no need of sun to light the way…

Zensur!!^11einseinself!

Ein Aufschrei ging gestern früh durch die Medienlandschaft. Von Zensur war die Rede, das Ende der Meinungsfreiheit wurde gar heraufbeschworen (zum Bleistift auf Spiegel Online). Oh mein Bob! Wir werden alle sterben!!^11einseinsdrölfundrölfzig!! Der Gipfel war dann das „#TwitterBlackout“ Hash-Tag, unter dem dazu aufgerufen wurde, am heutigen Samstag komplett auf die Twitternutzung zu verzichten. Damit würde man denen ja schon zeigen, wo der Hammer hängt, jawollja!

Doch was war geschehen? Bislang war es so, dass Twitter auf staatliche Forderungen hin, bestimmte Aussagen und Inhalte zu entfernen dermaßen reagierte, dass betreffende Tweets gelöscht wurden. Und löschen bedeutete in dem Fall, dass eben jene Tweets absolut und unwiederbringlich weg waren und von niemandem mehr gelesen werden konnten. In einem Blogeintrag kündigte das Unternehmen nun an, künftig einen anderen Mechanismus zu verwenden, um in bestimmten Ländern unerwünschte Inhalte zu blockieren. Wohlbemerkt, nur in bestimmten Ländern.

Der Satz in besagtem Blogeintrag ging aber tatsächlich noch weiter; hieß es doch da: „[…] while keeping it available in the rest of the world.“ Blockierte Inhalte werden also nur noch in dem Land nicht zu sehen sein, das die Sperre angeordnet hat. Offenbar war da bei den meisten Lesern aber die Aufmerksamkeitsspanne schon erschöpft. Bei mir ging stattdessen das Hirn an. Denn wenn man mal den bisherigen Status Quo mit dem nun neuen Zustand vergleicht, stellt das doch wohl eine deutliche Verbesserung dar. Anstatt Tweets weltweit für jeden komplett zu löschen, bleiben sie nun für den Rest der Welt erhalten. Und mehr noch: User in dem Land, in dem ein Tweet blockiert ist, werden sogar explizit darauf hingewiesen, dass hier gerade gesperrte Inhalte an ihnen vorbeirauschen.

Wer sich bei Twitter mal auch ein bisschen mit den Konfigurationsmöglichkeiten vertraut gemacht hat, weiß, dass man in seinem Profil sein Heimatland einstellen kann. Bislang wurde dies hauptsächlich dazu genutzt, die „Trending Topics“ zu filtern. Aber ach! Ich konnte da zum Beispiel auch „United States“ anstelle von „Deutschland“ einstellen – und schwupps, sah ich eben deren TTs. An dieser Stelle mal weiter spekuliert, käme man also unweigerlich auf den Gedanken, dass Twitter gesperrte Inhalte eben auch auf diese Art filtern dürfte. Und tatsächlich: Auf Nachfrage von heise online bestätigte eine Sprecherin des Unternehmens, dass man so verfahre (letzter Absatz in dem Artikel).

Ich sehe dies als ziemlich gelungenen Versuch, gegen Staaten zu trollen, die versuchen, die Meinungsfreiheit zu beschränken. Denn Zensur war, was Twitter bislang tun konnte. Das, was jetzt geschieht, führt in meinen Augen zu einem drastisch erhöhten Maß an Transparenz und gibt betroffenen Nutzern sowie dem Rest der Welt wirklich ein effektives Mittel an die Hand, dass Meinungen nicht mehr so leicht unterdrückt werden können.

Also, kommt mal alle wieder runter. Statt eines Twitter-Blackouts, der Leuten, die Meinungen unterdrücken wollen ja eigentlich nur in die Hände spielt, sollten wir ab jetzt erst Recht twittern, was das Zeug hält.

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2 Antworten

  1. Leute die sich in solchen Staaten äußern wollen, fanden bislang immer einen Weg dies zu tun. Was nützt mir es, wenn Twitter nun offener ist, wenn aber gleichzeitig der Staat den Internetverkehr überwacht und mir jederzeit den Geheimdienst etc. vorbeischicken kann? Aber jetzt gegen Twitter Stimmung zu machen, wie das auch z.Z. Anonymous tut, ist echt nur albern. Also immer schön weitertwittern ^c^ ^C^ ^c^ ^C^

    28. Januar 2012 um 10:04

    • Na ja, dass du hier und da und dort überwacht wirst, ist ja nochmal ein ganz anderes Thema. Worum es mir eben hauptsächlich ging, ist diese in meinen Augen völlig blödsinnige Reaktion mit dem „TwitterBlackout“. Anstatt froh zu sein, dass Twitter nun eine wirklich vernünftige Lösung gefunden hat…
      Sie hätten ja im Zweifelsfall auch den Dienst einstellen können. 😉

      28. Januar 2012 um 12:06

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