no need of sun to light the way…

Hallo, Echo!

Nicht, dass ich es mir nicht eh schon immer gedacht habe. Aber die Echo-Verleihung, die dieser Tage mal wieder stattfand, ist doch einfach nur eine Selbstbeweihräucherungsveranstaltung der großen Musikkonzerne. Ich kann mir da nicht helfen, aber ich persönlich würde als Musiker diesen Preis gar nicht haben wollen. Was mich mal wieder zu dieser Erkenntnis bringt?

Nehmen wir ganz aktuell mal Unheilig. Ich weiß, das Thema ist schon arg ausgelutscht, hat mich aber mal ein wenig mehr über solche Musikpreise nachdenken lassen. Das letztjährige Album „Große Freiheit“ wurde mit dem Preis für das „Beste Album“ bedacht. Sicher, es war ein wirklich solides Album, das ich auch gerne höre. Wenn ich aber einen Blick in die bisherige Diskografie von Unheilig werfe, war es in meinen Augen leider kein Kandidat für diesen Preis. Das 2004er Werk „Zelluloid“ hätte diesen Titel nach meinem Empfinden deutlich stärker verdient gehabt – es ist für mich bis heute das beste Unheilig-Album überhaupt.

Vermutlich hat das Album damals aber keinen solchen Preis bekommen, weil Unheilig einfach nicht der breiten Masse bekannt waren. Sicherlich spielt auch mit hinein, dass das aktuelle Werk ziemlich auf Massenkompatibilität getrimmt wurde, worunter die Texte aber teilweise deutlich gelitten haben, wie ich finde. Damit wurden von „Große Freiheit“ zwar mehr als 1,4 Millionen Einheiten verkauft, allerdings wirkt „Zelluloid“ auf mich als das wesentlich ehrlichere Album. Musikalisch ist der Graf sicher auch heute noch ganz großartig, aber textlich wirkt das Album von 2004 viel durchdachter und ausgefeilter, als das aktuelle. Nun ist natürlich der Preis fürs beste Album auch so gedacht, dass er für das Album verliehen wird, das sich im vorigen Jahr in Deutschland am meisten verkauft hat. Das empfinde ich aber irgendwie als Etikettenschwindel: Ein Werk, das den Titel „Bestes Album“ erhält, sollte für mich dann schon deutlich aus der Diskografie des damit geehrten Künstlers herausstechen – und zwar auf der künstlerischen Ebene. Und das tut „Große Freiheit“ im Vergleich leider nicht.

Insofern stellt das für mich den Sinn des „Echo“ – und auch generell solcher großen Preisverleihungen – komplett in Frage. Muss man denn wirklich Werke auszeichnen, an denen die Musikindustrie schon gut verdient hat? Wäre es nicht auch für die Plattenlabels viel sinnvoller, hier Künstlern zu mehr Aufmerksamkeit zu verhelfen, die diese ebenso verdient hätten, bislang aber weitgehend unbeachtet geblieben sind? Oder ist der Sinn eines solchen Musikpreises tatsächlich der, sich gegenseitig auf die Schultern zu klopfen und sagen zu können: „Haben wir das nicht toll hinbekommen, mit gewaltig PR so viel zu verkaufen?“ Das ist doch eigentlich höchst unfair dem Künstler gegenüber, sofern er denn wirklich hinter seinem Werk steht. Und das, so denke ich, ist beim Grafen trotz aller viel beklagter „Kommerzialisierung“ immer noch der Fall.

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