausprobieren. Unbedingt. Da musste ich wohl in den sauren Apfel beißen und meinen Account per SMS nochmals verifizieren.

Das klappte soweit auch, allerdings verkündete mir die Google+-Seite natürlich weiterhin, dass man sich in einer frühen Testphase befinde usw. Hmpf. So langsam fing ich an, die Nase voll zu haben. Also wieder abwarten, bis mir zu Ohren kam, dass sich mal wieder Leute anmelden konnten. Dann wieder in meinen Google-Account eingeloggt… also, zumindest hätte ich das gern getan. Aber Google verkündete mir, dass der Account deaktiviert sei. Öhm… bitte? Zwei Mal durfte ich bestätigen, dass es mich gibt und die glauben das immer noch nicht? Also mal den entsprechenden Hilfelink angeklickt. Der verkündete mir:

Google behält sich das Recht vor,

  • den Zugriff eines Google-Nutzers auf ein bestimmtes Produkt oder auf das gesamte Google-Kontensystem zu sperren, wenn eine Verletzung der Nutzungsbedingungen von Google oder produktspezifischen Richtlinien vorliegt.
  • Ihr Konto jederzeit ohne Ankündigung und ohne Angabe von Gründen aufzulösen.

Tolle Wurst. Was hatte ich denn mit dem Account groß gemacht? Mich eingeloggt, versucht bei Google+ anzumelden, dort die Meldung über die laufende Testphase bekommen, mich wieder ausgeloggt. Das Ganze sporadisch über ein paar Tage lang, ja, aber habe ich damit gegen irgendwelche Nutzungsbedingungen verstoßen? Soweit ich diese überblicke: Nö. Also muss wohl der zweite Punkt zutreffen: Sie haben mein Konto ohne Grund deaktiviert.

Mal ganz abgesehen davon, dass mir Google+ damit gestohlen bleiben kann, gibt das aber natürlich zu denken: Man stelle sich vor, ich hätte diesen Account schon länger genutzt, bspw. in Verbindung mit Google Mail. An die Mails käme ich nun ja nicht mehr dran. Und wenn man den Gedanken jetzt mal weiterspinnt: Gerade ist die „Cloud“ ja in aller Munde. Klingt ja auch toll: Man lädt alle seine Daten zu einem Anbieter hoch und kommt von überall dran – sofern einem der Account nicht ohne Grund gesperrt wird. Dann haste deine Daten aber gesehen. Und was lernen wir daraus? Nix, was man nicht eh schon gewusst hätte: Leg’ deine Daten bloß nicht alle in die Hand eines Anbieters. Am besten gibt man sie gar nicht aus der Hand.

Update, 16. Juli 2011:

Die ennomane schreibt, dass ihr Profil kurzzeitig gesperrt war – mutmaßlicher Grund ist wohl die Verwendung eines Pseudonyms statt des realen Namens. Dann wird das wohl bei mir der Grund gewesen sein, warum Google mich quasi sofort ausgesperrt hat. Tjoah, in dem Fall will ich erst Recht nicht mehr. Sicherlich ließe sich immer noch leicht mein Name herausfinden, nichtsdestotrotz ist es einfach irgendwo ein Grundpfeiler des Internets, unter einem Pseudonym unterwegs sein zu können. Und im WWW bin ich nun mal der_Karl, basta.


Live is Life

Das Thema des „Gothic Friday“ in diesem Monat ist ja mal wieder eine harte Nuss. Da wird von den geneigten Teilnehmern gefordert, von ihrem schönsten Live-Erlebnis zu berichten. Jetzt könnte man ja vermuten, dass ich es da leicht haben sollte: Mein allererstes Konzert (und gleichzeitig Festival) überhaupt ist noch nicht einmal drei Jahre her. Jahaa, auf dem Amphi Festival 2008 habe ich mir so mit wirklich vollem Bewusstsein eine (na ja, mehrere in dem Fall, war ja ein Festival 😉 ) auf einer Bühne spielende Band angeguckt. Höre ich da irgendwen „Spätzünder!“ rufen? Recht haste.

Aaaaber damit war es dann um mich geschehen: Ich kann mittlerweile gar nicht mehr so richtig mitzählen, wieviele Konzerte ich zwischenzeitlich gesehen habe, so sehr zum Konzertjunkie bin ich seitdem mutiert. Vielleicht ist ja auch einfach nur ein gewisser Nachholbedarf zu befriedigen, wer weiß? 😉 Last.fm sei Dank kann ich das aber alles nachvollziehen. 🙂 Da sollte doch ein Blick auf die Liste genügen, damit mir wieder einfällt, welches dieser Konzerte denn nun das schönste war. Ha, am Arsch die Räuber!

Das fängt schon gleich beim besagten Amphi 2008 an: Kannte ich bis zu dem Zeitpunkt nur einige wenige Lieder von Diary of Dreams und hatte auch noch nicht so recht den Zugang zu ihrer Musik gefunden, machte es bei ihrem Gig auf diesem Festival ganz laut Klick! bei mir. Ihre Show wirkte geradezu magisch auf mich und die Atmosphäre in dem kleinen Theater am Kölner Tanzbrunnen tat ihr Übriges. Ähnlich intensiv empfand ich auch nochmal den DoD-Auftritt beim Dark X-Mas Festival 2008 in der RoFa in Ludwigsburg.

Aber 2008 hatte gleich noch mehr zu bieten: ASP waren unter dem Motto „Von Zaubererbrüdern, Schwarzen Schmetterlingen und anderen Nachtgestalten“ auf Unplugged-Tour. Da sie sich im Laufe des Jahres zu einer meiner Leib- und Magenbands entwickelt hatten, war es natürlich keine Frage, dass ich die Jungs mal live sehen musste. Wobei ich hier im Vorfeld auch ein wenig zwiegespalten war, immerhin kannte ich ihre Musik bis dahin ja nur in eher rockigerem Gewand. Das Konzert im Capitol in Offenbach war aber sagenhaft toll, es wird mir sicher auch noch lange in Erinnerung bleiben. Einziger Wermutstropfen: Mein Platz auf der Galerie versperrte mir den Blick auf Gitarrist Matze Ambré und seine rosa Hello-Kitty-Gitarre.

War ich damals der Ansicht, dass diese Performance kaum getoppt werden könnte, haben mich ASP Ende 2010 eines Besseren belehrt: Es gab eine Neuauflage der 2008er Unplugged-Tour. Und tatsächlich fand ich die beiden Konzerte, die ich im Rahmen dieser letzten Dezember sehen konnte, noch großartiger. Da spielt sicher mit hinein, dass mich einmal mein bester Freund sowie meine Mutter begleiteten, sowie auch die Tatsache, dass als allerletzte Zugabe Die Ruhe vor dem Sturm gespielt wurde. Einfach großartig!

Unbedingt erwähnen muss ich auch den Auftritt von Seabound bei der Warm-Up-Party zum Blackfield Festival 2009. Der war wirklich toll – es ist richtig schade, dass von den Bielefeldern seitdem wenig zu sehen und zu hören ist. Das Blackfield selbst war auch grandios. Im Vergleich zum Amphi empfand ich die Atmosphäre dort als wesentlich entspannter und familiärer. Mit ein Grund, warum ich dieses Jahr zum dritten Mal in Folge nach Gelsenkirchen gondeln werde. 😀

Zudem war das auch die Gelegenheit für mich, VNV Nation endlich live zu sehen. Und wenn ich hier einen Superlativ anbringen sollte, dann, dass VNV-Konzerte wohl am mitreißendsten überhaupt sind. Wenn ich mich bei einem Auftritt einer Band wirklich komplett in der Musik verlieren kann, dann bei ihnen. Oh, und noch ein Superlativ trifft zu: VNV-Konzerte sind auf alle Fälle auch mit am schweißtreibendsten.

Natürlich ist das längst nicht alles, wer mag, kann ja mal in meinem last.fm-Profil stöbern, was da noch so alles an Konzerten war. In Summe finde ich aber einfach absolut nicht das schönste Live-Erlebnis. Zu viele wunderbare Erinnerungen hängen an jedem einzelnen. Ein Fazit kann ich aber ziehen: Die schönsten Konzerte sind immer die, in denen man merkt, wie sehr die auf der Bühne stehende Band Spaß an ihrem Auftritt hat – denn nur dann springt auch dieser sprichwörtliche Funke aufs Publikum über, der ein Konzert zu etwas Besonderem macht.


Musik nervt

Ein Gedanke, von dem ich eigentlich nicht erwartet hätte, dass ich ihn mal haben könnte, kam mir die Tage: Musik nervt. Zumindest bestimmte Musik. Eventuell auch jede Art von Musik. Also, so auf Dauer. Ich war ja vergangene Woche mit meiner Familie im Urlaub und damit zwangsläufig länger andauernder Beschallung durch gemeinen Dudelfunk ausgesetzt, als dies für gewöhnlich der Fall ist. Zum Einen natürlich bei der mehrstündigen Autofahrt hinauf an die Ostsee, des weiteren aber auch unter der Woche, wenn mein Vater in der Ferienwohnung das Radio anstellte.

Das war die ersten zwei Tage noch ganz nett, da doch einige Liedchen liefen, die durchaus ins Ohr gingen. Muss ja auch, sonst schaltet der genervte Hörer schneller ab, als den Programmchefs lieb sein dürfte. Was ich dann allerdings im Laufe der Woche immer mehr feststellte, war, dass Lieder, die mir anfangs noch halbwegs gefielen, anfingen, mir auf den Keks zu gehen. Was insofern bemerkenswert ist, wenn man sich mal meine last.fm-Statistiken anguckt: Da sind ja nun nicht wenige Songs dabei, die ich teilweise deutlich mehr als 100 Mal gehört habe.

Gibt’s also eine Schmerzgrenze, wie oft in einem bestimmten Zeitraum man (oder ich jetzt so im Speziellen) ein bestimmtes Lied gehört haben darf/kann/muss, bevor es anfängt zu nerven? Nehmen wir doch mal… hmm… Platz 9 meiner laut last.fm meistgehörten Lieder. „Dreamer“ von abrasions habe ich also am 30. November 2009 zuerst gehört, was mittlerweile 82 Wochen her ist. Und in der Zeit habe ich das Lied ganze 156 Mal gehört – oder zumindest gescrobbelt, was aber eigentlich der tatsächlichen Zahl entsprechen dürfte, da ich fast ausschließlich scrobblebare (welch Wortschöpfung!) Musikwiedergabe betreibe.

Also gut, ein paar Mal werde ich das Stück auch direkt von CD gehört haben, schlagen wir also noch 8 Mal drauf, dann rechnet sich’s leichter: Im Schnitt also 2 Mal die Woche habe ich dieses Lied gehört. Und trotzdem liebe ich es immer noch so sehr, wie beim allerersten Hören. Nun wurde ich aber natürlich vergangene Woche vom Dudelfunkfrontalangriff deutlich häufiger mit so manchem Stück beschallt, als nur 2 Mal. Würde mir also meine heißgeliebte Musiksammlung auch zu den Ohren herauskommen, wenn ich sie deutlich öfter mit deutlich stärkerer Wiederholrate anhörte?


Punkt, Punkt, Komma, Strich

…fertig ist das Mondgesicht. Nun ja, nicht ganz. Aber es ist ja schon verrückt, wenn man sich überlegt, was man heutzutage alles mit einem Mobiltelefon anstellen kann. Zugegeben, „Mobiltelefon“ ist der falsche Ausdruck, neudeutsch sagt man ja „Smartphone“ zu diesen Hosentaschenalleskönnern. Was mich in meinem gerade zu Ende gegangenen Urlaub sehr fasziniert hat, ist die „Photosynth“-App von Microsoft.

„Gorch Fock“ und Eingang zum Ozeaneum in Stralsund

So habe ich hin und wieder versucht, Panoramabilder aufzunehmen. Orte, deren Gesamteindruck wirklich nur zur Geltung kommt, wenn man nicht nur einen klitzekleinen Ausschnitt als Foto festhält, gibt es zu Hauf. Dummerweise ist das Erstellen von Panoramabildern eine mühselige Angelegenheit. Da hat man sich für ein Anschlussbild zu weit gedreht oder hat – falls man es ohne Stativ versucht – die Kamera schief gehalten oder oder oder. Und dann erst das Zusammenstöpseln der Einzelbilder zu Hause am Rechner. Meist habe ich dann gemerkt, dass ich nochmal los und Bilder nachknipsen müsste, damit das Panorama was wird.

Mit besagter App geht das so kinderleicht, wie das eingangs erwähnte Mondgesicht zu malen. Als wäre ein Smartphone für nichts anderes gebaut worden, als damit Panoramabilder zu erstellen. Dadurch, dass inzwischen fast jedes Smartphone mit Lagesensor und E-Kompass ausgestattet ist, weiß die App, wie weit das Gerät zwischen zwei Aufnahmen bewegt wurde. Dementsprechend löst sie auch automatisch aus, wenn das nächste Anschlussbild geschossen werden muss. Ist man fertig, wird nach dem entsprechenden Tippen auf den Bildschirm das fertige Panaroma berechnet.

Wolkenhimmel in Lubmin

Das Ergebnis wird dann zum Einen als Foto auf dem Gerät gespeichert. Außerdem hat man in der App selbst die Möglichkeit, sich das Panorama anzuschauen. Der Unterschied zum normalen Foto wird schnell sichtbar: Panoramabilder wirken zwangsläufig immer so, als sei die Welt an den Rändern weggeklappt. Nicht so in der App selbst. Hier ergibt sich ein – je nachdem, wie weit man sich bei der Aufnahme gedreht hat bis zu 360°-Panorama. Diese lassen sich auch ins Web hochladen und am Rechner in groß bewundern. Einfach mal auf die Bilder im Artikel klicken (Silverlight wird benötigt).

Zwar ist der Algorithmus noch nicht hundertprozentig perfekt. So sieht man beispielsweise beim Wolkenhimmel in Lubmin, dass das Geländer der Seebrücke nicht richtig zusammengefügt wurde. Hier würden manuelle Eingriffsmöglichkeiten, um dem Programm Hilfestellung beim Zusammenfügen der Bilder zu geben, das Ergebnis noch deutlich verbessern können. Aber für ein bisschen Mit-dem-Handy-in-der-Luft-Gewedel-und-auf-dem-Bildschirm-Rumtippen ist das, was dabei herauskommt, schon sehr beeindruckend.


Jäger und Sammler

Man hat es ja nicht einfach als Musikjäger- und -sammler. Insbesondere wenn man, wie in meinem Fall, manche Bands erst spät kennengelernt hat. Richtig kompliziert wird es dann, wenn man eine Band so dermaßen geil findet, dass man unbedingt und absolut überhaupt gar alles, was es da so an Veröffentlichungen gab, in sein CD-Regal bekommen will. Als Beispiel sei da mal VNV Nation genannt – eine meiner zwei derzeitigen Leib- und Magenbands, sozusagen. (Nein, ich will die CDs nicht verspeisen, aber da es sich hier um „Lieblingsbands“ handelt und Liebe nun mal auch durch den Magen geht… Ja, ist ja gut, ich werf‘ ja schon ’nen Euro in die Kasse für dämliche Wortspielereien.)

Seit es vor vier Jahren bei mir so volle Kanne „Klick!“ gemacht hat, was VNV betrifft, habe ich mich so nach und nach durch deren komplette Diskografie gebuddelt – nur, um feststellen zu müssen, dass es da so ein paar Veröffentlichungen gab, an die mittlerweile nur äußerst schwer heranzukommen ist. Allen voran sei da mal die „Standing/Burning Empires“ genannt, die auf insgesamt 4.700 Stück limitiert ist. Im ersten Moment dachte ich: ‚Wer zum Geier kommt denn auf die bescheuerte Idee, eine Single in einer limitierten Auflage herauszubringen?!‘

Auf 4.700 Stück limitiert

„Standing/Burning Empires“ originalverschweißt

Dann allerdings hatte ich einen last.fm-Stream laufen und hörte da relativ kurz hintereinander „Saviour (Vox)“ sowie „Legion (Janus)“. Das waren beides Versionen von Stücken, die auf dem grandiosen Album „Empires“ zu hören waren. Und diese alternativen Versionen rissen mich gehörig vom Hocker! Die Erkenntnis, dass es also eine fabelhafte Idee sein kann, eine limitierte Edition einer Single herauszubringen, strafte mich also mal wieder Lügen. Der berühmte „Haben-will!“-Effekt setzte ein.

Schnell war klar, dass ich hier eine größere Menge Geld™ investieren müssen würde. Die Preise bei diversen eBay-Auktionen schwankten immer so um die 50€, erreichten aber durchaus auch Gebote von bis zu 80€. Nach kurzem Ringen mit mir selbst, setzte ich meine Schmerzgrenze auf die 50€ fest – und jagte dem seltenen Stück dann bald zweieinhalb Jahre nach. Und damit jagte auch ein Tiefschlag den nächsten. Entweder liefen die Auktionen zu Zeiten ab, zu denen ein normalsterbliches Karlchen absolut nicht an den Rechner kam, um mitbieten zu können, oder aber die Gebote schaukelten sich weit über meine Schmerzgrenze auf.

Fast wollte ich es schon aufgeben, das gute Stück noch irgendwie zu ergattern. Bis ich dann vor knapp 1 1/2 Wochen doch nochmal mit einer schon an Fatalismus grenzenden Haltung bei einer Auktion mitbot, völlig ohne die Hoffnung, hier noch Glück zu haben. Aber es kommt ja dann erstens irgendwie doch immer anders, als man zweitens denkt, und zack! Ich hatte sie ersteigert. Nach zweieinhalb Jahren Jagd. Originalverpackt. Zu einem Schnäppchenpreis. Zeit also, endlich mal Horrorvisionen zu bekommen, was denn nun noch alles schiefgehen konnte. Der Verkäufer sackt die Kohle ein und schickt nix raus. Oder aber die CD kommt nicht bei mir an. Oder sie ist in einem erbärmlichen Zustand. Oder, oder, oder.

Und dann trudelte sie doch allen Ernstes pünktlich zu meinem Burzeltach ein, war in der Tat jungfräulich noch originalverschweißt und verpasste meiner Nase nach dem Öffnen (Jahaa, ich habe sie frevelhafter Weise von ihrer Verpackung befreit!) die unvergleichliche Chemiekeule, die Druckfarbe so mit sich bringt. Welch wunderbarer Duft! Welch erhebendes Gefühl, die erste Disc in den Player zu schieben! Welch Freude, die Lautsprecher voll aufzudrehen und die Lieder endlich in höchster Qualität genießen zu dürfen! *triumphier* *tirilier* *hachmach* *komplett-am-Rad-dreh*

*hüstel* Aber die Jagd geht weiter, die Urinstinkte des Menschen wollen schließlich befriedigt werden. Nächstes Ziel ist dann das Debütalbum von VNV Nation. Wobei es da auch die überarbeitete Auflage tut. Insbesondere, da für das Original von 1995 zum Teil wirkliche Mondpreise aufgerufen werden. Was? Schreit da jemand, 50€ für ’ne CD sei schon astronomisch? Ha! Von wegen, es geht weitaus schlimmer:

„Advance and Follow“ im Amazon Marketplace

„Advance and Follow“ im Amazon Marketplace


Unter der Asche wird gerockt

Find the English version over at last.fm

Da hörte ich neulich mal wieder Webradio, genauer gesagt „Dark Essence“. Die Sendung läuft auf dem australischen Sender 4ZzZ, der in Brisbane zu empfangen ist. Glücklicherweise gibt’s da auch einen Webstream, in den ich bei Gelegenheit gerne mal reinhöre. Jetzt ist das mit den Zeitzonen leider immer ein kleines Problem, denn wenn Josh (der Moderator und DJ) um 22 Uhr auf Sendung geht, ist es nach mitteleuropäischer Sommerzeit gerade mal 14 Uhr. Da hockt meinereiner noch im Büro und kann leider keine Streams anhören. Wer auf düster-elektronische Klänge steht und montags um 14 Uhr Zeit hat, dem sei die Sendung mal ans Herz gelegt.

Nun passiert es mir immer mal wieder, dass ich eine musikalische Neuentdeckung mache, die mir so neu eigentlich gar nicht ist. Fractured beispielsweise sind mal wieder so ein Projekt. Die Kanadier waren mir schon von diversen Samplern bekannt – überwiegend solchen aus dem Hause dependent, denn dort stehen sie unter Vertrag. Wobei ich da gerade ganz ehrlich ins Grübeln komme, wieso mir die Band da nicht weiter auffiel. Sei’s drum: Josh spielte am Ostermontag in seiner Sendung den Track „Fly Away“ von Fractured. Und da machte es bei mir *klick*.

Fractured - „Beneath The Ashes“

Artwork auf Booklet und CD

Flugs war ich auf der Seite des Plattenlabels und – oh Freude! – genau jenen Song gab es über Ostern zum kostenlosen Download. Nachdem ich das gute Stück dann allein an dem Montag noch mindestens 15 mal gehört hatte, war klar: Das Album muss her. Da es aktuell um Ostern herum im Bundle mit dem Debütalbum von 2005 angeboten wird wurde, kam jenes dann in den Warenkorb. Nach nur einer schlappen Woche (Danke, liebe Post!) fand die Bestellung ihren Weg in meinen Briefkasten und damit die CD ihren Weg in den Player.

Allein das Artwork von „Beneath The Ashes“ ist schon sehr detailverliebt und hat mich gleich erst mal ordentlich vom Hocker gehauen. Also Play gedrückt und die Lautstärke hochgedreht und ab ging die Reise. Fängt das Intro zum Titeltrack „Beneath The Ashes“ noch recht sanft mit Akustikgitarre und Streichern an, so gesellen sich nach und nach diverse Drums, Piano- und Synthiesounds hinzu. So weit, so gewöhnlich, aber dann! Nach einem Break geht es dann brachial auf die Reise.

Fractured verstehen es gekonnt, nie die viel zu festgefahrenen Erwartungen des Hörers zu erfüllen und ihn so über die gesamten 50 Minuten bei der Stange zu halten. Da gibt es synthpoppige Anflüge ebenso wie sie mit krachenden E-Gitarren in Richtung Industrial-Rock à la KMFDM gehen. Das Album ist so dermaßen abwechslungsreich und die Songs mit so viel Liebe zum Detail arrangiert, dass es mir beim mittlerweile siebten Mal hören innerhalb von 3 Tagen absolut noch nicht langweilig wird. Im Gegenteil: Es gibt so viel zu entdecken, dass sich bislang noch kein Song so wirklich ausdauernd im Ohr festgesetzt hat – wenn ich mal vom eingangs erwähnten „Fly Away“ absehe.

Bislang für mich das Elektroalbum des Jahres. Als Fazit hier mal der Kommentar von einem Freund zu „Beneath The Ashes“, als der die Tage mal wieder vom allgemeinen Standardsynthpopgedudel angeödet war: „Oh ja, das rockt!“

Anspieltipps:

  • You Are (The Voice Inside My Head)
  • Dig
  • Fly Away – Subwoofer aufdrehen!
  • We Bare These Scars

Ausführliche Hörproben gibt’s übrigens auch direkt beim Label.


Tanzverbot mal anders

Meine Herrn, war das ein Schieben und Drücken! Die „Batschkapp“ in Frankfurt war am Karfreitag gerappelt voll – Covenant gastierten in der Mainmetropole und offenbar zog das die Leute in Scharen und nicht nur aus dem Rhein-Main-Gebiet an. Ich war also mit meinen knapp 120 Kilometern Anreise nicht mal eine Ausnahme.

Wobei die Anreise zu diesem Konzert für sich genommen gar nicht so weit war. Mein bester Freund wohnt ja in der Gegend, so dass ich bei ihm für die Tage unterkam. Abgesehen davon wollte er sich Covenant ebenfalls nicht entgehen lassen, also sind wir – was leider viel zu selten vorkommt – dann gemeinsam losgezogen.

Pünktlich zum Start der ersten Vorband betraten wir dann den Club. Ach ja: Hatte ich nicht vom IAMX-Konzert am Abend zuvor behauptet, es sei heiß und stickig gewesen? Ha! Gegen das Klima in der „Batschkapp“ war’s im „Bett“ ja noch regelrecht angenehm – heißer war nur noch das ASP-Konzert im Herbst 2010 in Potsdam. Das aber auch nur, weil da die Belüftung nicht lief. 😉

Patenbrigade: Wolff in der Batschkapp, Frankfurt

Patenbrigade: Wolff

Jedenfalls standen Patenbrigade: Wolff schon auf der Bühne und brachten ihre Popmusik für Rohrleger dar. Und gestanden haben sie wirklich: Wer die Auftritte des Electro-Projekts kennt, der weiß, dass das ganze doch eher statisch herüberkommt. So ist es beim ersten Mal sicherlich ein netter Gag, wenn die Herren in Bauarbeiterkluft mitsamt Bierkasten auf die Bühne stiefeln und dann mal eben so das typische Bauarbeiterklischee erfüllen. Je öfter man diesen Auftritt allerdings sieht, desto langweiliger wird’s. Das Publikum stand während des Auftritts auch bauarbeitergleich still herum, dabei war für den Rest des Abends nie wieder so viel Platz zum Tanzen. Und die Musik wäre definitiv dazu geeignet gewesen – hätte die Band das Publikum denn mal genug mitgerissen.

Nach einer kurzen Umbaupause – Zeit, Luft zu schnappen! – ging es dann mit dem italienisch-ungarischen Projekt aus Kanada weiter: Decoded Feedback. Ihr aktuelles Album Aftermath höre ich durchaus gerne, darum war ich gespannt, wie die beiden live rüberkommen. Und in der Tat schafften sie es zu zweit, mehr Bewegung auf die Bühne zu bringen, als der Eröffnungsact mit vier Leuten.

Decoded Feedback in der Batschkapp, Frankfurt

Decoded Feedback

Auch im Publikum war deutlich mehr los, was vielleicht auch mit daran liegen mag, dass Decoded Feedback schon wesentlich länger Musik machen, als Patenbrigade: Wolff. Was das angeht, haben die Wahlkanadier durchaus ein Repertoire, das mit Sicherheit groß genug für eine eigene Headliner-Tour ist. Der Auftritt war im übrigen auch die einzige Gelegenheit an diesem Abend, eine E-Gitarre im Einsatz zu erleben. Aber gut: Wer mit elektronischer Musik nichts anfangen kann, war hier heute definitiv falsch. 😉 Auf jeden Fall hoffe ich, dass ich Decoded Feedback noch öfter zu Gesicht bekomme – ihr Auftritt weckte in mir Lust auf mehr.

Gegen 22 Uhr kamen dann auch definitiv die letzten Supportbandmuffel in die Batschkapp und es wurde schon fast unerträglich kuschlig. Das Intro des aktuellen Albums Modern Ruin und somit auch zum mit Spannung erwarteten Auftritt von Covenant dröhnte uns nun entgegen und die Bühne wurde komplett in rotes Licht getaucht. Daniel Myer und… nicht Joakim Montelius betraten das Rampenlicht. Statt Joakim kam ein weiterer Daniel auf die Bühne – Daniel Jonassen von der schwedischen Synthpopband Dupont nämlich. Joakim nimmt sich wohl eine Auszeit: Elternzeit sozusagen. 😉

Covenant in der Batschkapp, Frankfurt

Das Covenant-Intro taucht den Saal in Rot

Schließlich tauchte auch Sänger Eskil Simonsson im flackernden LED-Licht auf der Bühne auf und das Intro ging nahtlos über in einen der Klassiker der Band: Stalker. Überhaupt kam es häufiger vor, dass die Band die Stücke geschickt ineinander übergehen ließ. Das passte ganz hervorragend, spielten Covenant doch schon immer gern eigens für ihre Liveauftritte aufgemotzte Versionen der Songs. Die Spielfreude der Drei auf der Bühne übertrug sich nun auch rasant aufs Publikum, das nun wirklich fast durchweg am Tanzen war.

Wobei sich das mit dem Tanzen durchaus schwierig gestaltete: Die Batschkapp war wirklich zum Bersten voll. Ich kann mir gut vorstellen, dass der Veranstalter da über die Kapazitätsgrenze der Location hinausgegangen ist, was den Konzertgenuss für uns doch ein wenig trübte. Oder war das vielleicht dem eigentlich geltenden Tanzverbot geschuldet? Einfach den Laden so voll machen, dass kein Platz zum Tanzen bleibt? 😉 Jedenfalls schoben sich zu oft Leute in Richtung Bar und mit Bechern beladen zurück Richtung Bühne. Zum Glück blieb mir eine Bierdusche erspart, den einen oder anderen Schluck musste mein T-Shirt dann aber doch nehmen.

Covenant in der Batschkapp, Frankfurt

Covenant bei ihrem Club-Kracher „Call the Ships to Port“

Aber nochmal zum Geschehen auf der Bühne: Recht geschickt haben Covenant die Songs vom aktuellen Album in ihre Setlist eingebaut. Die neuen Stücke kommen live sehr schön rüber: Zum Beispiel Judge of My Domain, was mir auf CD schon sehr gefiel. Auch toll war die Version, die von der schon vor dem Album erschienenen Single Lightbringer gespielt wurde. Eskil trat hier in den Hintergrund und überließ Daniel Myer das Mikrofon. Grandios!

Von Happy Man kredenzten die Drei uns als Zugabe auch noch eine schöne Liveversion, bevor der Abend mit Theremin endgültig zum Abschluss kam. Nachdem ich Covenant bislang nur auf Festivals sehen konnte, zeigte sich hier, dass sie auf Tour mit einer eigens abgestimmten Lichtshow erst so richtig aufdrehen.

Alles in allem ein wunderbarer Konzertabend. Wäre der Club nicht so dermaßen überfüllt und stickig gewesen, hätte ich dem Erlebnis das Prädikat „perfekt“ verpasst. Hoffentlich dauert es bis zur nächsten Tour nicht wieder so lang.


Im Bett mit IAMX

Nachdem ich ihren Auftritt auf dem Blackfield Festival 2009 wegen eines akuten Hungeranfalls ja leider verpasst habe (was immer noch bitter bereue!), konnte ich Chris Corner und Band gestern Abend endlich mal live auf der Bühne erleben. Das wurde aber auch gewaltig Zeit.

IAMX in Frankfurt, 21.04.2011

IAMX im „Bett“ - In wenig Licht getaucht

Das Konzert fand im „Bett“ in Frankfurt statt. Einlass war bereits um 20 Uhr, der Beginn des Konzerts war für 21 Uhr angesetzt. Als ich allerdings mehr oder weniger schon zu spät eintrudelte, schien gerade erst mit dem Soundcheck begonnen worden zu sein. Zudem war der Club schon wahnsinnig vollgepackt – die Luft drinnen war zum Schneiden.

Langsam wurden die Leute dann auch schon ungeduldig. Mit jeder Änderung an der Beleuchtung brandete leichter Jubel auf – die Band erschien aber erst kurz vor halb zehn auf der Bühne. Der Auftritt hat uns aber definitiv für die lange Wartezeit entschädigt. Eine Sache, die mir aber gleich zu Beginn auffiel: Chris Corner sieht real noch zerbrechlicher aus, als er auf Fotos eh schon wirkt. Insofern schien es echt erstaunlich, mit welcher Energie er auf der Bühne zu Werke ging.

Mit Music People legten IAMX dann los und lieferten eine fantastische Show ab. Was mich auch sehr begeisterte, war, mit welcher Leichtigkeit Chris Corner quasi jedes Instrument spielte – und davon standen einige auf der Bühne zu Auswahl: E-Gitarre, Drums, Keyboard oder gar ein Theremin. Musiker durch und durch: Chris und der Band merkte man ihren Spielspaß wirklich an. Die Atmosphäre im Publikum war auch von Beginn an großartig. Quasi jeder war durchweg am Tanzen – und das will bei einem Deutschen Publikum schon was heißen. Da dauert es normalerweise ja immer ein wenig, bis die Leute in die Gänge kommen. 😉

IAMX in Frankfurt, 21.04.2011

IAMX im „Bett“ - Chris Corner am Keyboard

Zu I Salute You Christopher wurde dann das Bild von Chris am Keyboard auf die Leinwände im Hintergrund projiziert. Der Mensch an der Kamera hat hinterher sicherlich ’nen neuen Arm gebraucht. Jetzt könnte man sich fragen, was denn so schwer daran ist, eine kleine Kamera zu halten. Ganz einfach: Der „Kameramann“ kniete während des gesamten Songs vor dem Keyboard.

Nach gut eineinhalb Stunden ging der wirklich tolle Auftritt dann zu Ende – na ja, fast. Natürlich ließen wir die Band nicht ohne Zugabe davonkommen. Nach The Alternative ging Chris noch einmal ans Keyboard mit der in doch ganz passablem Deutsch vorgetragenen Bitte, ihm seine spärlichen Deutschkenntnisse nachzusehen. Dann gab es die deutsche Version von Bernadette auf die Ohren.

Und zu guter Letzt kam dann als letztes Stück des Abends noch das Lied, auf das ich gehofft hatte: Spit It Out. Ein wundervoller Abschluss der insgesamt 2-stündigen Show. 🙂 Einziger Wermutstropfen war die doch recht dunkel gehaltene Lichtshow – wie man auf den beiden Bildern sieht.


Kampf den Spritpreisen!

Momentan erreichen die Preise an den Zapfsäulen ja wieder schwindelerregende Höhen, gerade seit Jahresbeginn. Wenn ich mir mal angucke, wie günstig ich im Vergleich vor zwei Jahren noch getankt habe, als ich mir als einer dieser Abwrackprämiennutznießer meinen jetzigen fahrbaren Untersatz zugelegt habe, dann gruselt es mich. Gleichzeitig ruft einem das aber auch wieder ins Gedächtnis, dass die Ölvorräte auf diesem Planeten nun einmal begrenzt sind. Wird also Zeit, sich mal Gedanken ums Thema „Mobilität“ zu machen.

Im letzten Jahr habe ich so viel Kilometer mit dem Auto zurückgelegt, wie noch in keinem Jahr zuvor – das Ganze überwiegend allein. Das geht dann natürlich schon mächtig ins Geld, weswegen ich gerne den hohen Spritpreisen den Kampf ansagen möchte. Ich fahre zwar durchaus gerne mal mit der Bahn, allerdings waren doch so einige Fahrten dabei, die recht spontan zustande kamen. Da ist die Bahn dann eindeutig zu unflexibel. Zwar gibt es dann auch so diverse Websites, über die man Fahrgemeinschaften bilden kann sowie auch bspw. iPhone-Apps dafür. Trotzdem ist auch hier immer noch eine relativ ausführliche Planung im Voraus nötig, um das Potential einer Kostenreduktion pro Kopf und Fahrt wirklich ausschöpfen zu können.

Ganz cool finde ich da das Konzept von flinc: Momentan noch im sogenannten „Technologietest“ wird hier versucht, ein „social mobility network“ aufzubauen. Gut, mit dem Stichwort „social network“ wird ja inzwischen an allen Ecken und Enden des Netzes um sich geworfen. Die Leutchen von flinc ziehen das Ganze meinem ersten Eindruck nach aber ganz geschickt auf: Zum Einen kann man sich durch die Social-Network-Komponente sozusagen ein paar Stammmitfahrer aufbauen, die man dann über die Zeit auch kennt. Und zum Anderen wird das System durch die Integration in Navigationssoftware hinreichend dynamisch, dass es eben auch für spontane Fahrten taugen kann.

Im Idealfall sieht das Ganze also so aus: Ich steige ins Auto, starte die Navisoftware auf meinem Smartphone, gebe mein Ziel ein und stoße die Routenberechnung an. Die Route wird nun – mitsamt den zuvor getroffenen Einstellungen zu Fahrzeug und Preis pro Fahrminute – an die flinc-Server übertragen. Dort erfolgt der Abgleich mit den momentan aktiven Mitfahrgesuchen. Gibt es entlang der Route einen passenden Mitfahrer, bekomme ich entsprechend eine Nachricht auf mein Handy. Passt mir der vorgeschlagene Mitfahrer und nehme ich ihn an, berechnet die Navisoftware automatisch die Route neu, um eben den Mitfahrer aufsammeln zu können.

Klingt in der Theorie ziemlich prima, finde ich. Aktuell funktioniert das zwar nur mit den iPhone-Apps von Navigon. flinc stellt aber ihre API auch anderen Anbietern zur Verfügung, so dass es nicht lange dauern dürfte, bis auch andere Navisoftware sowie andere Plattformen unterstützt werden.

Vermutlich ist – das System ist wie gesagt momentan noch im Technologietest – noch keine entsprechend kritische Masse erreicht, damit das auf jeder Fahrt, die man so unternimmt, hinhaut. Aber ich werde es in den kommenden Wochen mal ausprobieren, da ich doch schon wieder einiges im Kalender habe, wo ich mit dem Auto hingondeln werde. Berichte über meine Erfahrungen werden sicher folgen. 😉 Wer das Ganze jetzt auch interessant genug findet, um sich das mal anzuschauen: Ich habe als Teilnehmer am Technologietest zehn Einladungen zur Verfügung, kann euch also da gerne ins Boot holen.


Alles nur geklaut?

Das Thema „Musik“ will mich augenscheinlich nicht loslassen. So war sie ja vor zwei Monaten beim „Gothic Friday“ schon Thema. Jetzt im April – das Märzthema habe ich wohl voller Frühjahrsmüdigkeit komplett verpennt – stehen zwei Möglichkeiten zur Wahl: Die Top-5-Filme oder die Top-5-Coverversionen. Da ich ja was Film und Fernsehen angeht eine wandelnde Bildungslücke bin, kommt es also, wie es kommen muss.

In meinem Beitrag zum Gothic Friday im Februar hatte ich ja schon erwähnt, dass ich meinem auditiven Cortex vor meinem Einstieg in die eher dunkleren musikalischen Sphären hauptsächlich Trance, Dance und dergleichen mehr zugeführt habe. Da gab es gerade in der Richtung Vocal Trance eine Anhäufung von lieblos zusammengeklatschten Coverversionen großer Hits, was mit dazu geführt hat, dass ich mich nach musikalisch wesentlich nahrhafterer Kost umgeschaut habe. So bin ich zwar bei Neuinterpretationen immer noch reichlich skeptisch, durfte aber inzwischen feststellen, dass es eben auch wirklich gelungene Cover gibt – auch und gerade in der schwarzen Szene. Hier also mein kleiner Streifzug durch in meinen Au… äh, Ohren wirklich gelungene Coverversionen.

Was bietet sich da als Einstieg besser an, als A Forest? Im Original von The Cure einer der Tanzflächenfüller in der schwarzen Szene schlechthin. Auf ihrem 2004er Album „Monument“ hat das Trance-Duo Blank & Jones sich dieses Stückes angenommen und es – im Übrigen in Zusammenarbeit mit The Cure-Sänger Robert Smith persönlich – in ein neues Gewand gekleidet. Diese Version schafft es wirklich prima, die Brücke zwischen Goth Rock und Trance zu schlagen und würde sich sicherlich auch gut in ein Futurepop-/Synthpop-Set im Club einfügen. Es sind also auch nicht alle Coverversionen, die aus dem Bereich Trance kamen, schlecht. 😉

Eines der Stücke, die mich immer wieder sehr bewegen, ist Homeward von VNV Nation. Kommt das Original VNV-typisch angenehm elektronisch daher, so haben die eher im Bereich Neoklassik und Folk zu verortenden Chamber es geschafft, dem Lied ganz neue Seiten abzugewinnen. Meine erste Begnung mit dieser Version war im „Final Destination“ in Frankfurt. Schon bei den ersten Tönen saß ich da und grübelte, wieso mir die Melodie so dermaßen bekannt vorkam. Ich war so damit beschäftigt, darüber nachzudenken, woher ich das Stück kenne, obwohl ich es sicher noch nie gehört hatte, dass ich darüber völlig das Tanzen vergessen habe.

Völlig abseits meiner sonstigen Hörgewohnheiten habe ich In The Year 2525 von Zager & Evans immer sehr gemocht und höre es auch heute immer wieder gern. Das Lied aus dem Jahre 1969 war interessanter Weise der einzige wirkliche Hit des Duos. Verbreitet es im Original eine eher melancholisch-dystopische Stimmung, so haben Fields of the Nephilim daraus 2005 eine regelrecht furchterregende Schreckensvision gemacht. Das lange Intro, die E-Gitarren und allen voran Carl McCoys düsteres Organ lassen damit die Zukunft noch wesentlich düsterer erscheinen.

Über Thriller von King of Pop Michael Jackson muss ich wohl kaum Worte verlieren. Zu dem Lied wurde damals eines der aufwändigsten Musikvideos überhaupt produziert. Der Clip geht fast als Horrorfilm durch und könnte es damit eigentlich auch in die Top-5-Filme schaffen. 😉 Auf ihrem letztjährigen Album „Soul Saliva“ haben The LoveCrave eine recht eigenwillige Interpretation dieses Songs abgeliefert, die mir aber sofort ins Ohr ging. Gerne würde ich die Italiener dieses Stück mal live aufführen sehen – ihr Auftritt auf dem Amphi Festival 2008 hat mich wirklich begeistert. Daher bin ich überzeugt, dass ihre Version von Thriller live noch viel besser wirkt.

Lange habe ich im Übrigen gebraucht, um mit der Musik von Alexander Kaschtes Projekt Samsas Traum warm zu werden. Den Weg dahin geebnet hat sicherlich das Cover von Schwarz. Im Original von ASP fügt sich das Stück sehr geradlinig in den Schwarzen-Schmetterling-Zyklus ein: Die typischen Synthesizer-Sounds aus den Anfangszeiten der Band gepaart mit den damals noch recht zurückhaltend herüberkommenden E-Gitarren erzeugen da eher eine unterschwellig bedrohliche Atmosphäre. Kaschte dagegen lässt das Lied zu Anfang wesentlich verspielter klingen – man mag sich dazu vorstellen, wie der Schmetterling hier zunächst scheinbar wenig bedrohlich durch die Luft tanzt. Dann holt er aber im Gegensatz zur Vorlage wesentlich brachialer die Gitarren hervor und zeigt so deutlich, wie der Schwarze Schmetterling zunächst eher harmlos scheint, sich dann aber umso gnadenloser auf sein Opfer stürzt. Ein wirklich sehr tolles und stimmiges Cover.