no need of sun to light the way…

Ist Gothic (m)ein Lebensstil?

Uff, da warten Shan Dark und Robert ja in diesem Monat wieder mit einem richtig schweren Thema für den Gothic Friday auf. Sie stellen die Frage, ob denn „Gothic“ (d)ein Lebensstil sei. Was ja nun irgendwie dann zwei Fragen sind, nur eben geschickt als eine einzige verpackt. Wobei das für mich jetzt noch eine dritte Frage aufwirft: Wo fange ich da bloß an?

Unterscheidet sich denn mein „Lebensstil“ so sehr vom Gros der Bevölkerung? Ich gehe 40 Stunden in der Woche arbeiten, ab und zu mal ins Kino, ab und zu auch mal tanzen oder auf Konzerte. Und wenn es sich irgendwie machen lässt, verbringe ich Zeit mit guten Freunden. Klingt jetzt nicht unbedingt besonders „goth“, oder? Zumindest wäre dies das Ergebnis, wenn man sich meinen Lebensstil nur ganz oberflächlich anschaut. Da das aber schon genug Leute tun, muss ich selbst das ja nicht auch noch machen. 😉

Im Unterschied zum Durchschnittsbürger allerdings renne ich fast ausschließlich in schwarzen Klamotten durch die Gegend. Im Büro besteht mein Outfit meist aus Band- oder Festival-T-Shirt sowie schwarzer Jeans. Es kommt aber auch mal vor, dass ich dezent mit Ringen besetzte Hosen an habe. In meiner Freizeit ziehe ich dann durchaus auch mal Kleidung an, die ich überwiegend auch zum Weggehen anziehe – inklusive bspw. New Rock Boots. Da ernte ich dann schon mal den ein oder anderen seltsamen Blick, aber das lasse ich an mir abprallen.

Aber warum gerade schwarz? Zum Einen habe ich festgestellt, dass ich mich in schwarzer Kleidung am wohlsten fühle – auch wenn ich da keine Erklärung für habe, wieso das so ist. Vielleicht, weil es komplett schwarze Kleidung einem leicht macht, sich aus der meist bunten Masse abzuheben und zu zeigen, dass man ein Individuum ist. Zum Anderen hat das aber auch einen gewissen Symbolwert: Schwarz bietet für mich einen Kontrast zur immer bunteren Werbewelt, in der wir zu leben scheinen. Außerdem wird es im europäischen Kulturkreis ja als Trauerfarbe angesehen. Insofern stellt es auch einen Kontrast zur „Spaßgesellschaft“ dar: Es ist eben nicht in jeder Sekunde des Lebens alles gut und schön und supertoll. Allzu häufig jedoch wird nach meinem Empfinden dazu geneigt, die Schattenseiten des Lebens beiseite zu schieben und ihnen keine Beachtung zu schenken. Aber ist das wirklich die richtige Art und Weise, damit umzugehen?

Wenn ich mal mies drauf bin, dann ist  das eben so – das könnte man also als (Teil meiner) Lebenseinstellung auffassen. Da kann dann sonst wer kommen und mir ein „Lach doch mal“ an den Kopf werfen. Es gehört für mich zum Leben dazu, dass man eben auch mal schlecht gelaunt ist. In solchen Situationen ziehe ich mich dann entweder zurück und lese, höre Musik oder schreibe gar etwas. Von Zeit zu Zeit gehe ich dann auch einfach mal spazieren: Am Mainufer Würzburgs in der Abenddämmerung, kurz bevor es richtig dunkel wird, lässt es sich sehr gut spazieren gehen und den eigenen Gedanken nachhängen.

Was im Übrigen die Musik angeht, dürfte der geneigte wiederkehrende Leser dieses Blogs ja schon mitbekommen haben, dass sie mir sehr wichtig ist. Gerade die Musik der Schwarzen Szene ist meinem Empfinden nach wesentlich tiefgründiger und nachdenklicher, als der Großteil dessen, was man sonst so serviert bekommt. Und ein nachdenklicher Mensch bin ich schon immer gewesen.

Aber macht das alles in Summe jetzt einen „Lebensstil“ aus? Und ist dieser als „Gothic“ zu bezeichnen? Ehrlich gesagt: Es ist mir eigentlich fast egal, solange ich als Individuum respektiert werde, so wie ich bin. Das allerdings ist unter Leuten, die sich selbst als Gothic bezeichnen würden, bislang am ehesten der Fall gewesen.

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2 Antworten

  1. Mit Deinem Schlusssatz sprichst Du mir aus der schwarzen Seele. Es ist ein undefinierbarer, innerer Antrieb, der uns in den Momenten, die uns selbst gehören (und nicht dem Arbeitgeber) und in denen wir alleine oder unter ‚Unseresgleichen‘ sind, ‚anders‘ sein lässt: melancholisch, nachdenklich, tiefgründig. Ob das zu einem Lebensstil ausreicht? Ich weiß es auch nicht genau… man sollte mal einen Soziologen befragen 😉

    11. September 2011 um 21:30

  2. Huhu!

    Wenn es mir nicht gutgeht,
    sieht man mir das auch an,
    ich setz dann auch kein breites
    Grinsegesicht auf. Kein Mensch der
    Welt ist immer nur gutgelaunt.
    Schöner Beitrag!

    Dunkle Grüße! 🙂
    Melle

    18. September 2011 um 21:16

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