no need of sun to light the way…

Alles nur geklaut?

Das Thema „Musik“ will mich augenscheinlich nicht loslassen. So war sie ja vor zwei Monaten beim „Gothic Friday“ schon Thema. Jetzt im April – das Märzthema habe ich wohl voller Frühjahrsmüdigkeit komplett verpennt – stehen zwei Möglichkeiten zur Wahl: Die Top-5-Filme oder die Top-5-Coverversionen. Da ich ja was Film und Fernsehen angeht eine wandelnde Bildungslücke bin, kommt es also, wie es kommen muss.

In meinem Beitrag zum Gothic Friday im Februar hatte ich ja schon erwähnt, dass ich meinem auditiven Cortex vor meinem Einstieg in die eher dunkleren musikalischen Sphären hauptsächlich Trance, Dance und dergleichen mehr zugeführt habe. Da gab es gerade in der Richtung Vocal Trance eine Anhäufung von lieblos zusammengeklatschten Coverversionen großer Hits, was mit dazu geführt hat, dass ich mich nach musikalisch wesentlich nahrhafterer Kost umgeschaut habe. So bin ich zwar bei Neuinterpretationen immer noch reichlich skeptisch, durfte aber inzwischen feststellen, dass es eben auch wirklich gelungene Cover gibt – auch und gerade in der schwarzen Szene. Hier also mein kleiner Streifzug durch in meinen Au… äh, Ohren wirklich gelungene Coverversionen.

Was bietet sich da als Einstieg besser an, als A Forest? Im Original von The Cure einer der Tanzflächenfüller in der schwarzen Szene schlechthin. Auf ihrem 2004er Album „Monument“ hat das Trance-Duo Blank & Jones sich dieses Stückes angenommen und es – im Übrigen in Zusammenarbeit mit The Cure-Sänger Robert Smith persönlich – in ein neues Gewand gekleidet. Diese Version schafft es wirklich prima, die Brücke zwischen Goth Rock und Trance zu schlagen und würde sich sicherlich auch gut in ein Futurepop-/Synthpop-Set im Club einfügen. Es sind also auch nicht alle Coverversionen, die aus dem Bereich Trance kamen, schlecht. 😉

Eines der Stücke, die mich immer wieder sehr bewegen, ist Homeward von VNV Nation. Kommt das Original VNV-typisch angenehm elektronisch daher, so haben die eher im Bereich Neoklassik und Folk zu verortenden Chamber es geschafft, dem Lied ganz neue Seiten abzugewinnen. Meine erste Begnung mit dieser Version war im „Final Destination“ in Frankfurt. Schon bei den ersten Tönen saß ich da und grübelte, wieso mir die Melodie so dermaßen bekannt vorkam. Ich war so damit beschäftigt, darüber nachzudenken, woher ich das Stück kenne, obwohl ich es sicher noch nie gehört hatte, dass ich darüber völlig das Tanzen vergessen habe.

Völlig abseits meiner sonstigen Hörgewohnheiten habe ich In The Year 2525 von Zager & Evans immer sehr gemocht und höre es auch heute immer wieder gern. Das Lied aus dem Jahre 1969 war interessanter Weise der einzige wirkliche Hit des Duos. Verbreitet es im Original eine eher melancholisch-dystopische Stimmung, so haben Fields of the Nephilim daraus 2005 eine regelrecht furchterregende Schreckensvision gemacht. Das lange Intro, die E-Gitarren und allen voran Carl McCoys düsteres Organ lassen damit die Zukunft noch wesentlich düsterer erscheinen.

Über Thriller von King of Pop Michael Jackson muss ich wohl kaum Worte verlieren. Zu dem Lied wurde damals eines der aufwändigsten Musikvideos überhaupt produziert. Der Clip geht fast als Horrorfilm durch und könnte es damit eigentlich auch in die Top-5-Filme schaffen. 😉 Auf ihrem letztjährigen Album „Soul Saliva“ haben The LoveCrave eine recht eigenwillige Interpretation dieses Songs abgeliefert, die mir aber sofort ins Ohr ging. Gerne würde ich die Italiener dieses Stück mal live aufführen sehen – ihr Auftritt auf dem Amphi Festival 2008 hat mich wirklich begeistert. Daher bin ich überzeugt, dass ihre Version von Thriller live noch viel besser wirkt.

Lange habe ich im Übrigen gebraucht, um mit der Musik von Alexander Kaschtes Projekt Samsas Traum warm zu werden. Den Weg dahin geebnet hat sicherlich das Cover von Schwarz. Im Original von ASP fügt sich das Stück sehr geradlinig in den Schwarzen-Schmetterling-Zyklus ein: Die typischen Synthesizer-Sounds aus den Anfangszeiten der Band gepaart mit den damals noch recht zurückhaltend herüberkommenden E-Gitarren erzeugen da eher eine unterschwellig bedrohliche Atmosphäre. Kaschte dagegen lässt das Lied zu Anfang wesentlich verspielter klingen – man mag sich dazu vorstellen, wie der Schmetterling hier zunächst scheinbar wenig bedrohlich durch die Luft tanzt. Dann holt er aber im Gegensatz zur Vorlage wesentlich brachialer die Gitarren hervor und zeigt so deutlich, wie der Schwarze Schmetterling zunächst eher harmlos scheint, sich dann aber umso gnadenloser auf sein Opfer stürzt. Ein wirklich sehr tolles und stimmiges Cover.

Advertisements

4 Antworten

  1. Ich fasse meine bisherigen Cover-Version-Empfehlungen des Gothic Friday zusammen: LAIBACH sind die Meister des Diebesguts! Feinfein :-))

    4. April 2011 um 16:18

  2. stoffel

    Auch wenn das Video 2525 auf YouTube nicht mehr verfügbar ist so konnte man das Original doch sehr gut aus der Cover Version heraushören … Die Cover Version von Chamber finde ich ganz zauberhaft … mit dem Cover von Thriller hab ich so meine Probs, obwohl die Version wirklich gut ist!
    Sehr schöne Auswahl und klasse geschrieben 🙂

    4. April 2011 um 19:34

    • Danke für den Hinweis, dass der Clip offline ist. Habe den Link mal eben schnell getauscht – gab sogar eine noch bessere Version, als die ursprünglich verlinkte. 🙂

      4. April 2011 um 19:53

  3. Es ist immer wieder interessant, was aus so manchen Vorlagen herausgeholt werden kann.

    In the year 2525…ich fragte mich immer, warum dieser Text mit einer derartigen Spaß-Schunkeln-Melodie daherkommt. Passt dieses doch so gar nicht zu manchen wirklich annehmbaren Prophezeiungen des Stückes. Wobei man dafür wohl nicht so lange warten muss.
    Fields of the Nephilim lassen da die Zukunftsmusik schon etwas passender schlagen. Um nicht zu sagen, überhaupt erst einmal passend.

    Von den hoffnungslos verpoppten Thriller der frühen 80´er Jahre zu einer ansehnlich kraftvollen Atmosphäre. Nett…allerdings fraglich, wie der harmonieverwöhnte Jackson-Groupie darauf reagiert. Zumindest würde mich das mal interessieren.

    Da mir VNV bis auf drei Ausnahmen zu piepsig daherkommt und mit ihrer musikalischen Happy-End-Stimmung ganz schön die Grundaggressivität einer guten Clublaune verderben kann, ist es doch recht unterhaltsam zu sehen, wie man deren Stücke umschreiben kann.

    So ähnlich erging es mir bei einem Stück von Kirlian Camera. Dieses kam plötzlich in einem derart überraschenden Folklore-Gewand daher, dass ich im Leben nicht draufgekommen wäre, woher und warum mir dieses bekannt vorkam. Doch bei sowas einfach nicht lange überlegen, sondern hinein in die Meute. Irgenwann fällt es einem schon wieder ein…

    6. April 2011 um 00:42

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s