no need of sun to light the way…

Tanzverbot mal anders

Meine Herrn, war das ein Schieben und Drücken! Die „Batschkapp“ in Frankfurt war am Karfreitag gerappelt voll – Covenant gastierten in der Mainmetropole und offenbar zog das die Leute in Scharen und nicht nur aus dem Rhein-Main-Gebiet an. Ich war also mit meinen knapp 120 Kilometern Anreise nicht mal eine Ausnahme.

Wobei die Anreise zu diesem Konzert für sich genommen gar nicht so weit war. Mein bester Freund wohnt ja in der Gegend, so dass ich bei ihm für die Tage unterkam. Abgesehen davon wollte er sich Covenant ebenfalls nicht entgehen lassen, also sind wir – was leider viel zu selten vorkommt – dann gemeinsam losgezogen.

Pünktlich zum Start der ersten Vorband betraten wir dann den Club. Ach ja: Hatte ich nicht vom IAMX-Konzert am Abend zuvor behauptet, es sei heiß und stickig gewesen? Ha! Gegen das Klima in der „Batschkapp“ war’s im „Bett“ ja noch regelrecht angenehm – heißer war nur noch das ASP-Konzert im Herbst 2010 in Potsdam. Das aber auch nur, weil da die Belüftung nicht lief. 😉

Patenbrigade: Wolff in der Batschkapp, Frankfurt

Patenbrigade: Wolff

Jedenfalls standen Patenbrigade: Wolff schon auf der Bühne und brachten ihre Popmusik für Rohrleger dar. Und gestanden haben sie wirklich: Wer die Auftritte des Electro-Projekts kennt, der weiß, dass das ganze doch eher statisch herüberkommt. So ist es beim ersten Mal sicherlich ein netter Gag, wenn die Herren in Bauarbeiterkluft mitsamt Bierkasten auf die Bühne stiefeln und dann mal eben so das typische Bauarbeiterklischee erfüllen. Je öfter man diesen Auftritt allerdings sieht, desto langweiliger wird’s. Das Publikum stand während des Auftritts auch bauarbeitergleich still herum, dabei war für den Rest des Abends nie wieder so viel Platz zum Tanzen. Und die Musik wäre definitiv dazu geeignet gewesen – hätte die Band das Publikum denn mal genug mitgerissen.

Nach einer kurzen Umbaupause – Zeit, Luft zu schnappen! – ging es dann mit dem italienisch-ungarischen Projekt aus Kanada weiter: Decoded Feedback. Ihr aktuelles Album Aftermath höre ich durchaus gerne, darum war ich gespannt, wie die beiden live rüberkommen. Und in der Tat schafften sie es zu zweit, mehr Bewegung auf die Bühne zu bringen, als der Eröffnungsact mit vier Leuten.

Decoded Feedback in der Batschkapp, Frankfurt

Decoded Feedback

Auch im Publikum war deutlich mehr los, was vielleicht auch mit daran liegen mag, dass Decoded Feedback schon wesentlich länger Musik machen, als Patenbrigade: Wolff. Was das angeht, haben die Wahlkanadier durchaus ein Repertoire, das mit Sicherheit groß genug für eine eigene Headliner-Tour ist. Der Auftritt war im übrigen auch die einzige Gelegenheit an diesem Abend, eine E-Gitarre im Einsatz zu erleben. Aber gut: Wer mit elektronischer Musik nichts anfangen kann, war hier heute definitiv falsch. 😉 Auf jeden Fall hoffe ich, dass ich Decoded Feedback noch öfter zu Gesicht bekomme – ihr Auftritt weckte in mir Lust auf mehr.

Gegen 22 Uhr kamen dann auch definitiv die letzten Supportbandmuffel in die Batschkapp und es wurde schon fast unerträglich kuschlig. Das Intro des aktuellen Albums Modern Ruin und somit auch zum mit Spannung erwarteten Auftritt von Covenant dröhnte uns nun entgegen und die Bühne wurde komplett in rotes Licht getaucht. Daniel Myer und… nicht Joakim Montelius betraten das Rampenlicht. Statt Joakim kam ein weiterer Daniel auf die Bühne – Daniel Jonassen von der schwedischen Synthpopband Dupont nämlich. Joakim nimmt sich wohl eine Auszeit: Elternzeit sozusagen. 😉

Covenant in der Batschkapp, Frankfurt

Das Covenant-Intro taucht den Saal in Rot

Schließlich tauchte auch Sänger Eskil Simonsson im flackernden LED-Licht auf der Bühne auf und das Intro ging nahtlos über in einen der Klassiker der Band: Stalker. Überhaupt kam es häufiger vor, dass die Band die Stücke geschickt ineinander übergehen ließ. Das passte ganz hervorragend, spielten Covenant doch schon immer gern eigens für ihre Liveauftritte aufgemotzte Versionen der Songs. Die Spielfreude der Drei auf der Bühne übertrug sich nun auch rasant aufs Publikum, das nun wirklich fast durchweg am Tanzen war.

Wobei sich das mit dem Tanzen durchaus schwierig gestaltete: Die Batschkapp war wirklich zum Bersten voll. Ich kann mir gut vorstellen, dass der Veranstalter da über die Kapazitätsgrenze der Location hinausgegangen ist, was den Konzertgenuss für uns doch ein wenig trübte. Oder war das vielleicht dem eigentlich geltenden Tanzverbot geschuldet? Einfach den Laden so voll machen, dass kein Platz zum Tanzen bleibt? 😉 Jedenfalls schoben sich zu oft Leute in Richtung Bar und mit Bechern beladen zurück Richtung Bühne. Zum Glück blieb mir eine Bierdusche erspart, den einen oder anderen Schluck musste mein T-Shirt dann aber doch nehmen.

Covenant in der Batschkapp, Frankfurt

Covenant bei ihrem Club-Kracher „Call the Ships to Port“

Aber nochmal zum Geschehen auf der Bühne: Recht geschickt haben Covenant die Songs vom aktuellen Album in ihre Setlist eingebaut. Die neuen Stücke kommen live sehr schön rüber: Zum Beispiel Judge of My Domain, was mir auf CD schon sehr gefiel. Auch toll war die Version, die von der schon vor dem Album erschienenen Single Lightbringer gespielt wurde. Eskil trat hier in den Hintergrund und überließ Daniel Myer das Mikrofon. Grandios!

Von Happy Man kredenzten die Drei uns als Zugabe auch noch eine schöne Liveversion, bevor der Abend mit Theremin endgültig zum Abschluss kam. Nachdem ich Covenant bislang nur auf Festivals sehen konnte, zeigte sich hier, dass sie auf Tour mit einer eigens abgestimmten Lichtshow erst so richtig aufdrehen.

Alles in allem ein wunderbarer Konzertabend. Wäre der Club nicht so dermaßen überfüllt und stickig gewesen, hätte ich dem Erlebnis das Prädikat „perfekt“ verpasst. Hoffentlich dauert es bis zur nächsten Tour nicht wieder so lang.

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2 Antworten

  1. ronjaRT

    Weiß ja net wie es von da hinten aussah, aber in den ersten 5 Reihen wurde nach dem 2 Stück von Decoded Feedback nur noch SMS geschrieben oder andoid in Facebook rumgemacht. Der Auftritt hatte im Gegensatz zur Patenbrigade auch überhaupt keine Höhepunkte.

    25. April 2011 um 19:24

    • Hm, vielleicht war ich ja bei Patenbrigade: Wolff zu weit hinten, um da irgendwelche Tanzbewegungen im Publikum mitbekommen zu können. 😉 Bei Decoded Feedback hab ich im mich herum jedenfalls mehr Leben mitbekommen.

      25. April 2011 um 19:45

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